Poesie im Breitwandformat

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Ganz in sich versunken bringt Frontmann René Schwettge der Berliner Band Infamis seine poetisch-melancholischen Texte zum Leuchten.

Landsberg – Infamis, das ist laut Wim Wenders „wie wenn Tom Waits aus Rilke-Gedichten deutsch lernt und die daraus entstandenen Songs zum Soundtrack eines Italo-Westerns verarbeitet“. Offensichtlich lässt sich die Musik der fünfköpfigen Berliner Band nicht so leicht einordnen. Banjo und Gitarren, Bass, Schlagzeug und einzigartige Stimmen – irgendwo zwischen Spaghetti-Western und Alptraum, auf jeden Fall mit sehr viel Dunkelheit und Melancholie. Infamis erschafft mit ihren Liedern eine eigene Welt, in der man mit traurigem Lächeln versinken kann.

Prägend ist Sänger René Schwettge, der als „Poet“ auch für die meisten Songtexte zuständig ist. Und in den Texten, teils auf Deutsch, teils auf Englisch, steckt viel Poesie: Da scheint der Mond nicht, sondern er brennt, die Sonne sternt, Gedanken stemmen sich durch die Stirn und ein Segelboot treibt in den augrünen Stunden vor Sonnenaufgang. Es geht um Einsamkeit und Liebe, um Vergängliches und um die Wüste. Schwettges tiefe Stimme erinnert an Nick Cave. Und wenn er beim Lied „Apologies“ im Duett mit Maren van Ham singt, die auf dem Banjo begleitet, umgarnen sich beide Stimmen in perfekter Harmonie.

Schwettges Stimme erinnert auch an Johnny Cash, dem zu Ehren die Band in Landsberg drei seiner Lieder interpretierte. Da untermalt ein Quietschen den „Folsom Prison Blues“ wie eine lose im Wind hängende Türe im Western, bevor der Bösewicht auftritt. Schwettge spielt auf einer Art Riesen-Mark-Tree, große, herabhängende Metallrohre – Töne, die an das Schlagen auf Eisenbahnschienen erinnern. Er greift zur Akustikgitarre oder zu etwas, das an eine Fahrradpumpe erinnert. Und auch zum Mini-Bandoneon, mit dem er eselsartige Ruflaute erzeugt. Schwettge ist das Herz der Band, doch er drängt sich nicht in den Vordergrund. Eher wirkt es, als ob die fünf Musiker gemeinsam in ihrem Wohnzimmer spielen – kein Showgehabe, keine großen Ansagen. Nur für sich selbst.

Die Bandmitglieder verdienen ihr Geld tagsüber mit ganz normalen Jobs. Daran hat auch die Veröffentlichung der CD „Im Westen der Himmel“ beim Plattenlabel von Wim Wenders nichts geändert. Der hörte sie zufällig und war von ihnen begeistert. Das war 2008, die CD erschien dann 2013 – aber Infamis selbst gibt es schon seit 1987, in unterschiedlicher Besetzung. Schwettge hat sich daran gewöhnt, dass nur wenige die Band kennen: „Wir haben aufgehört vom Starruhm zu träumen. Wir sind einfach schon zu lange dort unten, wo wir sind.“ Das ist schade, denn ihre Musik verdiente es, bekannter zu sein. Aber ihr Mix aus Western-Melancholie und amerikanischem Rock, aus hoffnungsloser Sinnsuche und züngelnder Poesie passt wohl nicht zum großen Erfolg. Edmund Epple, der die Band zum zweiten Mal ins Landsberger Stadttheater holen konnte, bezeichnete den Auftritt dementsprechend als „was kleines Feines für die in den Herbstferien Daheimgebliebenen.“

Die gerade erst fertig gewordene CD von Infamis, „Wiedergang“, kam leider auf dem Postweg abhanden – zum Leidwesen der zwar nicht allzu zahlreichen, aber nach dem Konzert begeisterten Zuhörer. So blieb diesen nichts anderes, als noch eine Weile in den bittersüßen Erinnerungen des Abends zu schwelgen. Begleitet von Schwettges Abschiedsworten: „Schön, dass ihr da wart und schön, dass die Sterne am Himmel sind.“

Susanne Greiner

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