Leidenschaft für Orff belohnt

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Als Auszeichnung seiner außerordentlichen Verdienste zur Pflege und Gestaltung des künstlerisch-pädagogischen Werkes Orffs erhielt Christian von Gehren den Carl Orff Preis 2016.

Dießen – Schon früh habe er „Feuer gefangen“ für das Werk Carl Orffs. Als „Orff-Novize“ habe er diese Begeisterung während seiner Tätigkeit als Dirigent der Carl Orff-Festspiele in Andechs vertiefen, leben und weitergeben können, sagte Christian von Gehren anlässlich der Verleihung des diesjährigen, mit 20 000 Euro dotierten Carl Orff-Preises in Dießen.

Gemeinsam mit der Mezzosopranistin Ursula Eittinger und Bariton Wolfgang Newerla hatte von Gehren im Rahmen des Klassikfestivals „AmmerSeerenade“, das heuer bereits zum dritten Mal vom Verein Kultur am Ammersee ausgerichtet wurde, einen wundervollen Liederabend gestaltet, in dessen Verlauf ihm Vorstandsmitglied Ute Hermann den Preis überreichte. Die Laudatio hielt der Vorsitzende der Stiftung, der Komponist und Weggefährte Orffs, Wilfried Hiller, der viel Lob übrig hatte für den jungen Dirigenten, den er als künstlerischen Berater der künftigen Festspiele dennoch vor den Kopf gestoßen hatte. Denn Gehren wähnte sich verpflichtet, wurde aber ohne sein Wissen nicht mehr eingebunden.

Hiller erinnerte in seiner Laudatio an von Gehrens herausragendes Engagement: Von 2009 bis 2015 hatte der heute 44-Jährige insgesamt sechzig Orff-Aufführungen musikalisch betreut. Mit dem Preis wird deshalb nicht nur von Gehrens Arbeit als Dirigent gewürdigt, sondern auch sein außerordentlicher Einsatz für die Studierenden der Andechser Orff-Akademie des Münchner Rundfunkorchesters: „Viele Orffsche Instrumentations-Raffinessen nahm ich bei seinen Aufführungen wahr und es war eine Freude, wie die jugendlichen Musiker sich mit den rhythmisch zum Teil äußerst vertrackten Partituren auseinandergesetzt haben“, sagte Hiller. Die Carl-Orff-Stiftung vergibt den Carl-Orff-Preis in unregelmäßigen Abständen an Persönlichkeiten oder Institutionen, die sich um das Lebenswerk des berühmten Komponisten verdient gemacht haben. Orff (geb. 1895) lebte von 1955 an in Dießen am Ammersee. 1982 starb er in München, begraben liegt er in Andechs. Im vergangenen Jahr wurde die Clara-Schumann-Schule in Leipzig, die sich vorbildlich mit dem Orff-Schulwerk auseinandersetzt, mit dem Orff-Preis ausgezeichnet. Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre zählen auch der Komponist Heiner Goebbels und der Dirigent Peter Rundel, sowie das Sängerehepaar Eittinger/Newerla. Ihre großartigen Stimmen waren bei der festlichen Liedergala „Orff und seine Zeit“ mit Preisträger Christian von Gehren (Klavier) im Theatersaal des Augustinums zu hören. Gemeinsam präsentierten sie frühe Lieder von Carl Orff und seinen Zeitgenossen Armin Knab, Wilhelm Killmayer, Heinrich Kaminsky sowie deren Vorbild Richard Strauss und hoben damit einen musikalischen Schatz, der nur selten zu Gehör kommt. Darunter auch „Eliland op. 12 – Ein Sang vom Chiemsee aus den Hochlandliedern von Karl Stieler“. Eine frühe Rarität, die Orff 1911 als Gymnasiast komponierte, und die musikalisch auf Richard Wagner verweist. Für Bewunderung sorgte auch die Tatsache, dass keines von Orffs frühen Liedern dem anderen glich. Was, so von Gehren daran liege, dass Orff als junger Komponist die Liedform genutzt habe, um Klangexperimente zu machen.

Wie von Gehren betonte, bedeute der Carl-Orff-Preis 2016 für ihn „eine ganz große Ehre“ und zugleich die Verpflichtung, Orffs Werk mit Leidenschaft weiter zu tragen. Der in Essen geborene Sohn aus deutsch-dänischem Elternhaus, studierte vor seiner erfolgreichen Laufbahn als Berufsmusiker an der Staatlichen Hochschule für Musik in Karlsruhe sowie am Königlichen Musikkonservatorium Kopenhagen. Nun möchte der Preisträger seine Begeisterung für das Werk des „wohl größten Komponisten des zeitgenössischen Musiktheaters“ weltweit weitergeben. Bereits im Oktober wird er in Shanghai Orffs berühmtestes Werk, die „Carmina Burana“ dirigieren.

Ursula Nagl

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