Sechs Windräder würden reichen

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Die Energiewende in Dießen wurde auf Initiative des Ortsverbandes der Grünen am Beispiel eines Modells diskutiert (von links): Martin Stümpfig (Energiepolitischer Sprecher der Grünen im Landtag), Thomas Kanzler (Vorstand Ortsgruppe Dießen), Referent Dr. Othmar Heise, Moritz Neumann und Gabriele Übler (beide Vorstand Ortsgruppe).

Dießen – Bei einem jährlichen Stromverbrauch von 74133 MWh/Jahr werden in Dießen derzeit pro Jahr 9246 MWh aus erneuerbaren Energien erwirtschaftet. Spitzenreiter ist dabei der Solarstrom mit 7563 MWh/Jahr. Um die Ziele der Energiewende bis 2050 zu erreichen, muss noch viel passieren. Mit der Veranstaltung „Energiewende in Dießen – jetzt mal ganz konkret“ brachte der Ortsverband der Grünen neuen Schwung in die Debatte. Gut 50 Zuhörer kamen in den Kramerhof nach Riederau, um den Vortrag von Dr. Othmar Heise zu hören.

Seit vielen Jahren setzt sich der Energieanlagen-Ingenieur mit der Frage auseinander, was eine vollständige Hinwendung zu regenerativen Energien für die Gemeinde Dießen bedeuten könnte. Ein Modell dazu stellte er nun mutig zur Diskussion: Sechs 200 Meter hohe Windkraftanlagen oder alternativ dazu großflächige Photovoltaikanlagen wären nötig um den Energiebedarf der Gemeinde zu decken. In einem Industriekomplex bestehend aus einem Elektrolyseur und einem Methaniseur könnte der erzeugte Strom zuerst in Wasserstoff und dann in synthetisches Methan umgewandelt und schließlich gespeichert werden, um für Hausheizungen, Industriewärme oder Gasantrieb zur Verfügung zu stehen.

Als Methan-Speicher schlägt Heise ausgeförderte Erdgasspeicher vor, die in Deutschland in großer Zahl vorhanden sind und derzeit als strategische Erdgasspeicher genutzt werden. Durch die Speicherung könnten meteorologische Schwankungen in Energieproduktion und Verbrauch ausgleichen werden. Bei Defiziten im Stromnetz wird Gas aus dem Speicher entnommen und in Strom verwandelt der ins Netz geht. Überschüsse könnten an andere in Deutschland vorhandene Speicher abgegeben werden.

Laut Heise betragen die Jahreskosten für die deutschlandweite Energieversorgung der- zeit rund 250 Milliarden Euro. Mit 100 Prozent erneuerbarer Energie könnten sie auf rund 190 Milliarden gesenkt werden, so die Prognose. Walter Kellner, Vorsitzender des Energiewende-Vereins Starnberg gab diesbezüglich zu bedenken, dass man nicht nur Kosten sehen dürfe, sondern auch den Nutzen für die Umwelt.

Relativiert wurde die Zukunftsoption die Heise für Dießen entwarf, durch mehrere Diskussionsbeiträge, die von verträglicheren Umsetzungsmöglichkeiten in der Praxis ausgingen. Die Befürchtung, die Marktgemeinde müsse mit Windkraft- oder Photovoltaik­anlagen „zugepflastert“ werden, sei unbegründet, betonte Martin Stümpfig, energiepolitischer Sprecher der Grünen im Landtag.

Neben der regionalen Produktion von erneuerbarer Energie gehe es auch darum, deren Produktion dort zu bündeln, wo es aus ökologischen und ökonomischen Gründen Sinn mache. Die Wissenschaft sei hinsichtlich der erneuerbaren Energien auf einem guten Weg, nun gehe es darum, dass die Politik den Weg frei mache und die Akzeptanz der neuen Technologien in der Bevölkerung stärke, so Stümpfig. Die gesamte, im Detail sehr vertiefte zweistündige Diskussion, können Interessierte auch als Audio-Mitschnitt unter www.energiewende-in-diessen.de nachhören.

Ursula Nagl

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