Zur Flasche gegriffen

Vor Gericht konnte sie ihre Tat selbst nicht fassen: Die 50-Jährige aus dem nördlichen Landkreis hatte in einer Obermeitinger Bäckerei eine Flasche hochprozentigen Alkohol entwendet und die Verkäuferin in die Hand gebissen. Trotz mehrerer tatmildernder Umstände verhängte das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Matthias Neumann eine Bewährungsstrafe von drei Jahren und zusätzlich strenge Bewährungsauflagen.

„Ich würde es rückgängig machen, wenn ich könnte“, versichert die Angeklagte. An das Geschehen selbst könne sie sich nicht erinnern. Zur Tatzeit habe sie unter starkem Alkoholeinfluss gestanden und zuvor Tabletten genommen. Die 50-jährige räumte vor Gericht zudem ein, „öfter zur Flasche gegriffen“ zu haben. Verteidiger Johannes Buchberger begründete das mit einem „sehr bewegten Privatleben“ im gesamten vergangenen Jahr. Eine schwere Krankheit sei bei der Angeklagten diagnostiziert worden, daraufhin habe sie ihre Arbeitsstelle verloren und schließlich sei ihre Ehe kurz vor dem Aus gestanden. „Deswegen suchte sie die Lösung ihrer Probleme im Alkohol.“ Nach einem heftigen Streit mit ihrem Mann ging die Angeklagte im Dezember vergangenen Jahres, bereits unter Einfluss von Alkohol und Tabletten, in eine Obermeitinger Bäckerei, um Schnaps zu kaufen. Mit einer Flasche Alkohol verließ die Frau den Laden, obwohl die Verkäuferin ihr mehrmals erklärt habe, dass sie gemäß Anweisung des Ehemannes nichts Hochprozentiges mehr bekäme. Die Angeklagte habe „sich dann einfach die Flasche geschnappt“, berichtete die Verkäuferin. Als sie die Diebin am Jackenärmel festhielt, biss diese sie in die Hand. Danach flüchtete die Angeklagte. Der Täterin war der Vorfall so peinlich, dass sie die Flasche Alkohol nachträglich bezahlte und sich kurze Zeit später bei der Bäckereiangestellten persönlich mit Pralinen und Blumen entschuldigte. Dazu die Zeugin: „Ich habe ihr verziehen, für mich ist die Sache längst erledigt“. Gleichwohl stand die 50-Jährige nun wegen räuberischen Diebstahls vor Gericht. In der Hauptverhandlung sprach viel für die Angeklagte: Zur Tatzeit war sie laut ärztlichem Gutachten aufgrund des Alkohol- und Tablettenkonsums wohl nur „vermindert steuerfähig“. Und Staatsanwältin Eva Hetz fand es positiv, dass die Täterin den Schnaps nachträglich bezahlt und sich entschuldigt habe. In der Verhandlung zeigte sich die Diebin voller Reue. „Ich kann diese Tat selbst kaum fassen“, gestand sie unter Tränen. 1200 Euro Geldstrafe forderte die Staatsanwältin. "Mehrfach volltrunken" Richter Neumann und die beiden Schöffen jedoch schätzten die Situation weitaus dramatischer ein. Sie gingen über dieses Strafmaß deutlich hinaus. Immerhin sei die Angeklagte schon „mehrfach volltrunken“ von der Polizei aufgegriffen worden, und den jüngsten Vorfall ordneten sie als „schwerwiegendes Delikt“ ein. Ihr Urteil: sechs Monate Haft, ausge­setzt auf drei Jahre zur Bewährung mit strengen Auflagen sowie 80 Stunden Hilfsdienste in einer sozialen Einrichtung. Der Bewährungshelfer soll entscheiden, ob sich die 50-jährige außerdem einer Alkoholtherapie unterziehen sollte.

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