Nach Jahren der Angst

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Bewohner im ehemaligen Forsthaus in Riederau: Amin Ramazani, Adela Amiri mit Tochter Niyayesh Ramazani, Said Modaber (Pate), Michaela Kanzler (Koordinatorin), Fithawi Gebray, Zarif Hosseini mit Tochter Diana Hosseini, Rainer Michler (Pate), Tesfahiwet Weltinsea, Habteab Tekle, Behnaz Hosseini und Franka Colsman (Patin).

Dießen/Riederau – Als Besucher im ehemaligen Forsthaus an der Jägerstraße fühlt man sich ein bisschen wie in einer internationalen Studenten-WG. An der Haustür gibt ein Bekannter schnell ein paar Bücher ab, in der Küche hängen bunte Bilder, die Zarif, einer der Bewohner gemalt hat. Vorbereitungen für ein kleines Sommerfest werden getroffen. Die jungen Leute rücken ein paar Stühle zusammen, lächeln freundlich, und warten höflich bis die Journalistin von der Zeitung ihre Fragen stellt.

In Wirklichkeit ist die Welt der jungen Leute aber längst nicht so heil wie der erste Eindruck. Sie mussten unter unsäglichen Bedingungen aus ihrer Heimat fliehen und haben Jahre voller Angst hinter sich. Sie sind zwischen 23 und 30 Jahre jung und hoffen nun auf eine Zukunft in Deutschland. Eine Anhörung oder gar eine Anerkennung als Asylberechtigter hat bislang noch keiner der derzeitigen Bewohner des Forsthauses bekommen. 

Einige wenige, die schon länger als 15 Monate in Deutschland sind, haben zumindest einen Job. Das bedeutet nicht unbedingt mehr Geld, aber mehr Selbstbewusstsein, da sie zu ihrem Unterhalt selbst beitragen können. Nicht nur bei der Jobsuche waren ihnen ihre ehrenamtlichen Paten eine große Hilfe. Das betont auch Amin, der seit einigen Wochen in einer metallverarbeitenden Fabrik in Raisting arbeitet. Auch zwei junge Männer aus Eritrea sind sichtlich stolz, einen Minijob im Biergarten beziehungsweise im Strandbad gefunden zu haben. 

Amin ist mit seiner Lebensgefährtin Adela und der gemeinsamen Tochter Niyayesh aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Seit seinem vierten Lebensjahr musste Amin schwer arbeiten. Bis zu seiner Ankunft in Riederau war er Analphabet. Lesen und Schreiben auf Deutsch hat Amin mittlerweile gelernt – mit viel Fleiß und mit Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer. Nun möchte er auch in seiner Muttersprache Persisch Lesen und Schreiben lernen. Auch seine Lebensgefährtin Adela hat Zukunftspläne. Sie näht gerne und möchte später am liebsten in der Modebranche tätig sein. Für die gemeinsame Tochter Niyayesh wünscht sich das Paar eine Zukunft ohne Angst und Bedrohung. Beide möchten arbeiten, damit sie ihrem Kind eine gute Ausbildung finanzieren können. 

Voller Dankbarkeit sind die jungen Bewohner des Forsthauses für die Zuwendung ihrer Nachbarn und für die Unterstützung durch ihre Paten Said Modaber, Rainer Michler und Fanka Colsman, ohne die Vieles nicht möglich gewesen wäre. „Deshalb wäre es schön, weitere Paten für weitere Flüchtlinge zu finden“, betont die ehrenamtliche Koordinatorin Michaela Kanzler. 

Hilfsbereite, aufgeschlossene Menschen, die Lust und Zeit haben Asylbewerbern ihre neue Umgebung zu erklären, bei Behördengängen oder beim Einkaufen behilflich zu sein und sie mit den Gepflogenheiten ihres Gastlandes vertraut zu machen, werden gebeten mit der zuständigen Sozialpädagogin Michaela Zeilmeier von der Asylsozialberatung Ammersee-West (Tel.: 08807-2069837 oder 0151-40908362) Kontakt aufzunehmen. Dringend gesucht werden weitere Jobs, auch Sachspenden, wie zum Beispiel gebrauchte, intakte Fahrräder sind willkommen.

Ursula Nagl

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