Tief im "Landsberger Sumpf"

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Für die "treibende Kraft" des Diebstahls, eine 22-jährige Landsbergerin, ging es direkt nach der Verhandlung ins Gefängnis.

Landkreis – Die „charakterlich unterste Stufe“ hatte Richter Alexander Kessler zwei jungen Frauen aus dem Landkreis bei einer Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht am Mittwoch vergangener Woche vorgeworfen. Die beiden hatten zugegeben, einen Bekannten um 26.000 Euro erleichtert und das Geld dann innerhalb von zwei Monaten verprasst zu haben. Die Tat hatten sie vorab mit „großer krimineller Energie“ geplant, befand Kessler und auch der Lebenswandel der Angeklagten sorgte für Kopfschütteln beim Vorsitzenden. Während auf die heute 19-Jährige ein dreiwöchiger Dauerarrest zukommt, musste die Ältere direkt nach der Verhandlung ihre eineinhalbjährige Haft antreten.

„Für 100 Euro mache ich dich glücklich“, hatte sich die heute 22-Jährige Landsbergerin ihrem Bekannten, dem Besitzer eines Pizza-Lieferdiensts im Landkreis, im Dezember vergangenen Jahres per Textnachricht angeboten. Dieser handelte die Summe auf die Hälfte herunter – und sagte zu. Die junge Frau, die seit rund einem Jahr schwer alkoholabhängig ist und derzeit nach eigenen Angaben 13 Bier pro Tag trinkt, hatte zuvor bei ihm gewohnt. Daher war ihr bekannt, dass der 48-Jährige seine Ersparnisse in einem kleinen Tresor aufbewahrte. Schon zuvor hatte sie 2.000 Euro entwendet und sich aus dem Staub gemacht. Bis der Wirt, der das Fehlen bemerkt aber von einer Anzeige abgesehen hatte, ihr mitteilte, dass er sie vermisse und es zur neuerlichen Kontaktaufnahme kam.

Nach bezahlten Liebesdiensten stand der Frau jedoch nicht der Sinn. Sie bat den Mann, entsprechend ihrem Plan, den sie zuvor mit ihrer Komplizin und einem weiteren Mittäter ausgeheckt hatte, um die Zubereitung eines Abendessens. Sie selbst ging unter dem Vorwand, sich duschen zu wollen, mit dem Schlüsselbund, den ihr das Opfer ausgehändigt hatte, in dessen Wohnung. Am Bund befand sich auch der Tresorschlüssel. Diesen ließ sie aber zurück und schleppte den Safe samt Inhalt – 24.000 Euro, Gold und Schmuckstücke, die die Frauen später für insgesamt 2.000 Euro veräußerten – zu ihren Komplizen ins Auto.

Das sorgte für Kopfschütteln bei Richter Kessler und auch, dass die beiden Frauen ihren Tatplan vor der Umsetzung im Beisein einer Zeugin besprochen hatten, ließ ihn zu dem Schluss kommen: „Das ist ein Fall für die dümmsten Einbrecher der Welt.“

Nachdem das diebische Trio den Tresor mithilfe einer Flex geknackt hatte, brachten die beiden Frauen das Geld innerhalb von zwei Monaten durch. „Essen, Rauchen und Shopping“ hätten einen Batzen verschlungen. Daneben zogen die beiden in eine Landsberger Ferienwohnung und stiegen gelegentlich in Hotels in der Stadt ab. Bei Feiern wurde immer wieder die Zeche für Bekannte übernommen.

Vor allem bei der 19-Jährigen erkannte die Jugendgerichtshilfe das Verhaltensmuster, mangelndes Selbstwertgefühl durch ihr Konsumverhalten zu kompensieren. Staatsanwältin Beate Morhart forderte für die Frau eine einjährige Jugendstrafe. Das Geständnis der beiden Diebinnen wirkte sich positiv aus, ferner habe sich die Prittrichingerin einen geringeren Tatbeitrag zuschulden kommen lassen. Das Gericht setzte das Strafmaß niedriger an und verhängte einen dreiwöchigen Dauerarrest.

Dass eine Bewährungsstrafe hingegen für ihre Mandantin ein „Experiment“ sei, musste auch Anita Trautwein, Verteidigerin der 22-Jährigen zugeben. Sie wolle einen Entzug antreten, beteuerte die Mutter eines zweieinhalbjährigen Sohnes, die weder Arbeit noch Schulabschluss vorweisen kann, halbherzig. Das Angebot ihrer eigenen Eltern, die den Prozess verfolgten, und bei denen das Kind lebt, schlug sie aus. Diese hatten ihr eine Unterkunft und eine Anstellung im familieneigenen Unternehmen in Aussicht gestellt, träte sie nur eine stationäre Therapie an und löse sich von ihrem Bekanntenkreis.

„Ihre Sozialprognose ist miserabler, als ich mir in meinen schlimmsten Träumen vorgestellt habe“, befand dann auch Richter Kessler in seiner Urteilsbegründung. „Für eine Bewährung ist weit und breit kein Platz.“ Auch Staatsanwältin Morhart, die ein Jahr und neun Monate Haft ohne Bewährung forderte, warf ihr vor: „Sie gehen ihr Alkoholproblem nicht überzeugend an und stecken über ihre Kumpel im Landsberger Sumpf.“ Da die Angeklagte seit Juli an keinem festen Wohnsitz gemeldet war und erst am Vortag der Verhandlung eine neue Adresse bei einem, eine Woche zuvor aus der Psychiatrie entlassenen, Ex-Freund angeben konnte, erkannte der Vorsitzende Fluchtgefahr. Die 22-Jährige trat ihre eineinhalbjährige Haftstrafe direkt an. „Sie haben null Perspektive, aber wenn sie sich nicht totsaufen, ist ihr Leben noch nicht vorbei.“

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