Für einen neuen Politikstil

GAL-Bürgermeisterkandidatin Gabriele Triebel stimmte am Samstag mit Landtagsabgeordneten Sepp Dürr auf den Wahlkampf in Kaufering ein. Foto: Kruse

„Auf Augenhöhe mit den Bürgern“ möchte sich Gabriele Triebel (GAL) als Kauferinger Bürgermeisterin bewegen. Deren Interesse hat sie jedenfalls: Bei der Präsentation ihres Wahlprogrammes im Seniorenstift mussten einige Besucher angesichts des großen Andrangs sogar stehen.

Unterstützung erhielt die Diplom-Sportlehrerin vom Landtagsabgeordneten Sepp Dürr, der nicht mit lobenden Worten sparte und auch nicht vergaß, kleine Seitenhiebe an die Konkurrenz auszuteilen. „Wenn sich der scheidende Bürgermeister überhaupt bei jemand Rat geholt hat, dann bei dir“, meinte Dürr und ging auch auf die Stadt Landsberg ein: „Das Prinzip, dass der Bürgermeister schon weiß, was zu tun ist und ihn eine schweigende Mehrheit stützt, egal, was er macht, funktioniert nicht mehr. Man kann Entscheidungen nicht mehr von oben treffen, ohne sie vorher diskutiert zu haben.“ Eben diesen neuen Politikstil versprach Gabriele Triebel ihren Zuhörern. „Das Programm der fünf Kandidaten in Kaufering unterscheidet sich nur in Nuancen. Alle loben den bisherigen Bürgermeister, aber alle wollen etwas besser machen. Wo hat es also nicht gestimmt?“ fragte sie, um die Antwort gleich mitzuliefern. „Seit zehn Jahren muss ich im Gemeinderat feststellen: es gibt kein Miteinander, nur ein Gegeneinander, es fehlt am Ton, an den Inhalten und an der Umsetzung.“ Triebel, die betonte, dass sie über die größte kommunalpolitische Erfahrung aller Kandidaten verfüge, möchte außerdem „Transparenz gegenüber Verwaltung, Gemeinderat und Bevölkerung“ herstellen und für die Bürgerbeteiligung Arbeitskreise gründen, die bei der Verwaltung koordiniert würden. „Fest steht aber auch: Letzte Instanz bleibt der Gemeinderat“. Das weitere Wahlprogramm: • Energie: „In 20 Jahren können wir uns unabhängig selbst versorgen. Zusätzliche Fotovoltaik-Anlagen sehe ich aber höchstens auf Dächern. Wir können unsere Bauern nicht noch mehr in die Bredouille bringen, indem wir ihnen wertvolle Flächen wegnehmen.“ • Finanzen: „Bei neun Millionen Schulden im Haushalt und 30 Millionen in den Gemeindewerken hat Kaufering über seine Finanzen gelebt.“ Bei der Konsolidierung will Triebel die Bürger „primär nicht belasten“. Sie will neue Beschäftigungsmodelle einführen und bei wegfallenden Stellen prüfen, „ob wir die alle ersetzen müssen.“ Ziel müsse es sein, „dass Kaufering aus dem Verwaltungshaushalt eine bis eineinhalb Millionen in den Vermögenshaushalt schieben kann.“ • Verkehrskonzept: „Hier stehen Zielformulierung und Umsetzung aus. Der Verkehr auf der B17alt ist wieder drastisch gestiegen, es hat oberste Priorität, den rauszubringen.“ Die Südumgehung hält Triebel aus Geldgründen, wegen Umweltschutz und Anliegern für einen „Vorschlag aus Utopia.“ • Bahnhof: „Zur neuen Unterführung haben wir einen Beschluss über 300000 Euro gefasst. Jetzt stehen im Bericht des Kommunalen Prüfungsverbandes 1,3 Millionen und keiner weiß, warum“, ärgerte sie sich. Und: „Das muss auch mit einem Aufzug gehen, das funktioniert in ganz München.“ • Neubau Kindergarten Regenbogen: „Das muss endlich umgesetzt werden. Das wurde plötzlich aus dem Haushalt herausgenommen, ohne Info an die Gemeinderäte.“ • Jugend und Senioren: Als Bürgermeisterin möchte Triebel den Jugendbeirat wieder installieren, „so dass wir mehr Nachwuchs für den Gemeinderat gewinnen können.“ Wegen des steigenden Bedarfs für betreutes Wohnen denkt sie über neuen Wohnraum nach. „Dazu wäre in der Friedensstraße ein zentrales Grundstück frei.“ • Verwaltung: „Wir haben gute Leute, aber die Effektivität lässt sich steigern. Seit 25 Jahren gibt es keinen Geschäftsverteilungsplan, das sagt eigentlich alles.“ • Nahwärme: „Die Änderungen und Verbesserungen können wir nur noch mit unabhängigen und fachkundigen Pla­nern angehen, nicht wieder mit Leuten, die uns etwas verkaufen wollen.“ • Ortsentwicklung: Triebel mahnt einen Ortsentwicklungsplan an. „Kaufering hat nur 1700 Hektar, das ist sehr wenig. Wir müssen über Verdichtung, Geschosswohnungsbau und Erholungsflächen nach­denken.“ Mit ihrem Wunsch nach einem Bebauungsplan für „besonders ortsprägende Bereiche im Dorf“ fasst sie ein heißes Eisen an und formuliert entsprechend vorsichtig: „Wir brauchen das, damit nicht immer mehr Hofstellen verschwinden. Aber das geht nur mit dem Dorfverein. Das soll auch kein Verhinderungs-, sondern ein Gestaltungsbauplan sein.“ Dass sie von Bürgermeister Dr. Klaus Bühler Wohl zur Fraktion der „notorischen Nein-Sager“ gerechnet wird, konterte die Triebel schließlich. „Ich habe zehn Jahre lang konstruktive Kritik eingebracht. Jetzt kann ich das umsetzen.“

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