"Kleinmut ist fehl am Platz"

Kaufering – Für viele war die Bürgerversammlung eine Offenbarung. Kaufering sitzt auf rund 9,5 Mio. Euro Schulden; damit könnte man nach noch leben, so Bürgermeister Erich Püttner, sähe man nicht, was da noch anstehe. Der KREISBOTE sprach mit Ex-Bürgermeister Dr. Klaus Bühler.

Herr Bühler, Sie sprachen bei der Amtsübergabe von einem soliden finanziellen Fundament, jetzt sieht es aber ganz anders aus. Was sagen Sie dazu?

Bühler: „Es ist mühsam, immer wieder, leider auch meinem Nachfolger, erklären zu müssen, dass Schulden nicht gleich Schulden sind.“

Versuchen Sie’s doch einfach!

Bühler: „Die Schulden bei den Kommunalwerken sind im Bereich des ,Kommunalen Abgabengesetzes’ durch Gebühren gedeckt. Bei der Fotovoltaik gar werden durch die Schuldenaufnahme jährliche Gewinne in sechsstelliger Größe ermöglicht.“

Und die Nahwärme?

Bühler: „Kopfschütteln verursacht hier die Behandlung des Biomasseheizkraftwerkes in der Öffentlichkeit durch Bürgermeister und Marktgemeinderat: Das Verständlichere dabei ist noch, dass es durchaus schwierig sein mag, über eine Materie zu sprechen, deren Komplexität man noch nicht ganz verstanden hat. Das Schlimmere dabei aber ist, dass damit Gemeindevermögen kaputt geredet wird und als Folge nachhaltige Zukunftsaussichten und auch sinnvolle Bürgerwünsche begraben werden müssen. Was würde in der Privatwirtschaft mit einer Vorstandsmannschaft passieren, die das eigene Produkt in aller Öffentlichkeit schlecht macht?"

Wie war das mit den Schuldenstand bei Ihrem Amtsantritt?

Bühler: „Als ich vor 25 Jahren begonnen hatte, waren wir meiner Erinnerung nach mit dem Saldo aus Rücklagen und Schulden leicht im Plus. Verkaufbare Grundstücke waren fast nicht vorhanden.“

Und wie stellt sich die aktuelle Situation aus Ihrer Sicht dar?

Ex-Bürgermeister Dr. Klaus Bühler: „Mit Kleinmut ist da nichts zu machen.“

Bühler: „Heute steht der Markt mit einem Saldo von knapp neun Millionen Euro Schulden da  – Rücklagenabgezogen. Was aber konsequent, warum auch immer, verschwiegen wird: Der Markt Kaufering hat in meiner Amtszeit auch Grundstücke gekauft, die bisher noch gar nicht verwertet worden sind und die durch Wertsteigerungen einen Vermögens­wert in Höhe von rund neun Millionen Euro darstellen. Von den investiven Werten im knapp dreistelligen Millionenbereich, die seither geschaffen worden sind, ganz zu schweigen. Nun kann man zwar eine Straße oder eine Schule nicht mehr verkaufen, aber die oben genannten Grundstücke können verkauft werden: Somit hat der Markt Kaufering auch im Stammhaushalt praktisch vollständig abgedeckte Schulden.“ 

Das stellt dann ja auch die Pro-Kopf-Verschuldung infrage…

Bühler: „Das Dümmste in meinen Augen ist es, eine sogenannte Pro-Kopf-Verschuldung zu berechnen: Sie sagt nämlich nichts, aber auch gar nichts aus, was mit dem Geld der Gemeinde, also mit unserem Geld, passiert ist, ob zum Beispiel sinnvoll und nachhaltig investiert wurde oder ob unser Geld nur verpulvert worden ist.“

So gesehen stünde Kaufering gar nicht so schlecht da…

Bühler: „Wie im echten Leben hängt die finanzielle Belastbarkeit auch bei Gemeinden von deren Finanzstruktur ab. Beispiel: Ein Generaldirektor kann sich mehr Schulden erlauben als ein gering Verdienender. Kaufering würde ich in diesem Vergleich im Bereich Generaldirektor ansiedeln.“

Wie sieht Ihr Blick in Kauferings Zukunft aus?

Bühler: „Es bedarf auch eines gewissen Maßes an Phantasie, um neue Einnahmequellen aufzutun, oder bestehende nicht versiegen zu lassen. So brauchen wir künftig nicht primär Baugebiete für den Bau von Eigenheimen, sondern Bauflächen für preisgünstigen Miet­- wohnungsbau, und das am besten in Bahnhofsnähe. Wo soll unsere Jugend, die nachwächst, künftig in Kaufering wohnen? Wer lastet künftig unsere Kinderkrippen und -gärten sowie Schulen aus? Umsetzungsreife Ideen liegen vor. Mit Kleinmut ist da aber nichts zu  machen.“

Da lassen Sie aber kein gutes Haar an Ihrem Nachfolger und dem Gemeinderat…

Bühler: „Nun ja, es wird halt in Kaufering ganz allgemein festgestellt, dass sich Herr Püttner immer weiter von seinen Wahlkampfaussagen entfernt und immer tiefer in die Strudel um seine einstige Gegenkandidatin hineingezogen wird, mit dem einzigen Ziel, alles bisher Geschaffene schlecht zu machen. Dabei habe ich eine nachweisbar gut funktionierende Gemeinde übergeben, die mit einer umfassenden und hochkarätigen Infrastruktur auf einem trotzdem soliden finanziellen Fundament aufwarten kann. Um diesen Standard zu erhalten, müssen aber auch künftig die sich bietenden Chancen erkannt, einer kritischen Prüfung unterzogen und bei positivem Ergebnis dann auch möglichst zeitnah umgesetzt werden.“ Toni Schwaiger

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