Mit Flinte und Erlebnisraum – Landkreis geht beim Biber-Management neue Wege

„Es dürfte 1990 gewesen sein“, ruft Landrat Walter Eichner in Erinnerung, „da sehe ich einen Heinrich Heiß freudig verkünden, dass wir im Landkreis einen Biber haben.“ Knapp zwei Jahrzehnte ist die Freude an dem zweitgrößten Nagetier der Welt ein wenig getrübt. Mancher-orts richtet er derart große Schäden an, dass er inzwischen auf Antrag gefangen und sogar getötet werden darf. Parallel dazu bereitet die Kreisbehörde derzeit die Ausweisung zweier „Biber-Erlebnisräume“ bei Walleshausen und bei Rott vor.

Der Biber an sich stelle fürwahr kein großes Problem dar, betonte Heinrich Heiß im Umweltausschuss des Kreistages. Allerdings nehme die Population im Landkreis nach wie vor zu und damit rücke der Nager mehr und mehr in die öffentliche Diskussion. Der Staatsbeamte aus der Unteren Naturschutzbehörde untermauerte dies mit einigen „echten Problemfällen“. In Finning baut der bis zu 30 Kilogramm schwere Nager die Windach so lange Dämme, bis der Rückstau in die Kanalisation eines nahen Baugebietes reicht. Den Biber-Damm einfach beseitigen bringt nichts, denn am nächsten Tag ist er wieder da. „Biber sind überaus fleißige Tiere“, weiß Heiß. Letztlich lässt das Wasserwirtschaftsamt Bagger anrollen, die am Biberbau für klare Fließverhältnisse sorgen. Weiter im Süden, in Rott, lässt eine Biber-Großfamilie Bauer Rudi Wezolek verzweifeln. Aus seiner landwirtschaftlich Nutzfläche ist eine Feuchtwiese geworden; Biber-Gegner und -Freunde liefern sich einen Schilderkrieg. Weiter nördlich richtet ein Problem-Biber an einer Fischzucht erheblichen Schaden an. Er gräbt sich durch Dämme, verbindet Teich mit Teich und Teich mit Bach – die Forellen sind dahin. Plötzlich dahin ist in Prittriching auch ein Radlfahrer. Er bricht auf einem Fahrradweg ein, weil ihn der Biber „unterminiert“ hat. Was aber tun, wenn der Biber „erhebliche Schäden“ anrichtet? Heiß und die beiden vom Landkreis bestellten Biberberater Helmut Killian und Siegfried Meggle informieren und sensibilisieren, doch hilft das nicht wirklich weiter. Den Biber fangen und anderswo wieder aussetzen war vor Jahren noch möglich, heute nicht mehr. „Es gibt ihn schon überall, deshalb wird man solche Tiere nicht mehr los“, erläutert Heiß. Erschwerend komme hinzu, dass Biber ein ausgeprägtes Revierverhalten an den Tag legen und sich gegenüber Eindringlingen äußerst aggressiv verhalten. Man kann ihn also nicht einfach ins nächste Gewässer umsiedeln. Stressfreier Tod Somit kommt die von der Unteren Naturschutzbehörde auf Antrag erteilte Fangerlaubnis einer Tötungserlaubnis gleich. Da das Fangen in einer Kastenfalle und vor dem finalen Schuss das Umsetzen in eine Holzkiste dem Biber allzu großen Stress bereitet, versucht man es auf direktem Weg. An zwei Problemzonen im Landkreis dürfen die Jagdberechtigten dem nachtaktiven Nagetier waidmännisch nachstellen. „Wir hoffen dabei auch auf die Vergrämung“, erläuterte Heiß im Umweltausschuss. Ein Ergebnis der Aktion liege noch nicht vor. Erlebnisräume als Ausgleich Unabhängig von dieser Methode strebt der Landkreis derzeit die Ausweisung von Biber-Erlebnisräumen an. Südwestlich von Walleshausen im Bereich der „Häfelewiesen“ sind in einem früheren Torf- stich stolze 20 Hektar dafür vorgesehen. „Im Grunde streben wir dort ein kleines Flurbereinigungsverfahren an“, so Heiß. Vorgesehen sei, dass umliegende Kommunen an dieser Stelle Flächen im Zuge von Ausgleichsmaßnahmen erwerben können. Der Kauferinger Gemeinderat hat diese Möglichkeit vergangene Woche in nichtöffentlicher Sitzung bereits beraten. Weitere vier bis fünf Hektar für den Biber soll es im Westen des Engelsrieder Sees bei Rott geben. Heinrich Heiß dazu: „Der Eigentümer würde mitziehen, sofern wir ihm Tauschflächen anbieten können.“ Übrigens: In unseren Breitengraden ist der ärgste Feind des Bibers der Biber selbst. Ist im Revier die Lebensraumkapazität erst mal erreicht, nehmen Stress und damit Sterblichkeit zu, gleichzeitig sinkt die Nachwuchsrate. Die Population reguliert sich also selbst. Außerdem achtet der Biber nicht auf den Verkehr. So erleiden allein an der B17 auf Höhe der Lechrainkaserne jährlich drei bis vier Biber den Verkehrstod – beim Versuch, vom Wiesbach in den jenseits der viel befahrenen Straße gelegenen städtischen Weiher zu gelangen.

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