Tagesmütter unterbezahlt?

Was ist "leistungsgerecht"?

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Bei Tagesmüttern werden die Kinder häufig in kleinen Gruppen individuell betreut. Für diese Tätigkeit fordern nun einige Tagesmütter eine angemessenere Bezahlung

Landkreis – Sie betreuen Kinder in kleinen Gruppen, meist in den eigenen vier Wänden und oft zu flexiblen Zeiten. Doch mit ihrer Entlohnung sind die Tagesmütter im Landkreis Landsberg nicht zufrieden, weiß Kathrin Grabmaier (CSU), nachdem sich einige Tagesmütter an sie gewandt haben. Sie fordern nun eine „leistungsgerechte Entlohnung“ für ihre Tätigkeit. Im Vergleich mit anderen Landkreisen soll jetzt das Jugendamt prüfen, was darunter zu verstehen ist.

Wie in einer Großfamilie gestaltet sich der Alltag mit den Kindern, schildert Tagesmutter Sabine Simeone aus Erpfting dem Jugendhilfeausschuss. Zur Zeit hat sie sieben Kinder in Betreuung. Sie arbeitet wochentags von 7 bis 17 Uhr – plus zwei Stunden Vor- und Nachbereitung jeden Tag. Oft bedeutet das eine 60-Stunden-Woche. Simeone rechnet das alles in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses vor. Sie kommt auf einen Stundenlohn von etwas mehr als drei Euro. Im Landkreis Fürstenfeldbruck, weiß die Tagesmutter, kommen ihre „Kolleginnen“ auf einen Stundenlohn von rund fünf Euro.

Etwa 80 Prozent der Kosten werden durch die Elternbeiträge finanziert, so Jugendamtsleiter Peter Rasch. Den Rest übernimmt der Landkreis. Die Tagesmütter erhalten von der Jugendhilfe ein Leistungsentgelt sowie eine Sachaufwandsentschädigung. Das Amt für Jugend und Familie orientiert sich dabei an den Empfehlungswerten des Bayerischen Landkreistages. Doch genau gegen diesen Bescheid des Landratsamtes hätten nun einige Tagesmütter Widerspruch eingelegt, so Simeone.

Die Frage nach der „leistungsgerechten Entlohnung“ bleibt also. Derzeit werden 72 Kinder von 26 Tagesmüttern im Landkreis betreut. Für Auswahl und Qualifizierung der Tageseltern ist das „Kinderbüro Landsberg“ zuständig. Bevor man jedoch als Tagesmutter im Landkreis arbeiten darf, muss man 160 Unterrichtsstunden zur Grundqualifizierung ableisten. Auch eine regelmäßige Auffrischung eines Erste-Hilfe-Kurses gehört dazu.

Trotzdem könne man die Arbeit der Tagesmütter in vielerlei Hinsicht nicht mit der von Erziehern und Kinderpflegern vergleichen, so Kreisrätin Kathrin Grabmaier (CSU), die auch auf die Bitte einiger Tagesmütter hin den Antrag auf Überprüfung der Entlohnung gestellt hat. Hinsichtlich der Verantwortung handele es sich da um „zwei Paar Stiefel“, so Grabmaier.

BRK-Kreisgeschäftsführer Andreas Lehner verwies auf den Unterschied in der Qualifikation: Erzieher müssten schließlich eine vier- bis fünfjährige Ausbildung absolvieren, Kinderpfleger zwei Jahre. Dem stimmte auch Jugendamtsleiter Rasch zu: Tagesmutter sei kein Ausbildungsberuf, sondern eine „berufsbegleitende Qualifikation“. Trotzdem könne die Entlohnung nicht nur anhand der Qualifikation bemessen werden, so Bernd Rau vom Kreisjugendring, sondern auch an der Bedeutung der Arbeit.

Das Amt für Jugend und Familie wurde nun beauftragt, die bisher gültige Orientierung an den Empfehlungen des Bayerischen Landkreistages kritisch zu prüfen. Dafür sollen auch andere Landkreise wie beispielsweise Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen oder Aichach-Friedberg zum Vergleich herangezogen werden.

In der nächsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses im Sommer soll dieses Thema dann erneut behandelt werden.

Astrid Erhard

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