EVL: H.-J. Böttcher dankt ab und Insolvenz droht

Noch EVL-Chef Hans-Jürgen Böttcher: „Eine Insolvenz droht.“ Foto: Krivec

Der EVL sucht einen neuen 1. Vorsitzenden. Hans-Jürgen Böttcher wird sich für die kommende Saison nicht mehr zur Verfügung stellen. Ob seine bisherigen Vorstandskollegen die Verantwortung als Chef übernehmen werden, ist mindestens fraglich. Bereits in den nächsten Wochen sollen deshalb die Weichen neu gestellt werden.

Derzeit besteht die EVL-Vorstandsspitze neben Böttcher noch aus Jochen Mörz und Josef Keller. Mörz ist einen großen Teil des Jahres beruflich nicht in der Lage, in Landsberg vor Ort zu sein, Keller war bisher mit seinem Engagement für den Nachwuchs bereits mehr als gut ausgelastet. „Ich gehe davon aus, dass beide nicht für mein Amt zur Verfügung stehen“, so Böttcher. „Mörz wird es sicher nicht machen. Ich kann mir höchstens vorstellen, dass vielleicht Josef Keller einspringt, aber nur wenn wir jemand finden, der für die 80000 Euro kurzfristige Verbindlichkeiten bürgt. Ansonsten haben wir vieles geordnet und geregelt, der Verein steht ja sowohl was die Geschäftsstelle angeht als auch das Marketing inzwischen gut da. Ein Nachfolger übernimmt geordnete Verhältnisse.“ Die Entscheidungen über die Zukunft sollen auch in personeller Hinsicht schnell fallen. Bereits am Samstag leerte das Team wie üblich bei einem gemeinsamen Essen die Mannschaftskasse. Von Montag bis Mittwoch sollen alle aktuellen Unterlagen an den Steuerberater weitergereicht werden. Am Dienstag stand zunächst die Rückgabe von Wohnungen und Autos der Spieler an den Verein an, am Abend (19.30 Uhr, in den Räumen vor der Geschäftsstelle) steigt die Verabschiedung des Teams, zu der alle Fans eingeladen wurden. Bleibt Beslagic? Laut dem bisherigen Zeitplan sollte außerdem binnen Wochenfrist der neue Trainer für die kommende Saison vorgestellt werden. „Dabei bleibt es auch“, so Böttcher. „Allerdings kann ich mir vorstellen, dass man den bisher geplanten Co-Trainer noch kippt. Wir würden gerne mit Elvis Beslagic weiterarbeiten. Er hat zwar keinen Trainerschein und man muss sehen, wieviel Zeit ihm sein Beruf lässt, aber wir haben Pläne für ihn als Co-Trainer der ersten Mannschaft und mit einer Aufgabe im Nachwuchs.“ Abhängig sei das allerdings davon, „wie die Gesamtlage ist, da müssen wir erstmal das Gespräch mit dem Steuerberater abwarten.“ Wann die dringend nötige Mitgliederversammlung des EVL einberufen wird, ist noch offen. Böttcher favorisiert eine schnelle Lösung. „Die betriebswirtschaftliche Auswertung können wir schnell bekommen. Die ist dann vielleicht nur zu 80 Prozent korrekt, was die Zahlen angeht, aber sonst müssen wir wieder bis mindestens Ende Mai warten, bis wir eine Bilanz haben.“ Pause bis 2012 Seine persönliche Zukunft beim EVL lässt Böttcher offen: „Klar ist, dass ich frühestens im April nächsten Jahres wieder eingreifen oder vorher höchstens zwischendrin mal kurz helfen kann, aber nicht als 1. Vorsitzender. Falls ich bis dahin Akku und Euros aufgefüllt habe, meine Rente durch ist und man mich hier wieder haben will, kann man mit mir reden. Für das nächste Jahr muss man mit dem Steuerberater die Punkte aufschlüsseln, die wichtig sind und sehen, wer sie erledigen kann. Ich hoffe, dass irgendwo einer auftaucht, der das machen will. Ich habe das Risiko auch wegen der Junioren und der Jugend auf mich genommen, deswegen sollte das auch jemand für den Nachwuchs weiterführen.“ EVL muss 80000 Euro aufbringen Die kommenden Wochen werden für den EV Landsberg nicht nur personell, sondern auch finanziell wegweisend. „Unsere Situation ist mit der von 1860 München vergleichbar“, sagt Vorstand Hans-Jürgen Böttcher. „Ich werde die Zahlen und Unterlagen in dieser Woche bewerten lassen.“ Eine Insolvenz „droht, das ist richtig, aber ich habe noch ein paar Ideen. Wir brauchen jetzt schnell Hilfe, aber die Hoffnung gebe ich noch nicht ganz auf.“ Zwar benötigt der EVL nicht acht Millionen Euro binnen zwei Wochen, wie der marode Münchener Fußball-Club, sondern nur 80000 Euro innerhalb der nächsten fünf Wochen. „Das mag sich für manche wie Peanuts anhören, aber für uns ist das eine große Summe; vor allem nachdem ich jetzt schon viel Geld besorgt habe.“ Die Verschuldung sei zwar auch in diesem Jahr deutlich reduziert worden, die fehlende Liquidität ist aber drückend. „Ich kann Vergleiche und Verzichte auf Altschulden abschließen wie ich will, aber wir brauchen jetzt schnell Geld und haben im Moment keines.“ Entscheidend sei auch, wie der Steuerberater die Situation bewertet, „das ist ja auch eine rechtliche Frage, ob man weitermachen kann.“ Die drängendsten Probleme: • Sozialabgaben und Steuern: „Die zu bezahlen, ist Pflicht“, so der Vorsitzende, „andernfalls mache ich mich strafbar. Deshalb musste ich während der Saison jeden Monat 2500 Euro frisches Geld bringen. Vor der Saison waren sogar 35000 Euro bei der DAK aus Zeiten des vorherigen Vorstands anhängig, das musste sofort bereinigt werden und hat uns noch weiter zurückgeworfen.“ Zwar hat man bei Krankenkasse und anderen Gläubigern bereits angemeldet, „dass wir eine Karenzzeit bis Mitte April brauchen. Aber wenn wir da nicht bezahlen, wird alles seinen normalen Gang gehen. Das heißt, wir werden schriftlich eine Aufforderung bekommen, den Insolvenzantrag zu stellen.“ Das betrifft neben der Krankenkasse vor allem Finanzamt und Berufsgenossenschaft. • Sonstige Verpflichtungen: Auch Ausrüster, Busunternehmen, Mannschaft und Trainer warten auf Geld. Böttcher: „Wir haben während der Saison alles getan, um das auszugleichen. Bei den Spielern ist bis jetzt alles bezahlt, obwohl das schon schwierig war. Ich hoffe, dass sie akzeptieren, dass es mit den letzten Auszahlungen später wird. Wir werden jetzt eine Akonto-Zahlung leisten, der Rest dauert. Aber letztes Jahr haben das auch drei akzeptiert und zwei andere sind zum Anwalt gelaufen, damit muss man leider immer rechnen.“ • Eismiete: Derzeit ist man nach Böttchers Auskunft bei der Stadt Landsberg mit zwei Monatsraten à 6200 Euro im Rückstand. „Die Altschulden sind auch da nicht ausschlaggebend. Das sind noch 24000 Euro, die werden aber jährlich mit unserer Jugendförderung von 4000 Euro verrechnet.“ Da man aktuell die Raten aber nicht bedienen kann, droht für die kommende Saison, dass die Stadt wieder vorab eine hohe Bürgschaft einfordert. Hier müsse die Stadt Landsberg dem EVL in der schwierigen Situation helfen. „Ich habe zu diesem Thema vor drei Wochen einen Brief an den Oberbürgermeister geschrieben. Leider habe ich keine Antwort erhalten und jetzt erst auf Nachfrage erfahren, dass der OB noch im Urlaub ist.“ Böttchers Ideen Dass sich diese Bestandsaufnahme kritisch anhört, weiß auch Hans-Jürgen Böttcher, die Flinte wirft er deshalb noch nicht ins Korn. „Wir haben die Altschulden mehr als halbiert. Dass es aktuell finanziell schwierig ist, konnte sich ja jeder bei unseren Zuschauerzahlen selbst ausrechnen. Aber ich habe schon noch Ideen, ich möchte in dieser Woche auch auf die Fanclubs mit einem neuen Vorschlag zugehen. Es gibt die eine oder andere Institution, an die sie sich wenden können und die sich vielleicht für uns engagiert.“ Eine weitere Hoffnung gründet sich auf die Gastronomie im Eisstadion. „Ich habe mit vielen anderen Vereinen aus der Oberliga gesprochen, bei denen bleiben 40 bis 50 Prozent aus diesem Bereich bei den Clubs hängen“, weiß Böttcher. „Wir wollen das endlich selbst vermarkten und wollen auch da nur Chancengleichheit von der Stadt gegenüber anderen Vereinen wie den Basketballern und den Handballern. So wie früher, dass uns der Wirt immer nur Geld gibt, wenn er es für richtig hält, geht es nicht mehr. Das hatte ich allerdings schon Ronny Kelm-Kläger als Vorstand gesagt.“ Die Frage, ob professionelles Eishockey in Landsberg nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre überhaupt möglich ist, bejaht Böttcher klar. „Das geht sogar mit 300 bis 400 Zuschauern in der Oberliga. Man müsste nur die Verpflichtungen aus der Vergangenheit loswerden, in der Gastronomie gleichgestellt werden und das Problem mit den Spielerwoh­- nungen loskriegen, die uns immer noch 3000 Euro im Monat kosten.“ Schlüssel umdrehen? Dass die derzeitige Situation auch für ihn unerfreulich ist, verschweigt Böttcher nicht. „Ich habe hier soviel gearbeitet und auf vieles persönlich verzichtet, ich habe immer wieder Geld in einer Situation gebracht, als keiner mehr etwas machen wollte und jeder gesagt hat, der Verein ist tot. Wenn wir das jetzt nicht schaffen, kann man sich im Nachhinein tatsächlich fragen, ob ich nicht besser im vergangenen November den Schlüssel umgedreht hätte oder sogar schon Frau Federl zu ihrer Zeit. Aber ich hoffe immer noch, dass die Arbeit nicht umsonst gewesen ist.“

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