Einmal mieten, zweimal bezahlen

Klaus Hach versteht die Welt nicht mehr: Für ein- und dasselbe Mietobjekt in Geltendorf muss er wohl doppelt Provision an zwei Immobilienmakler bezahlen. Foto: Osman

Was muss ein Immobilienmakler leisten, um seine Provision zu verdienen? Erheblich weniger als zumindest der Geltendorfer Klaus Hach annahm. Ihm wurde ein- und dasselbe Haus von zwei verschiedenen Maklerbüros angeboten. Guten Glaubens zog Hach ein – und musste gleich doppelt dafür bezahlen.

Schon seit längerer Zeit war der Inhaber einer Sicherheitsfirma im Raum Geltendorf auf der Suche nach einem geeigneten Haus zur Miete. Anfang 2010 stieß er im Internet auf ein Objekt, das von dem Maisacher Immobilienmakler Thilo Huber angeboten wurde. Beide trafen sich zu einem Besichtigungstermin, der allerdings nur von außen stattfand. „Wir konnten nur durchs Küchenfenster in das Haus schauen, weil die damaligen Bewohner an diesem Tag nicht da waren“, erklärt Hach. Makler Huber händigte ihm ein Exposé und die Telefonnummer der Noch-Mieter aus, Hach unterschrieb eine Nachweisbestätigung und quittierte damit den Erhalt dieser Informationen. Verschwunden Anschließend riss der Kontakt zwischen Interessent und Immobilienmakler ab. Warum, darüber scheiden sich die Geister. Er habe mehrfach erfolglos versucht, Huber zu erreichen, behauptet Klaus Hach. Das Haus sei kurz darauf aus dem Internet verschwunden. „Ich dachte, es sei nun anderweitig vermietet worden.“ Er habe nach dem Termin nichts mehr von dem Interessenten gehört, kontert der Makler. „Hach hätte nur anrufen müssen, aber das hat er nicht getan.“ Wochen später entdeckte der Interessent zu seiner Überraschung das Haus im Angebot einer anderen Maklerfirma. Wiederum fand eine Besichtigung statt, der Mietver­- trag kam zustande, als Provision flossen rund 3000 Euro. Im Juli vergangenen Jahres zogen Hach und seine Frau in ihr Wunschhaus ein. Ein zweites Mal „Als wir bereits dort wohnten, meldete sich plötzlich Herr Huber und wollte seine Provision kassieren“, berichtet Hach. Empört wies er die Forderung zurück, die er als ungerechtfertigt empfand. Der Makler habe sich nicht ausreichend gekümmert, und schließlich war die Vermietung über ein anderes Büro erfolgt. Der Immobilienmakler aus Maisach zog daraufhin vor Gericht – und bekam Recht. Hach wurde dazu verurteilt, die Maklercourtage ein zweites Mal zu bezahlen. Hubers Anspruch gründe sich darauf, dass ein gültiger Maklervertrag zustande gekommen sei, lautete das Urteil des Amtsgerichts Landsberg. Dazu reicht es, dass dem Interessenten die Adresse eines Objektes genannt und der Kontakt zum Vermieter hergestellt wird. „Laut Gesetz hat der Makler damit seinen Job getan“, erklärt Alexander Kessler, stellvertretender Direktor und Pressesprecher des Amtsgerichts auf Anfrage des KREISBOTEN. Würden sich anschließend Interessent und Vermieter handelseinig, werde die Provision fällig. Es sei ein vielverbreitetes Missverständnis, anzunehmen, der Makler müsse sich für das Zustandekommen des Mietvertrages noch die Hacken ablaufen, weiß Kessler. "Bereits bekannt" Das bestätigt Michael Ginkel, Vorsitzender des Mietervereins in Fürstenfeldbruck. „Der Anspruch auf Provision entsteht bereits dann, wenn der Makler einem Interessenten die Gelegenheit bietet, ein Objekt zu mieten. Dazu reicht es im Prinzip, ihm einfach nur die Adresse zu geben.“ Um eine böse Überraschung zu vermeiden, lautet Ginkels dringender Rat deshalb: Wem ein Mietobjekt doppelt angeboten wird, „der sollte die Unterlagen unbedingt mit dem Vermerk ,bereits bekannt‘ zurückschicken.“ Klaus Hach versteht die Welt nicht mehr. Er fordert nun die Provision zurück, die er an die zweite Immobilienfirma gezahlt hat. „Das ist Gegenstand eines gesonderten Prozesses“, erklärt Richter Kessler. Sollte sich erweisen, dass auch hier ein gültiger Maklervertrag besteht, sei der Ausgang für den Geltendorfer vorgezeichnet. Kessler: „Dann hat er Pech gehabt.“

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