Asylunterkunft Landsberg

Die Hilfsbereitschaft überwiegt

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Der Rücklauf der mit der Bürgerinformation verteilten Fragebögen Asyl verdeutlicht, dass in Landsberg die Hilfsbereitschaft überwiegt.

Landsberg – Viele Bürger haben auf den Flyer der Stadt zum Thema Asyl reagiert, indem sie den beigefügten Fragebogen ausfüllten, E-Mails schrieben oder den Asylbeauftragten Grünen-Stadtrat Jost Handtrack einfach mal anriefen. Eine Auswertung aller Äußerungen, die Handtrack erreichten, zeigt, dass es in Landsberg durchaus Kritik und Besorgnis gibt, dass die Hilfsbereitschaft aber überwiegt.

Zwei Drittel der Landsberger, die das Informationsblatt bereits erhalten und sich zu Wort gemeldet haben, fühlen sich in Sachen Asyl gut informiert; ein Drittel wünscht sich, mehr zu erfahren. Gefordert werden eine stärkere Bürgerbeteiligung bei der Standortwahl von Containern und Gebäuden, mehr Informationen über die finanziellen Auswirkungen der Unterbringung und detailliertere Angaben über die Flüchtlinge selbst, meist um effektiver helfen zu können.

Auf die Frage, welche Sorgen die Lechstädter mit dem Flüchtlingsthema verbinden, kommen mehrere Gedanken zum Ausdruck. Einige Bürger befürchten, dass „die übergroße Zahl von Wirtschaftsflüchtlingen die bisherige positive Haltung der Bevölkerung umkippen lässt“, dass „diese Menschen nicht gut aufgenommen werden“, dass es auch hier zu Kundgebungen komme und „dass die Asylsuchenden als Menschen zweiter Klasse behandelt werden könnten“.

Jost Handtrack: „Ich habe größten Respekt vor denjenigen, die berufstätig sind und Familie haben, und sich dennoch einige Stunden für Flüchtlingsbetreuung von ihrer Freizeit abzwacken.“

Andere bezweifeln, dass es gelingen wird, Flüchtlinge und Asylbewerber mit Bleiberecht wirksam zu integrieren, denn sie blieben „zu sehr sich selbst überlassen“, entwickelten aufgrund „Frust und Langeweile“ möglicherweise „Aggressionen“ und bildeten aufgrund mangelnder „Anpassungsfähigkeit“ und „zu extremer Kulturunterschiede“ vielleicht eine „Parallelgesellschaft“.

Einige derer, die auf den Flyer geantwortet haben, befürchten, dass die Kriminalität zunehmen könnte. In einem Fall wird „Angst um unsere Frauen“ zum Ausdruck gebracht, in einem anderen Fall gefragt: „Ist mein Kind auf der Straße sicher?“ Vereinzelt kommen auch wirtschaftliche und soziale Bedenken zum Ausdruck: Mehrfach wird auf „genügend deutsche Hilfsbedürftige“ hingewiesen und vorausgesagt, dass es an Wohnraum und Kindergartenplätzen fehlen werde. Einer der Einsender des Fragebogens erwartet „nur Kosten und eine Senkung des Lebensstandards, sonst nichts“.

Andere Landsberger sehen in der Aufnahme von Flüchtlingen hingegen wirtschaftliche Chancen; dabei werden Stichworte wie „Belebung im Arbeitsmarkt“, „Gewinnung potenzieller Arbeitskräfte“, „Abbau des Fachkräftemangels“ und „Bewältigung des demographischen Wandels“ genannt. In kultureller Hinsicht dominieren Erwartungen wie „Weiterung des persönlichen Horizonts“, „Stärkung des sozialen Klimas in der Stadt“ und „kulturelle Impulse“. In einem Fragebogen heißt es: „Die Anwesenheit so vieler Flüchtlinge rüttelt alle wach, über Missstände in der Welt nachzudenken“.

Eine klare Meinung haben fast alle Befragten zum Umgang mit den Flüchtlingen während des Prüfungsverfahrens. Die Betreuung müsse besser werden. Sprachkurse und die Einbeziehung von Flüchtlingen in Vereine und Flüchtlingskinder in Kindergärten sei von großer Bedeutung. Erforderlich sei auch ein Ansprechpartner vor Ort für Anwohner bei Fragen und Problemen, ähnlich einem „Herbergsvater“.

Viele Lernpaten

Viele derer, die auf den Flyer reagiert haben, boten ihre Hilfe an, einige in Form persönlicher Betreuung einzelner Flüchtlinge, andere als Verantwortliche für Projekte wie Ausflüge und Kinderbetreuung, sehr viele als „Deutschlernpate“. Einige unterbreiteten auch eigene Angebote: „Musik machen“, „Menschen begleiten“, „Hilfe bei Behördengängen“, „Fahrräder reparieren“, „mit Kindern, malen, basteln, Spiele spielen“. Viele warten allerdings auch auf konkrete Hinweise: „Welche personelle Hilfe wird gebraucht? Welche Sachspenden sind erwünscht?“ Eine Zuschrift enthält dazu auch einen konkreten Wunsch: „Wenn ich etwas mache, möchte ich versichert sein und umsonst parken können“.

Generell haben viele den freien Platz genutzt, den der Fragebogen enthielt; auch in den E-Mails, die dem KREISBOTEN vorliegen, wurde deutlich, dass die Befragten den Dialog begrüßen. Festzustellen ist: Die große Mehrheit der Landsberger ist nicht nur bereit, Flüchtlinge in der Stadt aufzuneh- men; sie bietet sogar persönliche Hilfe an. Allerdings verlangen die Bürger, dass alles getan wird, Migranten ohne Bleiberecht frühzeitig auszufiltern. Außerdem müsse dafür gesorgt werden, dass Hürden in Sachen Sprache, Arbeit und Wohnen abgebaut werden. Und auch räumlich gibt es klare Wünsche: „nicht zu viele in einer Aufnahmeeinrichtung“ und „keine Konzentration an einem Ort“. Dort wo noch Platz war, sparten die Landsberger aber auch nicht mit Lob: „Danke für den Flyer und die offene Kommunikation!“

Werner Lauff

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