Keine Verhandlung ohne den Angeklagten

Die letzte Chance verspielt

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Von der Polizei habe ihn misshandelt, behauptet ein 61-jähriger Eglinger, der wegen "falscher Verdächtigungen" zu einer Geldstrafe von 2.000 Euro verurteilt worden war.

Egling/Augsburg – Richter und Schöffen, Staatsanwältin und Verteidiger – alle Beteiligten am Berufungsverfahren vor dem Landgericht Augsburg waren da. Nur einer fehlte: der Angeklagte, ein 61-Jähriger aus Egling. Dabei hatte er selbst das Berufungsverfahren angestrengt. Der Mann war im April 2015 vom Amtsgericht Augsburg wegen falscher Verdächtigung zu einer Geldstrafe von 2.000 Euro verurteilt worden – aus seiner Sicht zu Unrecht. Hintergrund war eine Auseiandersetzung im Sportheim seiner Heimatgemeinde.

Dort hatte es offenbar schon öfter Ärger gegeben. 2011 wurde gegen den Mann schließlich ein Lokalverbot verhängt, das er jedoch für rechtswidrig hielt. Als der Eglinger wieder im Vereinsheim auftauchte, rief der Wirt die Polizei. Anschließend sollen sich jene Szenen abgespielt haben, die später gerichtsmaßig wurden. Die herbeigerufenen Beamten hätten ihn misshandelt, behauptete der Ingenieur und reichte Dienstaufsichtsbeschwerde ein.

Damit hatte er keinen Erfolg, stattdessen landete er selbst wegen falscher Verdächtigung vor Gericht. Gegen das Urteil – 40 Tagessätze à 50 Euro – gingen sowohl der Angeklagte als auch die Anklagevertretung in Berufung. Der 61-Jährige wollte einen Freispruch, die Staatsanwaltschaft hingegen eine härtere Strafe.

Doch die Berufungsverhandlung vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Augsburg platzte in der vergangenen Woche, weil der Angeklagte nicht erschien und sich offenbar auch nicht entschuldigt hatte. Verteidiger Hannes Schwesinger versuchte noch, seinen Mandanten per Handy zu erreichen, und der Vorsitzende Richter Klaus Jelinek ließ eine Viertelstunde verstreichen, ehe er die Sitzung in Abwesenheit des Angeklagten eröffnete. Nach einer weiteren Vierteilstunde war alles vorbei – die Berufung wurde verworfen. Vielleicht werde es auch die Staatsanwaltschaft damit gut sein lassen, so Jelinek. Und für den Angeklagten hoffte er, dieser werde sein Glück künftig nicht mehr im Eglinger Sportverein suchen.

Die Kosten für den geplatzten Termin, zu dem sieben Zeugen geladen waren, wird der Eglinger allerdings tragen müssen.

Ulrike Osman

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