Finanziell nicht mehr zu halten

Letzter Vorhang für "Unser Theater"

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Die Ruhe vor dem Sturm: bald heißt es aufräumen und Abschied nehmen für Otto Novoa im Kulturzentrum „Unser Theater“ in Schwabhausen.

Schwabhausen – Die „Fête de la Musique“ im alten Bauernhof in Schwabhausen hat eine lange Tradition und zog auch jüngst wieder Musiker aus nah und fern an. Dies war allerdings die letzte Veranstaltung dieser Art im Kultur- zentrum „Unser Theater“. Ein Rückblick mit Initiator Otto Novoa.

Viel ist passiert in diesen zwölf Jahren, seit sich der Exil-Kolumbianer Otto Novoa, Schauspieler und Regisseur erst allein, dann mit seiner Familie in dem alten Bauernhof direkt in der Dorfmitte angesiedelt hat. Zunächst als „Fremdkörper“ misstrauisch angesehen, wurde das Theaterlabor langsam aber stetig ein Teil des Dorflebens, ein Anziehungspunkt für Groß und Klein. Wichtig war dem Kolumbianer immer der Bezug zum Dorf, zum Heimatbegriff, zum Hof. Bereits 2004 erhielt das Projekt den Kulturförderpreis des Landkreises Landsberg.

„Unsere Idee war immer, Kunst passiert hier“, betont Novoa. „Wir bieten nichts an, sondern ermöglichen, etwas ge­- meinsam zu erleben“. In dieser Maxime entstanden im Lauf der Jahre 15 eigene Theaterproduktionen, darunter die erfolgreiche Auseinandersetzung mit der Geschichte des Hofes „La Casa“, mehr als 30 Vorstellungen auswärtiger Theatergruppen, zahllose Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und Workshops für Kinder und Erwachsene. Der „Schlager“, wie No­voa es schmunzelnd bezeichnet, war die alljährliche „Fête de la Musique“, ein multikultureller Mix und ein Highlight für alle Fans des Theaters.

Skulpturen fürs Dorf

Besonders hervorzuheben sind auch die fünfmal durchgeführten offenen Bildhauerwerkstätten, bei denen internatio- nale und einheimische Bildhauer eingeladen wurden, eine Skulptur auf dem Gelände des Theaters zu gestalten, immer unter den Augen der interessierten Öffentlichkeit.

Zwei der bemerkenswertesten Kunstwerke werden übrigens in Schwabhausen bleiben: „Die Skulpturen der Künstler aus Japan und Kolumbien werden von der Gemeinde übernommen, sie bleiben im Dorf“, freut sich Novoa. Die übrigen Kunstwerke sollen versteigert werden. Natürlich gab es auch Rückschläge, wie das Spielverbot in der Scheune – aus Sicherheitsgründen. „Da mussten wir uns eben wieder auf unsere Anfänge besinnen, als Freilufttheater.“

Dankbarkeit überwiegt

Warum nun das „Aus“ nach einer so erfolgreichen Zeit? „Wir hatten in den letzten zwölf Jahren einen Unterstützer, einen Mäzen, der uns das Haus zur Verfügung gestellt hat. Aber ein so altes Haus kostet sehr viel Geld, es ist finanziell einfach nicht mehr zu schaffen“, bedauert Novoa. „Natürlich bin ich traurig, dass es hier zu Ende geht, aber am meisten ist es Dankbarkeit, was wir fühlen“, betont der Künstler. „Dankbarkeit, dass uns die Menschen hier so gut angenommen haben. Viele haben uns unterstützt.“

Als Dankeschön und Erinnerung für die Einwohner des Ortes hat „Unser Theater“ eine Live-CD der letzten beiden Musikfeste produziert, die jeder Schwabhausener erhalten soll. Doch jetzt sei auch Zeit, an die Familie zu denken, daher möchte Otto Novoa in der Umgebung bleiben, obwohl er lukrative Angebote aus Mexiko und Brasilien hat. „Wir suchen erst einmal ein Haus für die Familie und dann einen Raum für das Theater“.

Wer Otto Novoa kennt, der weiß: Man darf sich trotz des Ortswechsels gewiss auf weitere, interessante Projekte freuen…

Patricia Eckstein

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