Orgel gegen Schlagzeug

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Orgel zum Anfassen: Umringt von kleinen und größeren Zuhörern lüftete der Regensburger Professor Norbert Düchtel ein paar der Geheimnisse des Kircheninstruments.

St. Ottilien – So viel Gedränge herrscht sonst nicht auf der Orgelempore der Klosterkirche von St. Ottilien. Doch am ersten Kinder-Orgel-Tag trat man sich dort oben schier auf die Füße. Professor Norbert Düchtel, Organist, Dozent, und renommierter Orgelsachverständiger aus Regensburg, lüftete ein paar der Geheimnisse des Kircheninstruments und zeigte, dass man auch höchst weltliche Musik darauf spielen kann.

Über 4.000 Pfeifen, drei Reihen Tasten, massenweise Register und unten auch noch Pedale – „so eine Orgel muss ganz schön teuer sein“, vermutete ein Bub völlig zurecht. 1,2 Millionen Euro würde es kosten, die Ottilianer Sandtner-Orgel heute zu bauen, erzählte Norbert Düchtel. Dafür kann sie unendlich viele Klänge erzeugen, kann durch Mark und Bein gehen, schmeicheln wie eine Flöte oder tröten wie ein Krummhorn. Sie kann auch Spannung erzeugen mit fiesen hohen Tönen, „wie wenn im Dschungelbuch die Schlange Kaa auftritt oder der Hexer im Edgar-Wallace-Film“.

Jede einzelne Pfeife erfordert 36 Arbeitsgänge, bis sie fertig ist. Und nicht alle vertragen sich miteinander. „Wenn zwei Pfeifen sich streiten, passiert das gleiche wie zu Hause, wenn Geschwister sich streiten“, so Düchtel augenzwinkernd. Die Mutter trennt die Streithähne, und die Orgelbauer siedeln die unverträglichen Pfeifen an entgegengesetzten Enden an.

Die mehr als 40 Kinder, die mit ihren Eltern in die Kirche gekommen waren, lauschten andächtig – erst recht, als es dann noch ein Konzert gab, bei dem die Orgel viele verschiedene Tierstimmen und -geräusche imitierte. „Macht die Augen zu und stellt euch die Szenen vor“, ermunterte Moderator Hermann Lahm das junge Publikum. Und plötzlich marschierten unsichtbare Löwen und Elefanten auf, sangen Nachtigallen und Lerchen, watschelten Pinguine und hoppelten Hasen durch die Kirche.

„Eine tolle Veranstaltung“, so ein Vater anschließend begeistert. Ob sich auf diese Weise Organisten-Nachwuchs rekrutieren lässt, bleibt abzuwarten – sein Sohn will eigentlich lieber Schlagzeug lernen.

Ulrike Osman

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