Erster Saitensprung in die Lechstadt – Anna Katharina (Kränzlein) stellt ihre neue CD vor

Kommt eine neue Musik-CD auf den Markt, so kann man sie unterschiedlich bewerben. Man lanciert sie in Radioshows, organisiert Interviews in den einschlägigen Magazinen oder Fernsehsendungen und stellt sie – neuerdings immer häufiger – im Internet zum Download zur Verfügung. Das ist aber alles nichts im Vergleich zu einem Live-Auftritt. Vergangene Woche kam Landsberg in den Genuss eines solchen Events. Wer der Einladung in Edmund Epples Licca Lounge gefolgt war, bekam die Chance, sich in die zauberhafte Anna Katharina Kränzlein zu verlieben.

Die Musikerin hat sich bereits einen Namen in der Formation „Schandmaul“ gemacht, die seit zehn Jahren mit ihrem in der Musik des Mittelalters angelegten Rock zu einer der erfolgreichsten Bands in der jungen deutschen Szene gehört. Mit dem Album „Saitensprung“ gelingt Anna Katharina das was vielen, die ein Erstlingswerk fulminant gestartet haben, versagt bleibt: die Fortsetzung des gelungenen Starts. Insgesamt fünf Stücke gibt sie an diesem Abend vor der Kulisse des Lechwehrs zum Besten, „ein Rundumschlag übers Album“, wie Kränzlein selbst sagt. Zum Auftakt überrascht sie mit einem Klassiker: „In den Hallen des Bergkönigs“ von Edward Grieg. Der Landsberger Schlag­zeuger Specki T.D. und Bassist Michael Ende, beide Mitglieder der „Letzten Instanz“, machen schnell klar, dass es hier nicht um einen Konzertabend in der Philharmonie geht. Anna Katharinas sehnlichster Wunsch, die klassische Musik dem jungen Publikum näher zu bringen, ist auf einem guten Weg. Selbst auf hohem Niveau ausgebildet, achtmal Siegerin beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ und Diplomstudium der klassischen Geige in Saarbrücken und Würzburg, ist sie wohl bestens geeignet, „Botschafterin“ der so genannten ernsten Musik zu werden. Ihre Begleiter zeigen ebenso virtuos, was es heißt, sein Instrument zu beherrschen. Wenn Specki T.D. in dem Stück „Nimbu Pani“ den fernen Orient durch das Bearbeiten einer einfach wirkenden Holzkiste fingerfertig heraufbeschwört, Anna ihrer „Kaffeemühle“, wie Specki despektierlich die Drehleier nennt, sämtliche fernöstlichen Instrumente entlockt und Michael Ende seinen Bass dazu nur noch streichelt, kommt man unweigerlich ins Träumen. Die Bandbreite ihres Könnens unterstreicht die Band mit den beiden Werken „Flying Cow“ und „Captain Islay“. Ersteres, im amerikanischen Folk zuhause, fordert zum spontanen Tanz eines Squaredance auf, auch wenn es Passagen von Nachdenklichkeit und Ruhe beinhaltet. „Captain Islay“ dagegen dokumentiert nicht nur die Liebe zur Musik, sondern auch die zu gutem Wiskey, wie Anna Katharina augenzwinkernd bekennt. Die irische Insel Islay ist berühmt für die besten Destillerien des Landes in der rauen keltischen See. Ganz in der Tradition Leonard Cohens beendet Anna Katharina ihr leider viel zu kurzes Konzert. Ihre Coverversion seines Hits „Hallelujah“ singt sie mit klarer sicherer Stimme, der man die Schulung durch versierte Lehrer anhört. Sie wagt keine großen Experimente, hält sich dankenswerterweise an die Vorlage des großen Sängers und Liedschreibers. Die Freude an der Rockmusik zeigt sie dennoch in der Mitte des Stücks, unprätentiös, unaufdringlich, passend, gemäß der Zeile „I did my best, it wasn't much”. Leonard Cohen hätte seine Freude an der Interpretation der jungen, charmanten Frau. Jeder in der gut gefüllten Bar wünschte sich, es möge weitergehen. Die Zugabe, die die Band deshalb spielte, schloss den Reigen durch die Weltmusik wieder in Europa. Ungarische Zigeunermusik, der Czar­das von Vittorio Monti, ein Klassiker erster Güte, den jeder mitpfeifen könnte, zeugte von ihrer ausgefeilten Kunstfertigkeit auf ihrem Lieblingsinstrument, der klassischen Violine. Selbstverständlich wieder in „unserem Gewand“ betont sie. Diese drei Musiker stehen für eine neue Generation von jungen Virtuosen, die beweisen, dass Rockmusik kein irgendwie geartetes Eindreschen auf jedwedes Instrument ist, wie Altvordere nach wie vor behaupten. Die Meisten können auf eine solide Ausbildung zurückblicken, haben sich in klassischen Wettbewerben bewiesen und, vielleicht auch manchmal zum Leidwesen ihrer Eltern, für eine nicht minder erfolgreiche Karriere im Rock und Popbusi­ness entschieden. Es ist Idealisten wie Edmund Epple zu verdanken, dass man Gelegenheiten wie diese bekommt, solche Bands life sehen zu können. Es gäbe nur noch in 70 Städten unabhängige Plattenläden wie diesen in Deutschland, bedauert Kränzlein und freut sich, bald wieder in Landsberg auftreten zu dürfen. Ende Januar, am 30., wird Anna Katharina Kränzlein mit ihrer Band im Stadttheater ein „richtiges Konzert“ geben. Es ist empfehlenswert, es nicht zu versäumen…

Meistgelesene Artikel

Teststadt für "intelligente Mobilität"?

Landsberg – Wie kann man erreichen, dass die Bürger und Besucher der Lechstadt im Jahr 2035 problemlos, zeitsparend und umweltgerecht mobil sind? Das …
Teststadt für "intelligente Mobilität"?

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Ein Blick über den Tellerrand

Dießen – „Wenn ich an seinem Ufer steh weiß ich, ich liebe ihn, den Ammersee“ – mit einer Hymne auf Dießen und den Ammersee, gesungen und gespielt …
Ein Blick über den Tellerrand

Kommentare