Planungswettbewerb "Europan 13"

Frische Impulse für den Landsberger Süden

+
Im Zentrum des Wettbewerbgebietes „Europan13“ (gelb umrandet) liegt das Gewerbegebiet Lechrain mit dem High-Tech-Unternehmen 3C-Carbon, das im Norden um eine Werkssiedlung erweitert werden könnte.

Landsberg – Für Annegret Michler ist die Sache klar: „Der Wettbewerb ist eine Riesenchance für Landsberg. So günstig kommen wir sonst nie an neue Planungsideen heran“, so die Stadtbaumeisterin, nachdem der Stadtrat mit 19:6 Stimmen für die Teilnahme am „Europan 13“ gestimmt hatte. Überplant werden soll nun in den kommenden zwei Jahren das Gebiet südlich des Zehnerwal- des bis zur ehemaligen Lechrainkaserne, wobei auch das Gelände rund um Friedheim mit einbezogen wird.

Damit werde in der Stadtentwicklung eine große Lücke geschlossen, so Michler. „Seitdem man vor vielen Jahren gesagt hat, dass das ein Naherholungsgebiet für die Landsberger werden soll, ist nie wieder etwas passiert.“ Was beim „Euro- pan“ herauskommt, darf durchaus mit Spannung erwartet werden. Bei der europaweiten Veranstaltung haben junge Planer an 52 Standorten in 16 Ländern praktisch freie Hand, sich gedanklich auf Flächen wie in Landsberg auszutoben. „Da werden sehr viele spannende Sachen dabei herauskommen“, vermutet Michler, „es sind oft auch sehr wilde Vorschläge dabei.“ Manches werde sich möglicherweise in zehn oder 15 Jahren umsetzen lassen, „manches wird auch gar nicht infrage kommen.“

Gegenüber dem Stadtrat hatte die Stadtbaumeisterin bereits klar gemacht, dass man sich mit der Teilnahme am Wettbewerb keineswegs auf eine bestimmte zukünftige Nutzung des Areals festlege. „Das wurde ja extra als Sondergebiet angelegt. So haben wir als Stadt selbstverständlich weiter die Hand drauf.“ Aus „Europan“ werde man aber „frische Impulse bekommen, von denen wir noch lange etwas haben.“ Das bedeute eine klare Verbesserung gegenüber der derzeitigen Situation, meint Annegret Michler. „Hier warten wir dann einmal nicht, bis der erste Bauantrag schon auf dem Tisch liegt, um uns erst dann zu überlegen, was wir eigentlich mit einem Gebiet machen wollen.“

Die Bedenken gegen den Wettbewerb an sich konnte die Beamtin beim Stadtrat aus dem Weg räumen – bei der Mitfinanzierung durch die in der ehemaligen Lechrainkaserne ansässige Firma 3C Carbon hatten jedoch einige Gremiumsmitglieder erkennbar Bauch- schmerzen. Ein großer Teil des Stadtrates hatte das Unternehmen wenige Stunden zuvor besichtigt und von den weitreichenden Plänen der High-Tech-Firma erfahren, die kürzlich weitere Flächen von der Stadt erworben hatte.

Neues Stadtviertel?

An den Gesamtkosten von 135000 Euro für „Europan“ beteiligt sich 3C Carbon immerhin mit 80000 Euro. Er habe „schon ein Problem damit, dass 60 Prozent der Kosten bei Planungen vom größten Nutznießer übernommen werden“, wandte Dr. Reinhard Steuer (UBV) ein, „und die Pläne für eine Werkssiedlung finde ich total inakzeptabel.“ Für Stefan Meiser ist „der Eindruck nicht von der Hand zu weisen, dass dort ein neues Stadtviertel entstehen soll, von dem die Bevölkerung noch gar nichts weiß“, so der ÖDP-Rat, für den das Unternehmen „Bedürfnisse hat, die noch überhaupt nicht in Einklang mit dem stehen, was wir als Stadt wollen.“

Auch, wenn er nicht alle UBV-Kollegen überzeugen konnte, wollte Wolfgang Neumeier ausdrücklich Werbung für „Europan“ machen. „Das ist eine tolle Sache. Wir haben hier die Möglichkeit, einen weißen Fleck zu überplanen, nicht mehr und nicht weniger.“

Annegret Michler ist uneingeschränkt froh, dass man von 3C unterstützt wird, zumal sich das Unternehmen keineswegs aufgedrängt hatte, sondern von der Sinnhaftigkeit der Investition erst einmal überzeugt werden musste. „Und man muss ganz klar sagen: Als Stadt hätten wir im Moment auf keinen Fall das Geld für diesen Wettbewerb.“ Neben der Summe von 3C Carbon sind auch noch 33000 Euro aus der Städtebauförderung eingeplant, so dass der städtische Anteil bei maximal 22000 Euro liegen soll – was auch im Beschluss festgeschrieben wurde.

Dank Penzing

Damit gehört Landsberg jetzt zu einem prominenten Teilnehmerkreis. Unter anderem sind im Wettbewerb, der alle zwei Jahre stattfindet, Städte wie Kopenhagen, Barcelona, Venedig Marseille, Venedig und Budapest vertreten. Dass man überhaupt in die Situation kam, über die Teilnahme an „Euro- pan“ abzustimmen, hat man allerdings auch einer kleinen Nachbargemeinde zu verdanken. Eigentlich war Penzing mit der großen Konversionsfläche des Fliegerhorstes für den Wettbewerb vorgesehen. Dort verzichtete man allerdings dan­kend. Man sei noch lange nicht so weit, hieß es – da sprang Landsberg ein.

Christoph Kruse

Meistgelesene Artikel

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Ein Blick über den Tellerrand

Dießen – „Wenn ich an seinem Ufer steh weiß ich, ich liebe ihn, den Ammersee“ – mit einer Hymne auf Dießen und den Ammersee, gesungen und gespielt …
Ein Blick über den Tellerrand

Gewinnspiel: Tschiller und die Keinohrhasen

Landsberg – Er ist zweifellos der vielseitigste aber auch streitbarste Schauspieler und Filmemacher Deutschlands: Til Schweiger. Mit rund 50 …
Gewinnspiel: Tschiller und die Keinohrhasen

Kommentare