Vom Ende einer Lauschaktion – Commedia Dießen begeistert mit "Die acht Frauen"

Was macht ein Mann, der nach einer zweistündigen Lauschaktion weiß, dass alle acht Frauen, mit denen er sein Leben teilt, einen Grund haben um ihn zu ermorden? Klar – er erschießt sich! Oder doch nicht? Diesem Geheimnis kann man auf die Spur kommen, wenn man sich dieser Tagen ins Wirtshaus am Kirchsteig begibt. Dort feierte die Commedia Dießen am Freitag mit Premiere mit der französischen Kriminalkomödie „Die acht Frauen“ von Robert Thomas, Premiere. Weitere Vorstellungen folgen.

Die süße kleine Catherine ist ganz schön ausgebufft: Gemeinsam mit ihrem Vater Marcel – einem lebenslustigen aber gescheiterten Geschäftsmann, der nicht auf der Bühne sondern nur in den Erinnerungen der Protagonistinnen auftaucht – inszenierte sie hinter den Kulissen dessen Ermordung und prompt entbrennt zwischen den Damen auf der Wirtshausbühne ein Zickenkrieg vom Allerfeinsten: Man verdächtigt sich gegenseitig des Mordes, ein Motiv nach dem anderen wird gnadenlos zu Tage befördert. Für Trauer ist da keine Zeit und auch die Polizei kann nicht gerufen werden, das Telefonkabel ist durchgeschnitten, man ist eingeschneit, das Auto springt nicht an und das hohe Gartentor ist verschlossen. Ein echter Blickfang in Wolfgang Noacks Inszenierung, die auf der Bühne wie im Zuschauerraum Generationen zusammenführt, sind die Geschwister Catherine und Suzanne (Anna Krestel). Suzanne, die von ihrem englischen Freund schwanger ist, beweist detektivisches Geschick, gerät aber selbst in Verdacht, weil sie noch am Abend zuvor ihren Vater heimlich um Unterstützung bat. Insbesondere der temperamentvollen Catherine, ideal besetzt mit der 15-jährigen Schülerin Samantha Bishara und deren altjüngferlichen Tante Augustine, einer „vertrockneten Frucht“ – zartfühlend und zugleich unglaublich komisch interpretiert von Angelika Forster-Walter – ist es zu verdanken, dass das Stück auf der als Salon eingerichteten Bühne nicht zum Konversationsstück erstarrt: Catherine wirbelt scheinbar ohne jegliche Anstrengung durch das Geschehen, neckt Mamy, ihre energische und krankhaft geizige Großmutter – hinreißend schrullig gespielt von Annette Rudat – und hält zugleich die Fäden in der Hand. Sie spielt ihren Mitspielerinnen geschickt gegeneinander aus, und fügt deren Geständnisse zu einem Bild zusammen, das die Doppelmoral der Da- men höchst unterhaltsam sichtbar macht und ihre gutbürgerliche Scheinwelt wie ein Kartenhaus einstürzen lässt. Die erste, die den von der quirligen Wahrheitssucherin Catherine angerichteten Braten riecht, ist schließlich die warmherzige Köchin Chanel (Andrea Schmider). Doch als Catherine nach ihrem eigenen Geständnis endlich zu ihrem Vater ins Schlafzimmer eilt, um mit ihm in ein neues Leben zu fliehen, fällt ein Schuss. „Jetzt habt Ihr ihn umgebracht“, ruft sie, bevor sie ein letztes Mal bühnenwirksam in Ohnmacht fällt. Einmal mehr gelang Regisseur Wolfgang Noack auf der Wirtshausbühne am Kirchsteig – dank seinem sicheren Gespür für Charaktere und Pointen – eine über mehr als zwei Stunden sehr unterhaltsame Inszenierung. Weitere Vorstellungen: 27./28. März und 3./4. April jeweils um 19.30 Uhr. Vorverkauf bei Farben Feistl oder an der Abendkasse.

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