Die Farbenvielfalt nimmt zu

Die „Gelbe Tonne“ wird aller Voraussicht nach im Januar 2014 eingeführt – vorausgesetzt, der Kreistag fasst im September den Beschluss dazu. Foto: Awista

Die Neukonzeption der Wertstofferfassung im Landkreis scheint bereits in trockenen Tüchern. Umwelt- und Kreisausschuss haben vergangene Woche dafür votiert, nach der Blaue Tonne die Gelbe einzuführen. Folgt der Kreistag im September dieser Empfehlung, und davon ist auszugehen, wird die Erfassung von Leichtverpackungen zum 1. Januar 2014 auch auf das Holsystem umgestellt. Damit einher geht in jedem Fall eine Reduzierung der Wertstoffhöfe.

Bereits im Mai hatten sich die beiden Ausschüsse des Kreistages mit dem Thema befasst, eine Entscheidung stand damals noch nicht an. Vielmehr präsentierte Ullrich Schmidt lediglich die vom Landkreis in Auftrag gegebene „Gutachterliche Stellungnahme“ des Büros Schmidt/Bechtele GmbH. Damals wie heute spricht sich der Berater für „Variante II – Reduzierung der Wertstoffhöhe“ aus. Will heißen: Für die Anlieferung von „kommunalen Wertstoffen“ sowie Grüngut gibt es nur noch 20 bis 25 Wertstoffhöfe. An den Depotcontainerstandplätzen kann nur noch Glas entsorgt werden. Papier und Pappe (PPK) werden weiter über Vereinssammlung und Papiertonne erfasst. Die Erfassung von Verkaufsverpackungen erfolgt im Holsystem, wobei der Systembetreiber (derzeit DSD) bestimmt, ob dies mittels Gelber Sack oder Gelbe Tonne erfolgt. Letztere wird seitens der Kreisverwaltung und -gremien bevorzugt. Reihum war man sich nun im Kreisausschuss einig, dass es auch bei den Leichtverpackungen Zeit für den Systemwechsel sei – nach Variante II. Hatte sich etwa die CSU im April 2009 noch vehement dagegen gewehrt, so brach Fraktionschef Dr. Manfred Rapp eine Lanze dafür. So lasse der rasante Anstieg der Papiertonnen erkennen, dass der „Komfort in der Abfallwirtschaft“ einen hohen Stellenwert habe. Diese „komfortable Leistung“ könne man sogar „kostenneutral“ für den Bürger und den Landkreis bieten – durch die Reduzierung der Wertstoffhöfe. „Das wird den einen oder anderen Aufreißer geben“ kündigte Dr. Rapp an, und sprach sich in der Folge dafür aus, die Öffnungszeiten der verbleibenden Wertstoffhöfe nicht zu verkürzen. „Dann lieber einen mehr schließen.“ Selbst jahrelang nur grüne Argumenten warf der CSU-Frak­tions­chef jetzt in die Waag­- schale: Per Saldo bringe die Um­stellung aufs Holsystem eine geringere Verkehrs- und Umweltbelastung. Mehr Biotonnen? Thomas Kanzler (Grüne) aus Dießen vernahm’s mit Genugtuung. Ebenso wie Bürgermeister Herbert Kirsch (FW) forderte er, auch das Thema Biotonne frühzeitig anzugehen. Kirsch, der den Umstieg bei den Leichtverpackungen als „sehr erfreulich“ sieht, meldete das Interesse der Marktgemeinde für die Einführung der Biotonne an. Diese ist im Moment nur in Landsberg und Kaufering im Angebot. Aufgrund der hohen Eigenkompostierungsquote im Landkreis liege die erfasste Biomüllmenge laut Sachgebietsleiter Johann Bernauer aktuell bei gerade mal 1000 Tonnen pro Jahr. Beim Grüngut hingegen ist Jahr für Jahr eine Steigerung zu verzeichnen. 2009 waren es noch 18500 Tonnen, im vergangenen Jahr knapp 21200. „Das gute System zieht Mengen an“, urteilte Berater Ullrich Schmidt. Ob es in Zukunft bei den 52 Grüngutsammelstellen bleibt, das will Landrat Walter Eichner (CSU) erst nach dem Kreistagsbeschluss im September angehen. Sieben Fragen zur möglichen Einführung der Gelben Tonne im Landkreis Landsberg Landkreis – Die Neukonzeption der Wertstofferfassung und die damit einhergehende (voraussichtliche) Einführung der Gelben Tonne wirft im Vorfeld zahlreiche Fragen auf. Grünen-Kreisrat Thomas Kanzler hat für seine Fraktion eine Anfrage gestellt, die Johann Bernauer, Sachgebietsleiter Abfallwirtschaft, vergangene Woche in der gemeinsamen Sitzung von Umwelt- und Kreisausschuss beantwortete. Welche Kriterien werden zur Schließung oder Beibehaltung von Wertstoffhöfen führen? Bernauer: „Die denkbaren Kriterien sind unter anderem: Standortgröße, Ausstattung und Investitionsbedarf; regionale Verteilung und Einzugsbereich; Verkehrsanbindung und Lage zur Wohnbebauung; Nutzungsgrad, Mengen und Leerungshäufigkeiten. Die abschließenden Kriterien werden in einem zweiten Arbeitsschritt nach dem Grundsatzbeschluss des Kreistages festgelegt.“ Sollen die beizubehaltenden Wertstoffhöfe ein Teil- oder möglichst ein Komplettangebot bieten? Bernauer: „Für die Sammlung von Papier und Pappe ist der Landkreis zuständig. Die Sammlung von Leichtverpackungen liegt hingegen in der Zuständigkeit der Systemträger, das ist derzeit DSD. Da der künftige Systemträger noch nicht feststeht, kann hierzu noch keine Aussage getroffen werden.“ Bestehen faktische oder rechtliche Möglichkeiten, die Abholung von Leichtverpackungen in privater Initiative zu organisieren? Bernauer: „Die Sammlung von Leichtverpackungen liegt ausschließlich in der Zuständigkeit der Systemträger gemäß Verpackungsverordnung. Andere Wertstoffe können grundsätzlich auch durch die Einbindung von Vereinen oder durch gemeinnützige Organisationen – zum Beispiel Altkleider – gesammelt werden. Mit Ausnahme der Altpapiersammlung der Vereine gab es bisher nur vereinzelt kurzzeitige Versuche von Personen, die einen Abholservice für Wertstoffe angeboten haben.“ Wie wirkt sich die Umstellung auf ein Holsystem von Leichtverpackungen in Energieverbrauch und CO2-Bilanz des Landkreises aus? Bernauer: „Eine genauere Berechnung des Energieverbrauchs, sprich des Kraftstoffverbrauchs, ist im Bereich der Leichtverpackungen im Moment nicht möglich, da die Fahrtstrecken und Anzahl der Fahrten zu den Wertstoffhöfen nicht genau ermittelt werden können.“ Wie können bei Einführung der Gelben Tonne oder der Wertstofftonne absichtliche Fehlwürfe verhindert werden? Gibt es Erfahrungen bei der Papiertonne? Bernauer: „Bei der Papiertonne sind Fehlwürfe in größerem Umfang bisher nicht fest­- zustellen – es gibt keine Beanstandungen bei der Papierverwertung. Soweit es zu Fehl­- würfen bei der Gelben Tonne oder Wertstofftonne kommen würde, wäre dies bis zu einer gewissen Grenze unproblematisch, da die gesammelten Wertstoffe ohnehin in einer Sortieranlage aufbereitet werden. Störstoffe werden in der Regel einer energetischen Verwertung zugeleitet.“ Wird die Einsparung nach Schließung von Wertstoffhöfen die Kosten des Holsystems kompensieren? Bernauer: „Zusatzkosten für die Sammlung von Leichtverpackungen sind bei der Umstellung vom Bringsystem zum Holsystem nicht zu erwarten, da der Landkreis für die Sammlung der Leichtverpackungen nicht zuständig ist. Es entfallen jedoch Einnahmen der Systemträger für die bisherige Nutzung der Wertstoffhöfe. Diese Einnahmeausfälle sollen jedoch durch die Schließung von Wertstoffhöfen ausgeglichen werden.“ Wird es zu einer Erhöhung der Abfallgebühren kommen? Bernauer: „Eine Erhöhung der Abfallgebühr im Landkreis Landsberg durch die Umstellung in der Wertstofferfassung gemäß ,Variante II – Reduzierung der Wertstoffhöfe’ ist nicht zu erwarten.“

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