Flaute bei den Augsburger Seglern

Die Stadt Augsburg ist durch die nicht genehmigten Einrichtungen der SGA (im Bild das Vereinshaus) im Zugzwang. Foto: Robert

Im Streit um das Bootshaus für das Ammersee-Gymnasium scheint die Markt­gemeinde Dießen am längeren Hebel zu sitzen, eine Einigung zeichnet sich ab. Die Verhandlungen mit der Stadt Augsburg über eine Verpachtung des Grundstücks laufen, und die Augsburger Segelgemeinschaft (SGA) scheint sich mit einer lediglich kleinen Zusatzfläche im Zufahrtsbereich zufrieden zu geben. Besser: Man wird sich zufrieden geben müssen, denn der Verein gründet sich offensichtlich auf Schwarzbauten. Weder Clubhaus noch Liegefläche für Boote noch Parkplätze sind genehmigt – lediglich eine kleine Imbissbude ist von den Behörden abgesegnet.

„Die Augsburger haben erkannt, dass bei einer Zusammenarbeit die einmalige Chance besteht, das Bestehende fest­zusetzen“, meint Dießens geschäftsleitender Beamter, Erich Neugebauer. Auf der jüngsten Gemeinderatssitzung hatte Bürgermeister Herbert Kirsch auf Antrag von Wolfgang Salzmann (CSU) über den Sachstand berichtet. Das Bootshaus soll nördlich der SGA entstehen, zwischen Bootshütte und Restaurant ein Seepark für die Bürger mit freiem Seezugang. Der nördliche Campingplatz soll voraussichtlich bleiben, wie er ist. „Ich kann nur sagen, der Gemeinderat hat alles richtig gemacht“, bekräftigt der Rathauschef das Vorgehen. Im Herbst hatte sich die Marktgemeinde von der Stadt Augsburg unter Druck gesetzt, ja regelrecht erpresst gefühlt. Das Stiftungsamt wollte dem Landkreis die Fläche für die geplante Bootshütte nur dann in Erbbaupacht überlassen, wenn im gleichen Zug die SGA deutlich mehr Zugeständnisse bekomme, hieß es. Auf Anraten von Rechtsanwalt Gerhard Spieß setzte die Gemeinde zunächst einmal das gesamte Areal – SGA wie Bootshütten-Bereich – als Grünfläche fest, und forderte die Stadt Augsburg freundlich dazu auf, alle Baugenehmigungen vorzulegen. Außerdem suchte man im Landratsamt Landsberg intensvi nach Grundstücks-Alternativen für die Bootshütte, und die Verantwortlichen im Ammersee-Gymnasium machten mit einer eigenen Pressekonferenz mobil. „Die Augsburger waren jetzt nur so kooperativ, weil wir einen Schwarzbau sanktionieren“, feixte Franz Kubat (Dießner Bürger) vergangene Woche. Schon bis zur nächsten Gemeinderatssitzung möchte Bürgermeister Herbert Kirsch einen schriftlichen Vertrag mit dem Stiftungsamt der Stadt Augsburg vorliegen haben. "Damit kann die SGA nicht leben!" „Das bereitet mir schlaflose Nächte, weil die SGA damit nicht leben kann.“ Vorsitzender Helmut Settele ist entsetzt, dass die Stadt Augsburg gegenüber der Gemeinde Dießen „klein beigibt“. Settele sieht die Zukunft der SGA massiv gefährdet. Einerseits könnten wegen des kleinen Geländes keine großen Jugendregatten veranstaltet wer­den. Andererseits fallen wegen des ASG-Bootshauses 30 Liegeplätze weg, was zu Mitgliederschwund führe. Gegen den Vorwurf des Schwarzbaus wehrt sich Settele vehement. Die SGA habe das Gebäude erst vor einigen Jahren erworben, und zwar vom Landkreis. Dieser habe 25 Jahre lang fleißig Pacht abkassiert und das Gebäude selbst als Unterkunft für Mitarbeiter genutzt. "Damit können wir alle leben!" Der Landkreis Landsberg stehe nach wie vor mehrheitlich hinter der Planung des ASG-Bootshauses, erläutert Landrat Walter Eichner. Im Haushalt des Landkreises sei es weiterhin aufgeführt, wenn auch mit rund 300000 Euro nur noch in einer abgespeckten Version. Wie sich die Schwarzbauten der Segelgemeinschaft verfestigen konnten, das kann er sich allerdings auch nicht erklären, möglicherweise habe es einst eine mündliche Absprache in Sachen SGA gegeben. Ob es zu einer insgesamt gütlichen Einigung zwischen Stadt Augsburg und Dießen komme, könne er nicht voraussehen, es sei aber wünschenswert. „Aus unserer Sicht ist das jetzt eine Entscheidung, mit der wir alle leben können.“

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