"Möglichst homogen"

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Auf der neuen Fluchttreppe im hinteren Bereich des umgebauten Gasthofs Zur Post formierte sich der Helferkreis Greifenberg beim „Tag der offenen Tür“. Viele Bürger nutzten die Gelegenheit, die Asylunterkunft zu besichtigen.

Greifenberg – Von „Wie eine Gefängniszelle“ bis zu „Viel besser als Turnhalle oder Container“ lauteten die Urteile der Greifenberger beim „Tag der offenen Tür“ im seit Sommer letzten Jahres geschlossenen Gasthof „Zur Post“, der jetzt zum Flüchtlingsheim umfunktioniert und diese Woche bezogen wurde. Rund einhundert interessierte Bürger ließen es sich nicht nehmen, das ehemalige Traditionswirtshaus zu inspizieren, wo jetzt 57 vornehmlich aus Afghanistan stammende Flüchtlinge eingezogen sind. Bis zu ihrer Anerkennung werden sie hier bleiben und vom Helferkreis Greifenberg intensiv betreut.

Wie berichtet, hat Gastronom und Gemeinderat Rasso Pittrich seinen bereits 1814 in den Büchern urkundlich aufgeführten „Wirtshof mit Tafernwirtschaft“ neben dem Schloss aufgegeben und dem Landratsamt zur Anmietung als Flüchtlingsunterkunft angeboten. Nachdem der Gemeinderat im November einstimmig die Nutzungsänderung bewilligt hatte, wurde renoviert, umgebaut und den feuerpolizeilichen Bestimmungen angepasst, unter anderem mit einer Fluchttreppe im hinteren Außenbereich. Im Erdgeschoss befinden sich jetzt fünf Vierbett-Zimmer mit Sanitäranlagen. Der Gastraum blieb weitgehend erhalten und dient wie das Nebenzimmer als allgemeiner Aufenthaltsraum mit Fernseher und Kicker. Die Küche wurde komplett erneuert und mit sechs Herden mit Zeitschaltuhr ausgestattet, da sich die Flüchtlinge in Greifenberg selbst verpflegen werden.

Im Obergeschoss befinden sich 14 Mehrbettzimmer und eine Zweizimmer-Wohnung für eine Familie. Die Räume sind noch spartanisch eingerichtet mit Stockbetten und einem Schrank pro Flüchtling. Was noch fehlt sind Nachtkästchen oder Ablagen. Hier ist wohl der Helferkreis unter der Leitung von Natalia Ritzkowsky gefragt. Sie und ihre freiwilligen Helfer waren bei der Führung ebenso zugegen wie Andreas Schwan, beim Landratsamt zuständig für Wohnungsakquise, Ausstattung und Belegung. Ihm zur Seite standen Stefanie von Valta und Nicole Vokrouhlik von der Koordinierungsstelle für ehrenamtlich Engagierte im Bereich Asyl des Landratsamtes.

Wie Landratsamtssprecher Wolfgang Müller gegenüber dem KREISBOTEN erklärte, habe man auf eine möglichst homogene Belegung des ehemaligen Gasthofs Zur Post geachtet. Die Flüchtlinge aus Afghanistan seien schon länger im Landkreis und bislang in der Kauferinger Tennis- und Soccerhalle untergebracht. Derzeit kämen keine neuen Asylsuchenden in den Landkreis, lediglich Familienzusammenführungen in enger Absprache mit der Regierung von Oberbayern fänden statt.

Im Landkreis sind derzeit 126 dezentrale Unterkünfte und eine Gemeinschaftsunterkunft mit 1.505 Asylbewerbern und 127 minderjährigen Flüchtlingen belegt. Davon hätten 427 Asylbewerber bereits ein Bleiberecht erhalten. Für sie gelte es nun, auf dem freien Markt Wohnungen zu finden, da sie nicht mehr berechtigt seien, in Gemeinschaftsunterkünften oder dezentralen Unterkünften zu wohnen. Hier sei man auf die Unterstützung der Helferkreise angewiesen.

Der Greifenberger Helferkreis stürzt sich bereits mit Elan auf die Aufgabe, den Neuankömmlingen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Unterstützt werden sie von einem „Kümmerer“ des Landratsamtes, einer Art Hausmeister oder Verwalter. Man suche aber immer noch Freiwillige, zum Beispiel für den wichtigen Deutschunterricht. Unter www.helferkreis-greifenberg.de finden Interessenten alles Wissenswerte.

Dieter Roettig

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