Folgenschwerer Unfall nach Kult-Party

Ein unerklärlicher Aussetzer mit schrecklichen Folgen hat in der vergangenen Woche das Schöffengericht Landsberg beschäftigt. Vorsätzliche Trunkenheit im Verkehr, Körperverletzung, Unfallflucht und Straßenverkehrsgefährdung lauteten die Anklagepunkte gegen einen 34-Jährigen aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck. Der Mann hatte sich im letzten Jahr nach der Springbreak-Party in Issing betrunken ans Steuer gesetzt und zwei Fußgänger angefahren. Eines der Opfer, eine 29-jährige Münchnerin, erlitt schwerste Verletzungen und leidet bis heute unter den Folgen.

Es war alles so vernünftig geplant. Der 34-Jährige war mit einem Freund (40) zu dem Fest auf dem Issinger Sportplatz gefahren. Um unbesorgt feiern zu können, hatten sich die beiden vorgenommen, anschließend im Auto zu schlafen. Die Rücksitze waren bereits umgeklappt, Schlafsäcke und Decken lagen bereit. Gegen 5 Uhr am 9. Mai verließen die beiden Bundeswehrsoldaten nach reichlich Alkoholgenuss das Fest und stiegen in den weißen BMW-Kombi des Angeklagte. „Ich bin auf dem Beifahrersitz eingedöst“, berichtete sein Freund vor Gericht. Der 34-Jährige habe versucht, es sich hinten im Auto bequem zu machen. „Plötzlich kam er nach vorne und fuhr mit quietschenden Reifen los“, so der Beifahrer. Der Unfall ereignete sich schon nach wenigen hundert Metern auf der Issinger Hauptstraße. Da der Gehsteig komplett zugeparkt war, liefen drei Fußgänger am rechten Fahrbahnrand. Der BMW, der laut Gutachten zwischen 50 und 70 Stundenkilometern fuhr, streifte zunächst einen 25-Jährigen mit dem Außenspiegel – der junge Mann kam mit Prellungen davon. Dann erfasste das Auto die 29-Jährige. Sie wurde auf die Motorhaube und gegen die Windschutzscheibe geschleudert, landete auf dem Autodach und fiel von dort zu Boden. Sie erlitt unter anderem eine Fraktur, bei der das Becken regelrecht von der Wirbelsäule abgerissen wurde. Krankenhausaufenthalte und Reha zogen sich über neun Monate hin. Erst seit kurzem kann die Kinder- und Jugendpsychologin wieder ihrer Arbeit nachgehen. Noch immer hat sie Schrauben im Rücken und leidet unter Schmerzen. Ob sie je auf natürlichem Wege Kinder bekommen kann, ist unklar. Der Unfallfahrer gab vor Gericht an, den Aufprall nicht mitbekommen zu haben. Er wisse nicht mehr, warum er überhaupt losgefahren sei und wo er hingewollt habe – sein Heimweg hätte in die entgegengesetzte Richtung geführt. Die Fußgänger habe er nicht gesehen. „Er ist mir schleierhaft, wie das alles war“, so der 34-Jährige. Er sei erst zu sich gekommen, als sein Beifahrer ihn angeschrien habe. „Er hat zuerst nicht reagiert, er war wie ferngesteuert“, berichtete dieser. „Ich habe gedacht, ich drehe durch in dem Auto.“ "Die Lage peilen" Schließlich hielt der Soldat am Straßenrand, beide stiegen aus und liefen zunächst in verschiedene Richtungen davon, um sich dann aber doch wieder der Unfallstelle zu nähern. „Nicht etwa, um sich zu stellen, sondern um die Lage zu peilen“, wie der Vorsitzende Richter Dr. Wolfgang Daum den beiden vorwarf. Dort wurden sie von Zeugen erkannt und von der Polizei festgenommen. Der Beifahrer war in der Verhandlung wegen Strafvereitelung angeklagt. Er habe zunächst nicht ausgesagt, dass sein Freund den Wagen gefahren habe, so Staatsanwältin Katrin Prechtel. Verteidiger Joachim Feller gelang es jedoch, diesen Vorwurf zu widerlegen – das Verfahren gegen den 40-Jährigen wurde eingestellt, und er konnte als unbescholtener Bürger den Saal verlassen. Anders der 34-Jährige. Für ihn kam es knüppeldick. Die 18 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung, die das Gericht verhängte, waren da noch das wenigste. Doch ihm droht nun auch der fristlose Rauswurf bei der Bundeswehr, wo er bis dato als Hauptfeldwebel dient. „Er verliert alles und kann von einem Tag auf den anderen Hartz IV beantragen“, so Verteidiger Sebastian Weber, der sich vergeblich um eine Strafe von unter zwölf Monaten bemühte – in diesem Fall hätte sein Mandant mit einer Degradierung davonkommen können. Der Angeklagte zahlte dem Unfallopfer ein erstes Schmerzensgeld von 3000 Euro und muss damit rechnen, von seiner Versicherung, die ihrerseits 30000 Euro an die 29-Jährige gezahlt hat, in Regress genommen zu werden. Außerdem wird sein Führerschein für weitere zwei Jahre einbehalten. Richter Daum wollte das Urteil auch als Warnung an andere Autofahrer verstanden wissen. „Für solche Taten“, so der Richter, „muss es deutliche Strafen geben.“

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