Nicht nur Klassik

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Ausgezeichnete Kulturförderpreisträger: Hannah Moreth (Schauspiel), Sofia Kiemer (Violine), Dreiecksmusikanten Fabian Eglhofer, Ulrich Linder und Daniel Schmid und Benedikt Schwarzer (Film) (von links). In der zweiten Reihe Landrat Thomas Eichinger, Kulturbürgermeister Axel Flörke und Sparkassenvorsitzender Thomas Krautwald (von links).

Landsberg – Der „Aufbrezelmarsch“ als stimmungsvoller Aufmacher: Bei der 20. Verleihung des Kulturförderpreises des Landkreises Landsberg durch Landrat Thomas Eichinger ließ Sonderpreisträger „Dreiecksmusi“ mit temporeicher Volksmusik manch Tanzbein zucken. Die drei leidenschaftlichen Musiker Fabian Eglhofer, Daniel Schmid und Ulrich Linder aus dem Dreieck Epfach, Reichling und Apfeldorf erhielten den diesjährigen Sonderpreis – und zeigten mit dem „Dampfnudelblues“, was neue alpenländische Musik kann.

Kulturbürgermeister Axel Flörke, der durch den Abend führte, hatte die drei Musiker bereits getroffen: „Ein sehr vergnügliches Kennenlernen, aber fast hätte ich einen Dolmetscher gebraucht.“ Dreiecksmusi-Mitglied Fabian Eglhofer an der Steirischen hat die Lieder komponiert, die gerne auch mal Volksmusik anderer Länder aufgreifen. Kein Wunder, denn sein großes Vorbild ist Herbert Pixner. Wer mehr hören möchte: Die Band wird auch bei den Kreiskulturtagen 2017 auftreten.

Der von der Sparkasse Landsberg-Dießen gesponserte Förderpreis solle sowohl ideelle als auch finanzielle Unterstützung sein, betonte Flörke. Der Kulturbeirat und der Landrat hätten oft die Kritik gehört, dass nur Klassik berücksichtigt werde. „Aber dieses Jahr sind die Preise sehr vielfältig.“ Neben Volksmusik und klassischer Musik wurde der Preis für die Sparten Film und Schauspiel verliehen.

Kein geringerer als Hans Steinbichler, Regisseur des Spielfilms „Das Tagebuch der Anne Frank“, hielt die Laudatio auf den Preisträger in der Kategorie Film: Benedikt Schwarzer. „Er ist mir 2008 zugelaufen und war plötzlich an meiner Seite.“ Benedikt sei von seinen Lehrern wahrgenommen worden und habe ein Stipendium für einen der begehrtesten Studienplätze erhalten. „Nun soll er etwas aus diesem Füllhorn zurückgeben.“ Er arbeite im Moment an einem Film über seinen Großvater, „der eventuell einer der beiden Menschen war, der das erste Misstrauensvotum der Bundesrepublik hat scheitern lassen.“ Als Beispiel seiner Arbeit zeigte Schwarzer Auszüge einer Videoinstallation „Auge in Auge“: Nahaufnahmen von Augen, in Paaren angeordnet, jedes Blinzeln ein Schnitt, ein eigener Rhythmus. Auch der Ausschnitt aus seinem Dokumentarfilm „Shoot me“ über einen verfolgten iranischen Sänger zeugten von Schwarzers Bilderkraft.

Großteil abgeleistet

Der in München geborene Elmar Fulda, Professor für Musiktheater in Weimar, hielt die Laudatio auf Violinistin Sofia Kiemer, ausgezeichnet im Bereich klassische Musik: „Wer auf der Geige ein Star sein will, der muss nur 10.000 Stunden üben.“ Sofia habe davon schon einen Großteil abgeleistet, auch wenn sie erst mit acht Jahren begonnen habe. Ihr Ziel sei es, „durch Kunst besser, wacher und genauer zu leben“. Sofia überzeugte mit rasanten Läufen aus dem ersten Satz von Mozarts Violinkonzert Nr. 5 in A-Dur.

Die Landsbergerin Natalie Robinson kennt Hannah Moreth, Preisträgerin in der Kategorie Schauspiel, schon lange: „Im Zirkuszelt der Waldorfschule hing ein Mädchen kopfüber und spielte Geige – und das gar nicht mal schlecht.“ Besonders gefallen habe ihr Moreths Eigen­initiative: „Sie hat die Rollen selber geändert und weiterentwickelt.“ Einmal habe sie unbedingt mit russischem Akzent sprechen wollen und sich den Akzent selber angeeignet. Nach der Vorführung seien die Leute immer zu ihr gekommen und hätten betont, wie „ungeheuer gut diese junge Russin Deutsch spricht.“ Moreth, die heuer in „Cyrano“ der Moreth-Company begeisterte, zeigte ihr Solokönnen in Arthur Schnitzlers Monolog „Fräulein Else.“

Ein rundum gelungener Abend, spannend und abwechslungsreich gestaltet mit ausgezeichneten Künstlern. Selbst das Stehpult – letztes Jahr ein Störenfried erster Güte – blieb dankbarerweise im Hintergrund.

Susanne Greiner

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