Vor Neunjähriger entblößt

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Landsberg – Exhibitionismus und sexueller Missbrauch eines Kindes lauteten die Vorwürfe, die einen 20-Jährigen vor das Jugendschöffengericht Landsberg brachten. Zweimal hatte er sich vor einer erwachsenen Frau entblößt, einmal vor einem neunjährigen Mädchen.

Die Vorfälle ereigneten sich im Frühjahr und Sommer letzten Jahres. Der 20-Jährige aus dem Landkreis ging jedes Mal nach demselben Schema vor. Er überholte seine Opfer auf der Straße mit seinem Motorroller, hielt dann an und wartete darauf, dass sie am ihm vorbeifuhren – die Frau war auf dem Fahrrad, das Kind mit einem Tretroller unterwegs. Sobald sie auf seiner Höhe waren, nahm der Mann sexuelle Handlungen an sich vor.

Die Neunjährige vertraute sich ihrer Mutter an, die daraufhin mit ihr zur Polizei ging. Dort lag bereits eine Anzeige des erwachsenen Opfers vor. Eine Zivilstreife überwachte daraufhin die fragliche Gegend und stieß mit Hilfe der Beschreibung, die die Opfer von dem Exhibitionisten abgegeben hatten, schnell auf den 20-Jährigen. Kleidungsstücke wurden sichergestellt und eine Speichelprobe genommen.

Die Frau konnte den Mann aus einer Reihe von Fotos zweifelsfrei identifizieren. Die Neunjährige erkannte ihn auf Bildern zwar nicht wieder, wohl aber konnte sie sich an seine Jacke mit einem auffälligen Muster auf dem Rücken erinnern. Beide Opfer hatten die Vorfälle laut dem ermittelnden Polizeibeamten anscheinend gut verarbeitet. Allerdings seien im Falle des Kindes die psychischen Folgen nicht kalkulierbar, warnte Staatsanwältin Saskia Eberle.

Immerhin blieb den Opfern erspart, vor Gericht auszusagen, denn der 20-Jährige legte ein Geständnis ab. Bei der Polizei hatte er zuvor noch behauptet, alles sei ein Missverständnis – er habe uriniert, nicht onaniert. Er sei froh, dass der Angeklagte das Gericht nicht mit derlei abstrusen Geschichten bediene, bemerkte der Vorsitzende Richter Alexander Kessler. Um die Persönlichkeitsrechte des 20-Jährigen zu schützen, war für einen Teil der Vernehmung die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Die Staatsanwältin bezweifelte, dass der Mann sein Problem wirklich erkannt habe. Nach seiner Darstellung war es zu den Vorfällen nur gekommen, weil er zu jener Zeit keine Freundin hatte. Es seien weitere Taten zu befürchten, wenn der 20-Jährige nicht eine empfindliche Strafe bekomme, argumentierte die Anklagevertreterin. Sie forderte eine Jugendstrafe von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 1.100 Euro und die Auflage, eine Therapie anzutreten.

Dazu sei der Angeklagte bereit, versicherte Verteidigerin Anita Trautwein. Die Taten seien ihm „mehr als peinlich“. Da er ein geregeltes Leben führe, hielt sie eine Bewährungsstrafe von einem Jahr für ausreichend. Die Vorstrafe, die der 20-Jährige mitbrachte, fiel zu seinem Glück nicht ins Gewicht – er war einmal ohne Führerschein auf einem Mofa ohne Haftpflichtversicherung erwischt worden.

Das Urteil lautete schließlich auf ein Jahr und zwei Monate auf Bewährung sowie 1.000 Euro Geldstrafe, die an einen Verein für Missbrauchsopfer gehen. Außerdem muss der 20-Jährige binnen drei Monaten eine Therapie antreten und sich bis dahin zu einem monatlichen Gespräch in einer psychotherapeutischen Fachambulanz einfinden. Ihm wird für zwei Jahre ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

„Setzen Sie sich im eigenen Interesse mit Ihrem Problem auseinander“, gab Kessler dem Verurteilten mit auf den Weg. „Diese Chance bekommen Sie nur einmal. Wenn es nochmal zu solchen Taten kommt, werden Sie eingesperrt.“ Das Urteil ist rechtskräftig.

Ulrike Osman

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