Landrat Walter Eichner verabschiedet

Ein Teamplayer mit Kapitänsbinde

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Der Goldene Ehrenring des Landkreises Landsberg ist bereits verliehen und am Ringfinger. Von links: die beiden Landrats-Stellvertreter Peter Ditsch und Ruth Sobotta mit dem scheidenden Landrat Walter Eichner.

Landsberg – Lange blieb Walter Eichner gewohnt souverän, verabschiedete in der Festsitzung des Kreistages die ausscheidenden Bürgermeister und Kreisräte mit Ehrungen und kleinen Präsenten. Doch am Ende flossen dann doch einige Tränen, als er selbst mit seiner eigenen Abschiedsrede ans Ende kam.

„Dem Landkreis Gottes Schutz und Segen“ schloss Eichner mit erstickter Stimme und versuchte anschließend erfolglos, den langanhaltenden Applaus zu seinen Ehren einzudämmen. Die über 200 Gäste von Geistlichkeit, Behörden, Politik, Vereinen und Verbänden in der Aula der Landsberger Berufsschule ließen sich selbst von den „standing ovations“ nicht abhalten. Dabei stand gerade Eichner, der in diesen Tagen 64 Jahre alt wird, auch nach eigenem Bekunden nie gerne im Rampenlicht. Kein Solist „wie Usain Bolt oder Sebastian Vettel“ habe er sein wollen, so der CSU-Politiker zuvor, er habe sich „als Mannschaftsspieler mit der Kapitäns- binde“ gesehen.

Den Zentralschlüssel des Landratsamtes übergab Walter Eichner in der Festsitzung des Kreistages an seinen Nachfolger Thomas Eichinger.

Dementsprechend verzichtete Eichner in seiner Rede („Eigentlich wollte ich ganz leise von Bord gehen.“) mit dem bekannten Understatement darauf, die vielen Erfolge, die er nach seiner zwölfjährigen Tätigkeit vorweisen kann, aufzuzählen und meinte nur, „die Bauwerke sieht man auf einer Fahrt durch unseren Landkreis“. Darauf, dass der Kreis Landsberg in allen aktuellen Rankings und Tabellen Spitzenplätze belege, könne man „schon ein wenig stolz sein“ – wobei Eichner, wie in den Jahren zuvor, stets davon sprach, was „wir zusammen erreicht haben.“ So fiel auch seine Bilanz der Arbeit mit dem Kreistag erwartet positiv aus. „Kein einziger Ordnungsruf war nötig, ich habe auch kein beleidigendes Wort gehört“, sagte Walter Eichner in seinem Dank an das Gremium.

Mit Leib und Seele

Das Lob, das er sich selbst nicht aussprechen wollte, kam dann von den anderen Rednern. Für ihn sei er mehr als ein Mannschafskapitän gewesen, „ein Landrat mit Leib und Seele, ein Leitwolf, Zugpferd, eine Lokomotive“, so Eichners Stellvertreter Peter Ditsch, der auch auf das vielfältige soziale Engagement verwies. Als einen Mann mit Ecken und Kanten habe er ihn in den vergangenen zwölf Jahren kennengelernt, „immer bescheiden, nie abgehoben und wenn es auch nur irgendwie ging, immer auf der Seite unserer Bürgerinnen und Bürger, wenn es Recht und Gesetz zuließen.“

Auf Eichners positiven Pragmatismus ging auch Regierungspräsident Christoph Hille- brand in seiner Laudatio ein, in der er Eichner dafür dankte, „was er mir aus dem ,Wilden Westen Oberbayerns‘ nahegebracht hat.“ Der 63-Jährige habe das Landsberger Landratsamt als „Dienstleistungs- und Ermöglichungsbehörde weiterentwickelt, wo nicht die Bedenken im Vordergrund standen.“ Der scheidende Landrat sei für die Menschen dagewesen und von ihnen getragen worden.

Gute Gespräche

Persönlichen Dank erhielt Walter Eichner auch von seinem Nachfolger Thomas Eichinger, dem er symbolisch den Generalhauptschlüssel für das Landratsamt übergab, dafür, „dass wir in den letzten Wochen gut ins Gespräch gekommen sind und dass wir erhalten und weiterentwickeln können, was wir haben.“ Obwohl seine Ansprache im Programm des Abends mit „Beginn“ überschrieben war, verzichtete Eichinger „ganz bewusst“ auf eine programmatische Rede: „Mein Beginn ist der Dank an dich und an die Bürgermeister und Kreisräte.“

Während Eichner zunächst den ausscheidenden Amts- und Mandatsträgern – darunter unter anderem nach 36 Amtsjahren Obermeitingens Bürger- meis­ter Clemens Weihmayer – Ehrenteller, Medaillen und Präsente überreichte, wurde dann auch er geehrt und beschenkt. Sichtlich gerührt ließ er sich von seiner Stellvertreterin Ruth Sobotta den Goldenen Ehrenring des Landkreises anstecken. Eichner ist damit einer von nur drei Trägern dieses Ringes – die beiden anderen, sein Vorgänger Erwin Filser und Franz Lanzinger saßen direkt hinter ihm im Publikum.

Mit einem anderen Geschenk ging er dagegen sehr „Eichner-typisch“ um: Wie die scheidenden Bürgermeister, erhielt auch der Landrat einen Gutschein für ein Essen in einer Gaststätte („selbstverständlich im Landkreis Landsberg, etwas Anderes hätte ich mich ja gar nicht getraut“, so Bürgermeistersprecher Quirin Krötz). „Verehrte Geistlichkeit, Sie können sicher sein, dass Sie den Gegenwert schon bald in irgendeinem Opferstock wiederfinden werden“, versprach Walter Eichner mit einem Schmunzeln.

Christoph Kruse

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