Müssen die Kletter-Freaks jetzt bangen?

"Lech-Kletterzentrum" spaltet den Alpenverein

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Ob und in welcher (Betreiber-)Form das „Lech-Kletterzentrum“ im Süden des Kauferinger Bahnhofs realisiert werden kann, ist aktuell noch offen.

Kaufering/Landsberg – Weit vor dem ersten Spatenstich hat das Projekt „Lech-Kletterzentrum“ offensichtlich einen tiefen Graben in den Landsberger Alpenverein gezogen. An dem von Erwin Stolz so vehement vorangetriebene Projekt im Süden des Kauferinger Bahnhofs finden bei weitem nicht alle Sektionsmitglieder Gefallen, sie setzen die Prioritäten anders – etwa auf die Sanierung der Landsberger Hütte im Tannheimer Tal. Und so kam es, dass AV-Chef Stolz nach 35 Jahren den Vorsitz zum Jahreswechsel niederlegte, ganz leise, ohne viel Aufhebens. Wenige Tage später folgte ihm auch Vize Werner Sauder – „aus beruflichen Gründen“, heißt es offiziell.

Der mit rund 5.500 Mitgliedern stärkste Verein im Landkreis ist damit zwar ohne 1. Vorsitzenden, aber beileibe nicht führungslos. Nach dem Rücktritt der beiden Vorsitzenden – Stolz habe ihn „lange vorher“ angekündigt – berief der verbleibende Vorstand Beirat Jochen Metzler bis zur Nachwahl bei der nächsten Mitgliederversammlung zum neuen 2. Vorsitzenden; unterstützt wird er vom 3. Vorsitzenden Georg Schappele.

Trat nach 35 Jahren als AV-Vorsitzender zurück: Erwin Stolz.

„Veränderungen bedeuten immer auch Chancen und Risiken“, so das neue Führungsduo in der aktuellen Vereins-Info. Sie betonen: „In diesem Jahr fallen voraussichtlich Entscheidungen, die das Vereinsleben in diesem Jahrhundert erheblich beeinflussen werden.“ Dabei blicken sie nicht nur auf das „Lech-Kletterzentrum“ in Kaufering, sondern auch auf die Landsberger Hütte. An der Frage, ob die Sektion beides schultern kann, scheiden sich derzeit offensichtlich die Geister. Es geht um Millionen.

Die Sektionshütte im Tannheimer Tal, im Kern 87 Jahre alt, bedarf nach Darstellung von Metzen und Schappele einer „grundlegenden Sanierung“. Diese könnte in einem oder mehreren Bauabschnitten erfolgen – zusammen mit der Verbesserung des Brandschutzes, die die Tiroler Behörden vorschreiben. Allein diese beide Maßnahmen würden nach aktuellen Berechnungen bis zu 1,5 Millionen Euro verschlingen. Etwa ein Drittel davon würde der DAV-Bundesverband als Zuschuss und Darlehen übernehmen.

Ganz anders sieht es beim „Lech-Kletterzentrum“ im Süden des Kauferinger Bahnhofs aus. Im Zuge der Verlagerung seines Firmensitzes (Gebäude­reinigung Wasserle GmbH&Co. KG) wollten es Markus Wasserle und der Landsberger Alpenverein in der Viktor-Frankl-Straße realisieren und dann in einer Betreibergesellschaft führen – mit ins Boot sollte auch der Kauferinger Alpenverein.

Mitte November vergangenen Jahres freute sich der damalige AV-Chef Erwin Stolz noch, einen „verlässlichen und noch dazu finanzkräftigen Partner“ gefunden zu haben. Bei der Präsentation des Vorhabens rechneten die Beteiligten mit Spatenstich und Eröffnung noch im Jahr 2017. Die Kletter-Freaks in der Region waren rundum begeistert. Und im Gemeinderat war man ebenfalls sehr angetan: „Eine ganz charmante Lösung, die die Attraktivität Kauferings steigern würde“, sagt Bürgermeister Erich Püttner. Nichtöffentlich beschlossen die Ratsmitglieder, das gemeindeeigene Grundstück am Bahnhof an Wasserle zu veräußern, vorausgesetzt, es gibt eine Kooperationsvereinbarung mit den beiden AV-Sektionen.

Und eben diese Kooperation scheint jetzt auf der Kippe zu stehen. Sie sei „gescheitert“, weil dem Vorhaben die Gemeinnützigkeit und damit verbunden die Förderfähigkeit versagt bliebe, sagen Metzen und Schappele. Und erklären die Abkehr von Investor Wasserle. Es sei geplant, den Bau und Betrieb der Kletterhalle an der Viktor-Frankl-Straße und die Kapitalbeschaffung (geschätzt 2,3 Millionen Euro) gemeinsam mit dem AV Kaufering in Form einer Genossenschaft (e.G.) zu realisieren. Sollte auch das vom Damoklesschwert „Gemeinnützigkeit und Förderfähigkeit“ zerschlagen werden, so würde man auch eine gewerbliche, also private Kletteranlage unterstützen.

Wäre dann wieder Markus Wasserle im Rennen? Auf Anfrage hält er sich noch bedeckt. Aus gutem Grund: Gestern Abend (nach KREISBOTEN-Redaktionsschluss) traf er sich mit dem Vorstand des Landsberger Alpenvereins – zu einer „finalen Runde“. Erst danach werde er Details seiner aktuellen Pläne bekanntgeben. Die Flinte ins Korn werfen, will er keineswegs. Er werde „auf alle Fälle bauen“ und seine Firma mit rund 170 Mitarbeitern von Martinsried bei München nach Kaufering umsiedeln. Wasserle betont: „Egal, was ich dort baue, ich habe nie mit öffentlichen Zuschüssen geplant.“

Toni Schwaiger

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