50-jähriges Professjubiläum

Goldene Hochzeit mit dem Kloster

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Berthold Kirchlechner (vordere Reihe, ganz links) und sein Novizen-Jahrgang 1966 - von den acht jungen Männern kehrten sechs dem Kloster bald wieder den Rücken.

St. Ottilien – Das erste Gebäude, das Berthold Kirchlechner in St. Ottilien kennenlernte, war eine Holzbaracke. Dort fand 1956 die Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium statt. Mit einigen der Sachaufgaben, die sich um Einkäufe und städtische Gepflogenheiten drehten, konnte der Bauernsohn aus dem Schwäbischen nichts anfangen. Die Prüfung bestand er trotzdem. Schon am Tag nach dem Abitur tauschte er sein Internatszimmer gegen eine Klosterzelle.

Glücklich und zufrieden blickt Pater Berthold Kirchlechner auf 50 Jahre Zugehörigkeit zu den Missionsbenediktinern von St. Ottilien zurück.

Kürzlich feierte Pater Berthold gemeinsam mit einigen Mitbrüdern sein 50-jähriges Professjubiläum – quasi seine Goldene Hochzeit mit dem Benediktiner­orden. Kirchlechner und zwei weitere Goldprofessen haben ihr Gelübde erneuert und von Erzabt Wolfgang Öxler den Altersstab in Empfang genommen, ein Ehrenzeichen, das Halt und Stütze symbolisiert. Mit einem halben Jahrhundert Ordenszugehörtigkeit sind die Drei die jüngsten unter den Jubilaren. Der ehemalige Klostermetzger Richard Ertl und Imker Isidor Mayer bringen es auf 60 Jahre, Maurermeister Armin Kränzle gar auf 70.

Berthold Kirchlechner hat seinen Entschluss, Mönch zu werden, nie bereut – auch wenn ihn der Weg zunächst eher zufällig nach St. Ottilien führte. Weil der Bub aus gesundheitlichen Gründen für schwere körperliche Arbeit ungeeignet schien, schickte man ihn „zum Studieren“. Der Vater sei eher nicht begeistert gewesen, dass sich daraus eine Ordenslaufbahn entwickelte, erinnert sich Kirchlechner. „Er war ein sehr freiheitsliebender Mensch. Doch dann hat er gesehen, dass es mir im Kloster gutgeht.“

Aufgewachsen mit sechs Geschwistern, sei ihm Gemeinschaft immer wichtig gewesen, erzählt der 70-Jährige. „Als Priester irgendwo allein zu leben, das hätte ich nicht gewollt.“ Der Verzicht auf eine eigene Familie wurde dadurch aufgefangen, dass er viele Jahre als Erzieher in den Internaten in Dillingen und St. Ottilien tätig war. „Das war ein Stück Vater- oder Elternleben.“

Viel hat sich nicht geändert im klösterlichen Alltag der letzten 50 Jahre. Die rhythmische Abfolge von Gebet und Arbeit, Mahlzeiten und Erholung ist unverrückbar. Gut, man darf mittlerweile eine halbe Stunde länger schlafen und steht erst um fünf auf. Gut, man dürfte vielleicht etwas mehr fernsehen. Aber die „heute“-Nachrichten fallen mit dem Abendessen zusammen und die „Tagesschau“ mit dem letzten Gottesdienst des Tages, dem Komplet. „Darum bin ich sicher nicht immer ganz auf dem Laufenden, was alles in der Welt passiert“, sagt der Pater und schmunzelt.

Vor 50 Jahren war die Berichterstattung über das Zweite Vatikanische Konzil das äußerste, was die jungen Mönche sich ansehen durften. „Wir haben uns gefreut, dass sich etwas bewegt.“ Besonders darüber, dass in den Gottesdiensten Latein durch die Muttersprachen ersetzt wurde. „Das war auch ein Grund, warum ich im Kloster geblieben bin.“

Gerne wäre er als Missionar in eines der weltweit verstreuten Benediktinerhäuser gegangen. Aber er wusste auch, dass seine Gesundheit ein Leben etwa in Afrika wohl nicht mitgemacht hätte. „Ich habe mich immer als Teil des Bodenpersonals gesehen.“

Ulrike Osman

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