Schatten für Bahnkunden

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Bei Sonnenschein ist das Display am Dießener Fahrkartenautomaten nicht mehr zu lesen. Um ein Ticket zu lösen, sind Geduld und Verrenkungen gefragt. Die Marktgemeinde will nun selbst Abhilfe schaffen, nachdem die Deutsche Bahn nichts unternimmt.

Dießen – Man sieht, dass man nichts sieht! Wenn jemand bei Sonnenschein ein Ticket am Fahrkartenautomaten des Dießener Bahnhofs lösen will, kommt es oft zu seltsamen Verrenkungen. Das Display des Touchscreens blendet derartig, dass sich der Kunde bücken und mit der linken Hand Schatten auf die reflektierende Oberfläche werfen muss, um mit der rechten Hand seinen Kartenwunsch eintippen zu können. Manche spannen gar einen Regenschirm auf, damit das Tastenfeld sichtbar wird. Die Suche ist ein bisschen wie Buchstaben-Memory. Man sehnt sich nach Schatten wie ein Nacktmull in der Wüste. Normalerweise beschweren sich Bahnkunden über Verspätungen, Zugausfälle, fehlende Durchsagen oder schlechten Service. Im Fall Dießen beschweren sich die Kunden, wenn die Sonne scheint…

Das Problem ist schon lange bekannt, aber nichts ist bislang passiert. Auf Beschwerden von Bahnkunden wurde nicht reagiert, auch die Marktgemeinde Dießen stieß bei den Bahnmanagern auf taube Ohren. Ein Versetzen des Automaten oder eine Überdachung hat man schlicht abgelehnt. Also wurde der Dießener Seniorenbeirat unter seinem Vorsitzenden Prof. Dr. Manfred Hoffmann zusammen mit der Gemeinde aktiv.

Heraus kamen verschiedene Vorschläge, auf dem direkt an den Automaten angrenzenden Gemeindegrund eine entsprechende Konstruktion gegen die Blendeinwirkung zu errichten. Gustav Arnold vom Dießener Bauamt stellte bei der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses einige Alternativen vor. Jetzt wird zunächst vom Bauhof ein provisorisches Gestell mit einer großen Holzplatte gebaut und aufgestellt, um die Wirkung zu testen. Sollte damit der gewünschte Schatten und damit die bessere Bedienbarkeit des Automaten erreicht werden, wolle man sich um eine endgültige und optisch schöne Lösung bemühen.

Im Fall Dießen unternimmt die Deutsche Bahn nichts. Dass es aber auch anders gehen kann, bewies die Bahn beim Fahrkartenautomat der Stadt Oppenheim (Rheinland-Pfalz). Nach massiven Beschwerden von Bahnkunden wurde das Display am Automaten gegen eines mit wesentlich besserer Lesbarkeit ausgetauscht. Ist das nur eine Ausnahme oder kann das als Präzedenzfall für einen weiteren Vorstoß der Marktgemeinde Dießen herangezogen werden? Vielleicht sollte Bürgermeister Herbert Kirsch mal mit seinem Kollegen Marcus Held telefonieren.

Der Seniorenbeirat hatte auch angeregt, den Fahrkartenverkauf über das Touristikbüro im Bahnhof abzuwickeln. Dies scheitere aber an der Logistik, den Öffnungszeiten sowie an den Umsatzvorgaben der Bahn, so ein Mitarbeiter des Touristikbüros zum KREISBOTEN. Eine Alternative vor allem für ältere Bürger bietet die Bahnagentur Vetter in Herrsching. Über die Tel.-Nr. 08152/3426 kann man sich beraten lassen und DB-Tickets für In- und Auslandsreisen bestellen. Auf Wunsch werden Karten und Reiseunterlagen per Post zugeschickt, so dass man den (noch) extrem blendenden Fahrkartenautomaten am Dießener Bahnhof getrost ignorieren kann.

Ein weiterer Minuspunkt beim Bahnhof Dießen wurde übrigens inzwischen beseitigt. Die Rampe beim Bahnübergang war bislang von abgestellten Fahrrädern blockiert worden, so dass Rollstuhlfahrer oder auch Mütter mit Kinderwagen kaum oder nur schlecht vorbeikamen. Nachdem die Marktgemeinde entsprechende Hinweisschilder angebracht hat, stellen die Radler ihre Drahtesel woanders ab.

Dieter Roettig

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