Erleuchtung im Brezl-VW – Kurt Bergmaier zeigt sich als einfühlsamer Chronist seiner Zeit

Das Jahr 2008 hatte gute und schlechte Seiten, die guten überwogen ganz gewiss bei Kurt Bergmaier: Zu seiner eigenen Überraschung wurde der quirlige Künstler, ambitionierte Architekt und langjährige FWS-Gemeinderat im Mai auch noch zweiter Bürgermeister der Gemeinde Schondorf. Vor kurzem outete er sich bei einer Lesung im Rathaussaal, dort, wo noch bis April seine Bilder gemeinsam mit Arbeiten seiner Künstlerkollegen Gerd Hoffmann und Walter Mayer zu sehen sind, als Autor.

Unvergessen das Festspiel der „Schondorfer Jedermann“. Darin begeisterte der passionierte Laienschauspieler Bergmaier das Publikum als ungeduldiger, zorniger und dennoch liebenswerter Teufel auf der Jagd nach Jedermanns Seele. Kein Zweifel, Kurt Bergmaier ist ein Hans-Dampf in allen Gassen, als quirliger Motor für viele Kunstereignisse zwischen Lech und Ammersee, als Kursleiter an der VHS, als Ausstellungsorganisator oder als langjähriger Vorsitzender des Regionalverbandes Bildender Künstler Oberbayern West pendelte und pendelt er hin und her, hier anregend, da aneckend, da verbindend. Kein Wunder also, dass Bergmaier viel zu erzählen hat, von seinen Künstlerkollegen, von denkwürdigen Ereignissen in der Kunstszene von Künstlerfesten und dergleichen mehr. Und dann sind da natürlich auch noch die Erinnerungen an mittlerweile verstorbene Künstlerkollegen, zum Beispiel an den bekannten Bildhauer Bertram Graf aus Utting, dessen Intimfeindschaft mit dem früheren Landrat Müller-Hahl Anlass zu mancherlei Anekdoten und Geschichten gab, zu denen auch die „Sprengung eines Brunnens“ gehört. Sein Talent als humorvoller Erzäh-ler beweist Bergmaier auch in der Geschichte „Der Wasserturm“. Zu den Protagonisten zählt wieder Bertram Graf, diesmal gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen Wolfram Dietze aus Eresing: Bei Eiseskälte machten sich die Beiden eines Tages mit ihrem „guten alten Brezel-VW“ in wichtiger Mission auf den Weg, um, zahlreichen Widrigkeiten zum Trotz, an einem Wasserturm bei Dachau eine Hinweisplatte auf eine darin befindliche Kunst- aktion anzubringen. Nachdem beim Brezl-VW auf der Rückfahrt die Heizung ausgefallen war, wurde kurzerhand der mitgeführte Bunsenbrenner aktiviert und so donnerte ein hell erleuchtetes Gefährt zur großen Verwunderung zahlreicher Passanten in Richtung Ammersee durch die Nacht. „Rotlicht“ nennt Bergmaier eine weitere Episode mit Schmunzelqualität. Sie erzählt von Bertram Grafs Suche nach der ultimativ besten Silvesterparty einige Jahre vor Millennium: Nach einem strapaziösen, mitternächtlichen Marsch über Wiesen und Felder gelangte Bergmaiers Künstlerfreund, von einem roten Licht geleitete, allerdings nur zu einem Hühnerstall, der von einer Wärmelampe erhellt wurde. Schön, warm und wie ein Hauch von Sommer mutete es an, wenn der Autor in diesen grauen Wintertagen seinen Text von der „Ateliernacht am Westufer“ vorliest. Einer lauen Juninacht 2001, als am Ammersee-Westufer alle Künstler und Alle die ihre Künstler mögen, unterwegs waren, um die allseits geöffneten Ateliers zu besuchen oder mit der Arbeitsgemeinschaft Dießener Kunst am See zu feiern. „Nervöses Ammerseeflimmern“, so nannte Kurt Bergmaier seine erste öffentliche Lesung. Schon möglich, dass der quirlige Autor und Vorleser Bergmaier, der im Rahmen dieser Matinee schließlich auch hinter die Kulissen seines eigenen Lebens blicken ließ, ein bisschen nervös war. Doch dieses Flimmern tat der Sache keine Abbruch, im Gegenteil: Mit überwiegend kurzen, pointierten, witzig und assoziativ aneinander gereihten Sätzen zeichnen Bergmaiers Geschichten und Anekdoten ein liebevolles Porträt eines sympathischen Künstlervölkchens aus der Perspektive von einem, der weiß wovon er spricht. Bleibt nur zu hoffen, dass auch 2009 ein gutes Jahr wird. Vielleicht weil Kurt Bergmaier noch mehr von seinen Geschichten zum Besten geben wird, oder sie vielleicht sogar gebunden oder broschiert unter unseren Weihnachtsbaum 2009 legen wird?

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