Europa für 75 Minuten in Dießen – Radweg, Kormoran und Zierfeder: BR mit "Jetzt red i!" in Dießen

Jetzt red i! Der Radweg Dießen-Fischen, die Kormoran-Plage am Ammersee oder die Zierfeder auf dem Trachtenhut D’Ammertaler – alles Themen, die die Dießener direkt an die Europaabgeordneten herantrugen. Oder an Kandidaten, die am Sonntag in das Europaparlament gewählt werden wollten. 75 Minuten lang berichtete das Bayerische Fernsehen am Mittwochabend direkt aus dem Traidt- casten – und war dafür mit sechs Kameras vor Ort.

Schon lange vor der Liveübertragung hatte sich in der Marktgemeinde „Jetzt red i, Europa“ angekündigt. Geladene Vereinsver- treter und Gemeinderäte hatten bereits eine Vorbesprechung absolviert und waren mit den Redakteuren des Bayerischen Rundfunks auf Themensuche gegangen. Trotz aller, oder vielleicht auch wegen aller Vorbereitungen: In Dießen klappte alles wie am Schnürchen, und die Fragen wurden zur vollsten Zufriedenheit der BR-Produktion und der 25 Mitarbeiter nacheinander von den Europaparlament-Kandidaten abgearbeitet. Geschütztes Federvieh Dabei waren einige rein Ammerseer Themen darunter. Der bayerischen Tradition verpflichtet sehen sich die Dießener Trachtler, die die Auerhahnfeder auch gerne künftig auf ihrem Hut sehen würden. Zwar äußerte Sepp Kaindl, Vorsitzender des Trachtenvereins D’Ammertaler Dießen/St. Georgen, durchaus Verständnis für die 30 Jahre alte Schutzverordnung, erläuterte aber auch die Probleme: Es werde immer schwieriger, für die originalgetreuen Trachten an Federn geschützter Vögel zu kommen. Ein ganz anderes Problem mit Federn sprach Simon Rauch an, der als Fischer eine Lösung für die „schwarze Brut“ sucht – die Kormorane. Wenn bis zu 3000 der großen Vögel pro Tag 500 bis 600 Gramm Fisch fressen, bekommt das der heimische Fischer sehr wohl zu spüren. Weil der schlaue Vogel schnell registriert, wie er am effektivsten jagt und wo er geschossen werden darf und wo nicht, befürchtet Rauch ein „Schlaraffenland am Ammersee“. Dem widersprach Wolfgang Kreissl-Dörfler (SPD) energisch. Er hofft, dass durch das bereits beschlossene Kormoran-Management eine Reglementierung auch für die Region möglich ist. In Sachen Geh- und Radweg zwischen Dießen und Fischen waren sich die Gäste einig, dass zwar die Vögel geschützt, aber „der Mensch in dieser Landschaft genauso berücksichtigt werden muss, wie die Tiere“ (Thomas Händel). Auch Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch meldete sich zu Wort und hinterfragte die Privatisierung der so genannten Daseinsvorsorge. Nein, auch in Zukunft müsse die Grundvorsorge der Bürger wie die Wasserversorgung in staatlicher Hand sein, beziehungsweise in der Hand der Kommune, waren sich die Diskussionsteilnehmer einig. Beschwerden beim Stammtisch im Dießener Unterbräu zum Trotz: Das Rauchverbot dürfe auch künftig nicht EU-weit geregelt werden. In Deutschland kann Bayern damit eigene Ausnahmen machen. Dafür sei der Nichtraucherschutz nun schon in 25 europäischen Ländern gesichert.

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