Fuchstaler Fahrradcheck

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Wollen beim Frühjahrsmarkt am 8. Mai in Leeder mit einem Repair-Cafe dabei sein: Flüchtlinge aus Eritrea, hier zusammen mit Wolfram Ruoff (2. v. rechts) vom Helferkreis.

Fuchstal – An zehn Abenden haben sie selbst wichtige Begriffe zur Technik am Fahrrad gelernt – und zwar auf Deutsch. Auch können sie seitdem einfache Reparaturen selbst vornehmen. Nun wollen Asylbewerber, die im Fuchstal zu Hause sind, zusammen mit Wolfram Ruoff vom Helferkreis zum Frühjahrsmarkt in Leeder einen Fahrrad-Check anbieten, bei dem zum Beispiel der Luftdruck im Reifen, die Klingel, das Licht und die Bremsen geprüft werden. Geplant ist ein so genanntes Repair-Cafe für Fahrräder, bei dem Eritreer den Fuchstalern für einen Frühjahrs-Check ihrer Räder zur Seite stehen wollen.

Termin ist am Sonntag, 8. Mai, von 11 bis 15 Uhr. Während des Frühjahrsmarktes können Interessierte mit ihren oder ohne ihre Räder zur „offenen Werkstatt“ zum Haus Am Graben 20 kommen. Das ist nur 50 Meter vom Trinkbrunnen an der Dorf­linde entfernt. Für die gut 50 Asylbewerber, die in Leeder und in Asch in drei Häusern wohnen, sind von Heimischen an die 40 gebrauchte Räder gespendet worden. Der Zustand war so, dass nahezu alle Drahtesel „reparabel“ waren, wenngleich zum Teil schon arg ramponiert.

Wolfram Ruoff hatte sich ebenso wie die rührige Christine Kapfer vom Helferkreis anfangs darüber geärgert, dass Flüchtlinge in der Dämmerung und nachts auf den Rädern ohne Licht unterwegs waren. Auch das war der Impuls für einen kleinen Kurs, bei dem an zehn Abenden mit jeweils zwei Stunden den Flüchtlingen alles Wesentliche zum Rad vermittelt wurde. Einige von ihnen sind nun so versiert, dass sie einfache Reparaturen selbst ausführen können. Alle drei Häuser, in denen die Asylbewerber in Leeder und in Asch untergebracht sind, wurden überdies mit Werkzeug ausgestattet – von der Luftpumpe bis zum Schraubenschlüssel.

"Do it yourself"-Typ

Wie Wolfram Ruoff (55) zu der Idee mit den Kursabenden (im April ist den sichtlich stolzen Teilnehmern dafür ein Zertifikat ausgehändigt worden) und mit dem Radlcheck gekommen ist? „Ich bin ein Do it yourself-Mensch“, bekundet der gelernte Schreiner, der erst die Ausbildung abschloss, ehe er an der Technischen Universität München Architektur studierte. Das „Do it yourself“, das Selbstmachen, hat er schon als Bub beherzigt, als er im Karwendel bei Mittenwald aufgewachsen ist.

Während des Studiums entdeckte Wolfram Ruoff das schwäbische Mittertennhaus in Leeder, das er 1989 gekauft hatte. „Ich mag das Urige“, sagt der Fuchstaler. Den Schwerpunkt in seinem Beruf hat er in der Denkmalpflege, was aber Aufträge für Neubau-Planungen nicht ausschließt. Fachlichen Rat steuert er zum Beispiel für eine Mediation zwischen Landesdenkmalamt und Bauwerbern bei, wenn anfangs die Meinungen häufig weit auseinandergehen. Auch erstellt er Gutachten zu Sanierungsmaßnahmen. Freilich hat Ruoff, der Vater einer sechsjährigen Tochter ist, „viele Interessen“, wie er selbst gesteht. Er ist Künstler und Fotograf.

In Zusammenarbeit mit Altbürgermeister Franz Haibl und seiner historischen Fotosammlung hat er mehrere Ausstellungen zur Dorfgeschichte in seinem Haus organisiert, das aus dem 18. Jahrhundert stammt und mit dem Fassadenpreis des Landkreises Landsberg ausgezeichnet wurde. Weitere Aktionen waren das Mitwirken am „Häuserbuch Leeder“ und an der Broschüre „Dorfbilder aus Leeder“. Zudem hat er als Architekt Sitzbänke, Buswartehäuschen sowie einen Trinkbrunnen für Leeder entworfen, mit ausgeführt und aufgestellt.

Doch aktuell engagiert sich Ruoff besonders im Helferkreis für geflüchtete Menschen, wo er derzeit den Fuhrpark von besagten 40 Fahrrädern in Schuss hält. Darüber hinaus gibt er den Menschen Kurse zur Selbsthilfe. So manche Ausstellung, so manches Künstlerfest hat er in seinem Anwesen in Leeder schon organisiert. Was ihn besonders umtreibt, sind Ideen zur Dorfentwicklung; vor allem, um im Sinne von Fußgängern, Radlern und Anliegern Verbesserungen zu erzielen.

Johannes Jais

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