Dießener Fischerstechen

"Schuse" schubst Kirsch ins Nass

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Das finale Duell der beiden besten Fischerstecher in Dießen trugen Franz Sanktjohanser (in Siegerpose) und Bürgermeister Herbert Kirsch aus – das Gemeindeoberhaupt ging schließlich baden (Foto) und landete auf Rang zwei.

Dießen – Er reißt die Arme in die Höh’ und jubelt seinen Fans zu. Dann springt er mit einem Salto rückwärts in die Fluten des Ammersees und taucht unter dem grünen Fischerkahn wieder auf: „Schuse“ Franz Sanktjohanser ist der Sieger im Dießener Fischerstechen 2015. Mit zwei Zügen schwimmt er seinem Kontrahenten, Bürgermeister Herbert Kirsch, hinterher. Die zwei Finalisten reichen sich die Hand, der drittplatzierte Frank „Zappi“ Fastl wird auch noch beglückwünscht.

Wenig später stellen sich Sanktjohanser und Kirsch zusammen mit 15 weiteren Fischerstechern im Ammersee zum Foto. Der See ist bestimmt 24 Grad warm am ersten Samstag im August, an dem die Sonne gnadenlos vom weiß-blauen Himmel strahlt und 34 Grad Wüstenhitze beschert – aber das macht den 1000 Besuchern am Ammerseeufer gar nichts aus.

"Schuse" bleibt standfest

Das Fischerstechen, das der Traditionsverein d‘ Moosdapper aus der Fischerei seit 1980 auf die Beine stellt, gehörte in den 1980-er und 90-er Jahren zu den sommerlichen Besuchermagneten. Dann ebbte die Begeisterung ab und die Fischerstecher stiegen nur noch sporadisch in den Ring. Das letzte Mal 2007. Umso mehr hat die Wiederauflage des Wettbewerbs die öffentliche Debatte in Dießen beherrscht – vor allem als bekannt wurde, dass der „Schuse“ wieder in die Wasserarena steigt. „Der gewinnt ja immer“, befürchteten die einen, und die anderen setzten auf Franz „Jimmy Eberl“, der seit 2003 Titelverteidiger war. „Schuse“ hatte einige Male ausgesetzt, nachdem er in den Anfangsjahren das Fischerstechen in den südlichen Seeanlagen 15 Mal als Sieger verlassen hatte.

Nach so langer Pause wundert es nicht, dass sich die Fischerstecher zum Teil gut vorbereitet haben und einige sogar vor den Fischerhütten in den Seeanlagen das Balancieren auf dem Kahn trainierten. Besonders originell waren auch die Kostüme, mit denen sie schon beim Marsch in die Seeanlagen die Blicke angezogen haben. An der Spitze führte – wie üblich – Moosdapper-Präsident und Fischermeister Simon Rauch die starken Kerle an, gefolgt vom Spielmannszug des Dießener Trachtenvereins. Dahinter marschierte Michael Weberpals von Bayern 1, dessen Stimme man aus „Mittags in Oberbayern“ kennt. Mit ihm hielt Schritt das Hohe Schiedsgericht, Anton Eberl, der Herr über Spielregeln und Qualifikation. Unter seiner Regie sind zuvor die Paarungen per Los ge- zogen worden, „damit ist jede Schiebung oder Manipulation ausgeschlossen“.

Ohne Flip-Flops

Und so sind sie durch die Reihen ihrer Fans geschritten und haben am Seeufer Stellung bezogen: Landrat Thomas Eichinger im lässigen Freizeitlook mit Strohhütchen – für ihn war das Pflaster besonders heiß, weil er seine Flip-Flops vergessen hatte. Dießens Polizei-Vize Boris Netschajew passte gut dazu mit Sommerhütchen und den weiß-blau gerauteten Shorts. Süß, und verführerisch die blondgezopfte Annamirl im karierten Dirndl-Gewand, mit rosa Blümchen im Haar und strahlendem Lächeln alias Stefan Rauch aus der Fischerei. Kaum zu erkennen der Zaun-König mit goldener Krone und royalem Prachtumhang, der Hackl Thomas, der kraftvoll allen Gegnern den Kampf ansagte, allerdings vorher Baden ging und beim Rausklettern aus dem See die Revanche für nächstes Jahr vollmundig ankündigte.

Wolfgang Huber mit seiner schwarzen Lockenperücke ist gegen Merhawi Tesfadem angetreten, der ganz schön Standfestigkeit zeigt und beim Probetraining auch als Ruderer schon ganz geschickt war. Merhawi und sein Freund Habteab Tekie haben in Riederau eine neue Heimat gefunden, sie kommen aus Eritrea. Knapp am Erfolg vorbei „geschwommen“ ist Tom Höring im Eishockey-Kostüm. Wenn er so weiter macht, spekulierten seine Feunde, kann er nächstes Jahr auf Siegerchancen setzen. Vom Unterbräu-Skiclub trat Musiker Andi Thon mit seiner Ski-Ausrüstung an, stürzte aber viel zu früh ins Wasser, während Frank Fastl vom Mongolen-Stammtisch auf Platz 3 landete.

Große Enttäuschung bei den Fans von Franz Eberl, der mit lässigem Piraten-Look und als Titelverteidiger bei der ersten Begegnung schon Baden ging, „Pech g’habt“, sagt der Jimmy. Dennis Burk, der Sendeleiter von Radio Oberland als Mexikaner am Ammersee, hat auch schnell aufgegeben, den Kürzeren zog auch der Andrew Bernhard aus Wengen. Der Fastl Luggi ist im historischen Feuerwehr-Ölzeug ins Boot geklettert. Aber die schweren Klamotten raubten ihm wohl die Wendigkeit. Er schied aus, wie auch der Tobi Reichart, der als Landratte aus Pitzeshofen gekommen war.

Mit Fischermartl

Bürgermeister Herbert Kirsch blieb standhaft bis zum 2. Platz, am Organisationstisch verkündete er das Glücksgeheimnis: Er ging mit dem Dießener Wappen, dem Fischermartl, auf dem T-Shirt ins Wasser. Vorzeitig ausgeschieden ist leider eine neue Hoffnung beim Fischerstechen, Ironman Dominic Wimmer. Er kam wegen eines anderen Wettbewerbs zu spät konnte nicht mehr in Ablauf des Stechens integriert werden. Witzig war schließlich noch die Siegerehrung. „Zappi“ auf Platz 3 bekam einen Teller voller Rieß-Würste und einen Kasten Bier. Herbert Kirsch freute sich über zwei Salami und einen halben Kasten Bier während Sieger „Schuse“ mit einer Salami (als Vegetarier) und einer Flasche Bier etwas verloren dastand. Da trat der Moosdapper-Präsident Rauch auf den Plan und ehrte den Sieger mit einem geschnitzten Fischerstecher von Günther Hoheisl.

"Neuer" Platz

Das Fischerstechen in Dießen ist nach acht Jahren wie Phönix aus der Asche aus den Fluten gestiegen und hat sich als prachtvolles Spektakel bewährt, das in diesem Jahr vorwiegend bekannte Einheimische auf die schwankenden Planken lockte. Zugleich feierte der neu gestaltete Untermüllerplatz Premiere. Die Umbauphase hat so lange gedauert, dass manche Dießener nicht mehr glaubten, er würde jemals fertig. Aber bei der Siegesfeier zum Fischerstechen erlebten Einheimische und Fremde einen Platz mit bergeweise bairischem Lebensgefühl unterm weiß-blauen Bilderbuchhimmel, mit gelben Sonnenschirmen und lustiger Gesellschaft. Dass zur Einweihung der Dießener Musikverein aufspielte, gefiel allen, denen die örtliche Kultur am Herzen liegt. Mitorganisator Hani Rieß, der als junger Moosdapper bei der Jahresversammlung ein Wiederaufleben des Fischerstechens angeregt hat, schwärmt: „Es war ein gelungenes Fest, wir organisieren es im nächsten Jahr wieder.“

Beate Bentele

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