Kein Harfenengel

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Perfektes Zusammenspiel und außergewöhnliche Musik bot das Kathrin Pechlof Trio zum Jahresbeginn im Foyer des Stadttheaters: Kathrin Pechlof an der Harfe, Robert Landferman am Bass und Christian Weidner am Altsaxophon.

Landsberg – „Das Jahr 2016 begrüßen wir mit einem entspannten Jazzabend im Theaterfoyer“, so stand es im Programm des Stadttheaters. Ein Trio, Harfe, Saxophon und Bass, das lud zur Vorstellung eines netten Abends mit schwerem Rotwein und harmonischer Musik ein. Was das Kathrin Pechlof Trio auf Einladung von Edmund Epple bot, war in gewisser Weise entspannend – aber Konzentration war dennoch gefragt: Die Eigenkompositionen des zurecht hochgelobten Trios sind keine leichte Kost.

Genau vor fünf Jahren seien sie in dieser Formation das erste Mal auf der Bühne gestanden, erzählt die in München geborene und in Berlin lebende Harfenistin Kathrin Pechlof: „Das war bei einem Neujahrskonzert in einer Kölner Kirche.“ Als erstes Stück werde das Trio genau wie damals auch heute das „Kyrie“ spielen, eine Weiterverarbeitung des Kyrie einer gregorianischen Messe. Christian Weidner am Alt­saxophon setzt mit einem Solo ein, das den Raum des Foyers zur Kathedrale werden lässt.

Bassist Robert Landferman, kürzlich erst mit dem Pablo Held Trio in Landsberg vertreten, setzt mit sanft geschlagenen Saiten ein, dazu gesellt sich Kathrin Pechlof mit einhändigem Harfenspiel, das unisono zum Bass erklingt. Schon das zweite Stück „Versuch“ lässt hören, dass die Harmonien nicht so gefällig bleiben, wie in „Kyrie“ angeklungen: Immer wieder setzt die Harfe neu ein, pausiert, fängt wieder an – wie ein verschrecktes Tier, das mal hierin, mal dorthin läuft, ein Versuch, den richtigen Weg zu finden. „Die Harfe ist nicht nur ein Saiteninstrument“, erklärt Pechlof, „sie hat auch sieben Pedale, mit denen ich die Halbtöne einstellen muss“.

Eine Harfe hat praktisch nur weiße Tasten, für alles andere sind die Füße zuständig. Viele der Kompositionen stammen aus Pechlofs Feder, aber auch Saxophonist Weidner schreibt, so zum Beispiel eine Komposition für „Harfe ohne viel Fußarbeit – das reduziert die Fehlerquellen enorm“, lacht Pechlof. Die Musikerin vermeidet Klischees wie Glissando und Läufe, die dieses Instrument oftmals so himmlisch kitschig klingen lassen. Manchmal imitiert sie den Basso Continuo eines Cembalos und baut so zusammen mit dem Kontrabass das Grundgerüst für das darauf improvisierende Saxophon. Sie zupft die höchsten Harfensaiten und erzeugt Töne wie zwei aneinander klirrende Gläser. Oder sie spielt ein nahezu lyrisches Solo, für das Sax und Bass ein sattes Netz weben: Alle drei Musiker sind gleichberechtigt, jeder hat eine selbstständige Rolle und trotzdem sitzt alles perfekt, ist aus einem Guss. Vor den Musikern stehen Notenständer, aber „notiert sind nur ungefähr zehn Prozent dessen, was wir spielen“, erklärt Weidner.

Oftmals stehe dort nur „Material“, auf das alle drei improvisieren. Und auch ein festgelegtes Metrum sucht man dort vergeblich. Das erfordert präzises Hören aufeinander und macht deutlich, dass keiner der Drei die Hauptrolle nötig hat. Landferman zeigt, was in einem Kontrabass alles stecken kann: Er schlägt mit dem Griff des Bogens die Saiten und erzeugt Töne, die wie ein schlecht eingestelltes Radio anmuten. Oder er spielt durch leichtes Streichen des Bogens und halbfest gedrückte Saiten Obertöne, die man bei diesem großen Instrument nicht vermutet. Weidners Saxophon kann quieken und reiben, oder auch sanft und pianissimo hauchen. Alle drei beherrschen ihre Instrumente bis zur Perfektion.

Zum Abschluss tauchte das Trio nochmals in die Klassik: Claude Debussys „Les Cloches“, ursprünglich für Klavier und Gesang komponiert, schloss in wohlklingender Harmonie einen spannenden, anspruchsvollen und dennoch entspannenden Abend.

Susanne Greiner

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