Über Luis Trenker

Der schmale Grat der Wahrheit

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Leni Riefenstahl-Darstellerin Brigitte Hobmeier (Foto) war Gast beim Filmnachgespräch Augustinum Ammersee in Dießen.

Dießen – Sie haben eine bezaubernde Brigitte Hobmeier erlebt: Auf der Kinoleinwand zog sie die Cineasten im Augustinum Ammersee als Leni Riefenstahl in ihren Bann – im Filmnachgespräch überzeugte sie als jugendliche herzerfrische Schauspielerin, die so schwierige Rollen, wie die der Riefenstahl mit Bravour meistert.

Brigitte Hobmeier begleitete beim Fünf Seen Filmfestival (fsff), das zum Teil auch in Diessen stattfindet, das TV-Filmereignis „Luis Trenker – der schmale Grat der Wahrheit“. Zusammen mit Drehbuchautor Peter Probst erlaubte sie dem Publikum im gut besetzten Cinema Augustinum einen Blick hinter die Kulissen und hinein in die nicht eindeutig geklärte Beziehung zwischen Trenker und Riefenstahl, die sich beide, getrieben nach künstlerischem Erfolg, im Dritten Reich instrumentalisieren ließen.

Zum Inhalt: Luis Trenker, Südtiroler Bergsteigerlegende, Schauspieler und Regisseur, reist im Sommer 1948 zu den Filmfestspielen nach Venedig. Er will die Tagebücher Eva Brauns, die sie ihm angeblich in den letzten Kriegstagen in Kitzbühel anvertraut hat, dem amerikanischen Hollywood-Agenten Paul Kohner zur Verfilmung anbieten. Gleichzeitig wird vor dem Münchner Landgericht die Echtheit dieser Tagebücher verhandelt. Die Regisseurin Leni Riefenstahl fühlt sich durch die darin enthaltene Andeutung, sie sei Hitlers Geliebte gewesen, verunglimpft und tritt als Nebenklägerin auf. Dieses Kapitel ist natürlich eng verknüpft mit der Liebesgeschichte zwischen Luis Trenker und Leni Riefenstahl, die immer wieder durchschlägt, um dann wieder an der erbitterten Konkurrenz der beiden ins Gegenteil zu verkehren.

Die Filmproduktion ist im Vorfeld vielfach diskutiert worden. Tobias Moretti habe sich drei Jahre lang auf das Thema „Luis Trenker“ eingestimmt, weil ihm anfangs nicht klar war, ob er sich als Tiroler (geboren in Gries am Brenner) die Rolle der Südtiroler Bergsteigerlegende zutrauen soll.

Da hat sich Brigitte Hobmeier schon leichter getan. Als ihr die Rolle der Riefenstahl angeboten wurde, „da habe ich mich zuerst verarscht gefühlt“, erzählt sie in Dießen. Als sie die Ernsthaftigkeit erkannte, habe sie sich sofort intensiv in die Arbeit gestürzt, „weil man so eine grandiose Rolle nicht alle Tage bekommt.“ Sie hatte die Chance, die Autobiografie der Riefenstahl zu lesen, worin sie viel über sich und ihren Charakter festgehalten hat. Außerdem half ihr auch die Doppelbiografie von Karin Wieland: Marlene Dietrich&Leni Riefenstahl – Der Traum von der neuen Frau. „So ist mir ihr Geist nahe gekommen und auch die Art und Weise, wie sie von der Öffentlichkeit gesehen wurde.“

Jedermann in Salzburg

Die Brillanz von Brigitte Hobmeier ist in der Presse immer wieder gelobt worden und Diskutanten beim Filmnachgespräch betonten es wiederholt: Die äußere Ähnlichkeit ist zwar nicht so groß, aber Brigitte Hobmeier kann diesen Charakter herstellen. Sie ist 90 Minuten lang Leni Riefenstahl. Zu fortgeschrittener Stunde verabschiedet sich die sympathische Schauspielerin von ihren Fans in Dießen. Der Fahrer wartet schon, um sie nach Salzburg zu bringen, wo sie Stunden später im Jedermann auf der Festspielbühne stand.

Regisseur Peter Probst und Festival-Leiter Matthias Helwig blieben noch, um die Eindrücke von „Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrzeit“ mit dem Kinopublikum weiter zu diskutieren. Es ist eben ein ganz anderer Film, den Regisseur Wolfgang Murnberger geschaffen hat, als man sie bisher vom Geschichtenerzähler und Bergsteiger aus Bozen kennt. Großes Erzählkino mit wahrem Hintergrund und gefälschtem Tagebuch, von Liebe und Verrat zweier Opportunisten, das im Herbst in ARD ausgestrahlt wird.

Beate Bentele

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