Weg aus der "Milchkrise"

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An der Musik hatten die Gäste weniger Interesse, lediglich das Oldtimertreffen war beim Festwochenende des BDM-Kreisvorsitzenden Hermann Dempfle gut besucht.

Rott – Unter keinem guten Stern stand das Festwochenende von Hermann Dempfle in Rott. Zu den beiden Musikveranstaltungen kamen kaum Besucher und das Bulldog-Treffen litt unter zwischenzeitlichen Regenschauern. „Ich bin froh, dass es vorbei ist“, war der BDM-Kreisvorsitzende nach Abschluss des dreitägigen Fests bedient.

Keine 50 Besucher wollten am ersten Tag Jasna Schmuck und die Band „Agent Six“ in der zur Festhalle umfunktionierten Maschinenhalle am Kentberg hören. Ein paar mehr waren am Samstag bei der Oktoberfestband „Zwiebeltreter“ da. „Die machen eine sehr gute Musik“, war von den wenigen Gästen zu hören, von denen auch ein paar das Tanzbein schwangen. Die Gründe für den schwachen Zuspruch waren vielfältig. Am Seehäusl stieg zeitgleich ein griechisches Fest, in der Vorwoche feierte bereits der TSV Rott mit einem ähnlichen Programm und auch die Eintrittspreise schienen einige abzuschrecken. „Zwölf Euro sind mir zu viel“, war da zu hören. Deutlich besser besucht war am Sonntag das Bulldog- und Oldtimertreffen mit Feldmesse und Fahrzeugweihe.

Musik, Milch und Oldtimer

Mehrere hundert Besucher wollten die rund 250 historischen Gefährte sehen, während die Rotter und Wessobrunner Musikkappelle für den musikalischen Rahmen sorgte. „Das passt“, war Dempfle mit der Resonanz zufrieden. Auch beim Festabschluss, dem BDM Milchbauernabend, zeigte sich die Maschinenhalle mit knapp 250 Gästen gut gefüllt. Hauptredner war dabei Romuald Schaber. Der BDM-Vorsitzende lobte zunächst die Arbeit des BDM-Kreisverbands Landsberg, der in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert.

Deutliche Kritik übte Schaber dagegen an der Politik. „Sie treibt gezielt Keile zwischen die Bauern, deshalb ist es unmöglich sie alle unter einen Hut zu bringen“, meinte Schaber beispielsweise zur geringen Beteiligung von nur einem Drittel der Milcherzeuger am „Milchboard“, mit dem die Marktposition gestärkt werden soll. „Wir stehen vor einem Scherbenhaufen und einer existenziellen Krise“, stellte Schaber klar. Gleichzeitig skizzierte er Wege aus dem Dilemma, die zum Teil von der Politik inzwischen aufgegriffen wurden. Eine freiwillige Mengenreduktion in Verbindung mit Ausgleichszahlungen sowie eine Beobachtungsstelle auf europäischer Ebene sollen Verbesserungen bringen. „Wir werden nicht wie die Schweinezüchter lautlos sterben,“ zeigte er sich zum Abschluss kämpferisch.

Davor nutzten verschiedene Politiker die Gelegenheit bei ihren Grußworten ihre Meinung zur Milchkrise abzugeben. „Wir als Verbraucher wären durchaus bereit höherer Preise für die Milch zu bezahlen, wenn wir wüssten, dass das Geld auch beim Erzeuger ankommt“, merkte Rotts Bürgermeister Quirin Krötz an. Michael Kießling, der stellvertretende Kreisvorsitzende der CSU, lobte die Arbeit der Bauern: „Unsere Landwirte produzieren Spitzenprodukte“. Die müssen aber auch verkauft werden, wie Landrat Thomas Eichinger anmerkte. „Letztlich entscheidet der Verbraucher an der Supermarktkasse, welche Art von Landwirtschaft überlebt“, meinte Eichinger. Heftige Kritik an der Bundes- und Landespolitik übten Dr. Leopold Herz (MdL, Freie Wähler) und Hans Leis (BDM Bayern). Wir haben einen Landwirtschaftsminister, der alles kann, nur nicht Landwirtschaft“, schoss Herz in Richtung Bundesminister Schmidt. „Er ist der schwächste Landwirtschaftsminister den wir je hatten“, legte Leis nach. „Die Sojaimporte müssen runter, dann wird auch die Milchproduktion gesenkt“, nannte Sepp Lausch (stellvertretender Landesvorsitzender der Bayernpartei) einen Lösungsansatz, neben vielen kritischen Worten. Nach knapp zwei Stunden schloss sich Dempfle dem Appell von Schaber an. „Wir Milchbauern hören nicht auf zu kämpfen“.

Roland Halmel

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