Längst nicht mehr nur Kaffee

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Mit großem Interesse verfolgten Hermann Pacher vom DZG (links) und Klimaschutzbeauftragte des Landkreises Jasmin Dameris (2. von rechts) den Fair Trade-Vortrag von Carina Bischke (Mitte). Eingeladen hatte der Arbeitskreis SchuleWirtschaft, vertreten von Sparkassendirektor Thomas Krautwald (2. von links) und Personalleiterin der Sparkasse Alexandra Kahlert.

Landsberg – Das Fair Trade-Siegel kennt inzwischen fast jeder: Der Kreis mit den Farben grün, blau und schwarz war zuerst auf Kaffeepackungen zu sehen, denn mit fair gehandeltem Kaffee startete 1992 die Initiative TransFair e.V. in Deutschland. Immer noch macht Kaffee einen Großteil der Fair Trade-Produkte aus. Allerdings sind von 100 Tassen getrunkenen Kaffees nur knapp zwei aus fairem Handel. Damit sich das ändert, gibt es Initiativen wie Fair Trade-Town und Fair Trade-School. Die Stadt Landsberg und das Dominikus-Zimmermann-Gymnasium sind schon dabei: Bei Stadtratssitzungen und im Lehrerzimmer des DZG trägt der ausgeschenkte Kaffee bereits das kreisrunde Gütesiegel.

„Uns geht es darum, Menschen für den fairen Handel zu begeistern und Unternehmen zu motivieren, die Produkte zu unterstützen. Immer mehr Menschen sprechen auf diese Produkte an, das sollte man als Unternehmer aufgreifen und nutzen.“ Die Erdingerin Carina Bischke, entwicklungspolitische Vertreterin für Fair Trade-Town und Fair Trade-School, stellte im Sparkassensaal die Arbeit von TransFair vor.

Eingeladen hatte der Arbeitskreis SchuleWirtschaft Landsberg am Lech, um Unternehmern und Lehrern die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen auszutauschen und mit der Referentin zu diskutieren. Dass man bei Fair Trade schon lange nicht mehr nur von Kaffee spricht, war schnell klar: „Dem fairen Handel sind keine Grenzen gesetzt: Von Kakao über Baumwolle bis hin zu Gold ist alles möglich“, betonte Bischke. Kleinbauernkooperativen, die mit Fair Trade zusammenarbeiten, erhalten für ihr Produkt einen kostendeckenden Mindestpreis. Darüber hinaus zahlt die Organisation einen Zuschuss, über dessen Verwendung die Kooperativen selber entscheiden.

Auf die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, wenn die Kooperativen das Endprodukt, also zum Beispiel fertig gerösteten und verpackten Kaffee, herstellen und diesen dann exportieren könnten, antwortet Bischke: „Damit hatte TransFair angefangen. Aber jedes Land hat seine eigenen Vorlieben, was die Röstung angeht. Und beim Export von Kaffee fallen Steuern an, sodass dieser Kaffee extrem teuer wird.“ Es habe einige Entwicklungen gegeben, die ihr zu Beginn schwer im Magen gelegen hätten, gibt Bischke zu: „Als Discounter anfingen, Fair Trade-Produkte anzubieten, gab es viel Unmut.“

Fragwürdig findet die Erdingerin auch Produkte, bei denen nur ein Inhaltsstoff aus fairem Handel ist. Allerdings hätten Discounter und Mischprodukte den Marktanteil fair gehandelter Waren gesteigert und damit sehr vielen Menschen geholfen. „Aber ich habe kürzlich Fair Trade-Tomaten aus Marokko gesehen. Das ist natürlich Unsinn. Es sollte nur um Produkte gehen, die hier nicht vorkommen.“ Landsberg ist seit 2014 Fair Trade-Town. Dazu muss es in Relation zur Bevölkerung ausreichend viele Geschäfte und Lokale geben, die Fair Trade-Produkte anbieten. Dieses Jahr wird wieder geprüft, und so wie es aussieht, erfüllt die Stadt alle Kriterien. Erst ab 45.000 Einwohnern müsste aufgerüstet werden.

Jasmin Dameris vom Landratsamt stellt noch Größeres in Aussicht: „Irgendwann wollen wir den ganzen Landkreis zu einem Fair Trade-Kreis machen. Aber dafür müssen noch etliche Gemeinden mitarbeiten.“ Auch Schulen sollen verstärkt eingebunden werden. Denn bisher gibt es im Landkreis nur eine Fair Trade-School, das DZG: „Wir erhalten die Produkte vom Weltladen auf Kommission und können sie in der Mensa oder zum Beispiel auf dem Weihnachtsbasar anbieten“, berichtet Koordinator der Fair Trade-Aktivitäten am DZG Hermann Pacher.

Auch im Unterricht findet das Thema seinen Platz: Im Fach Kunst entwarfen die Schüler eine Verpackung für „die gute Schokolade – Stück für Stück die Welt retten“, die demnächst auf den Markt kommen soll. Und auch einen Einkaufsführer für Produkte aus fairem Handel hat die Schule entworfen (der KREISBOTE berichtete). Die beiden Zehntklässler Alexandra Lang und Daniel Siddiquie, die als Tutoren für das Fair Trade-Projekt am DZG fungieren, unterstützen Pacher tatkräftig.

Als Bischke erwähnt, dass zum Beispiel Fair Trade-Bekleidung oft noch sehr unbekannt sei, haben sie auch gleich eine Idee: „Wir können ja für unsere Schule ein T-Shirt aus fairem Handel gestalten“, überlegt Lang. Und auch Siddiquie ist sich sicher: „Wenn eine Schule erst mal damit anfängt, dann kommen andere mit dazu. Und irgendwann gelten die Fair Trade-Klamotten dann als richtig cool.“

Susanne Greiner

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