"Mittelschule" muss erst mal reichen

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Das Schuljahr ist um und damit das Ende der „Fritz-Beck-Mittelschule“ besiegelt. Ob die neue „Mittelschule Landsberg“ ebenfalls dem Landsberger Studentenführer (kleines Foto) gewidment werden wird, bleibt vorerst offen.

Landsberg – „Führen Sie jetzt bitte keine Diskussion über den Namen“, appellierte Christian Karlstetter an den Stadtrat, nachdem die SPD den Antrag gestellt hatte, auch die neue (zusammengelegte) Mittelschule im Westen wieder Fritz-Beck-Schule zu nennen.

Das Gremium tat dem Rektor der Schlossbergschule den Gefallen nicht. In scharfer Form diskutierten die Fraktionen, ergebnislos, da ein Nichtbefassungsantrag von Roland Ritter (CSU) nach einer halben Stunde mit 17:10 Stimmen angenommen wurde. „Jetzt haben wir uns wieder lächerlich gemacht“, befand Christoph Jell (UBV).

Zumindest war die Debatte nicht sehr zielführend ausgefallen. Munter wurde der amtliche Name mit dem gewählten Namen der Schule vermischt, Stadtjuristin Petra Mayr-Endhart meinte gar: „Es gibt nur einen Namen und das ist der amtliche. Von so etwas wie einem gewählten Namen höre ich heute zum ersten Mal.“ Damit liegt die Abteilungsleiterin aber falsch. Neben dem amtlichen Namen Mittelschule Landsberg, kann durchaus ein weiterer Name „daneben“ gewählt werden, diesem müssen Lehrkörper, Schulamt, Schülermitverwaltung und zum Schluss auch der Stadtrat zustimmen.

Karlstetter erhielt in der Sitzung Rederecht und bat darum, Ruhe einkehren zu lassen. „Die Wellen, die es rund um die Zusammenlegung der Schulen gab, haben nicht gerade eine positive Wirkung gehabt.“ Der Prozess sei nicht einfach, „ich bin an einer der Schulen, die gerade ihre Identität verliert, das muss erst verarbeitet werden.“ Einseitige Vorstöße würden das Zusammenwachsen be­hindern, meinte der Rektor und plädierte dafür, „erst einmal einen neutralen Namen zu wählen.“

Pleite erster Klasse

Die SPD blieb dabei, den Namen des ehemaligen Landsberger Studentenführers Fritz Beck festschreiben zu wollen. „Es wäre ein fatales Signal nach außen, wenn wir, gerade mit unserer Landsberger Geschichte, die Schule vom Namen eines Opfers der Nationalsozialisten entwidmen würde“, meinte Gunnar Kahmke und erntete heftige Kritik der CSU. Norbert Kreuzer verwies auf das „leuchtende Beispiel“ der Kauferinger Realschule. „Da wollte Dr. Bühler auch unbedingt durchsetzen, dass sie Viktor-Frankl- Schule heißt, bevor noch der Spatenstich gemacht wurde“, so der Bürgermeister, „dann hat es die Schulfamilie abgelehnt – das nenne ich einmal eine Pleite erster Klasse.“

Von OB Mathias Neuner kam der Vorschlag, eventuell eine Straße nach Fritz Beck zu benennen: „Es ist ja die Frage, ob es unbedingt eine Schule sein muss, um das Andenken zu ehren.“ Nach dem erfolgreichen Nichtbefassungsantrag hatte sich die Diskussion dann ohnehin erübrigt. Momentan heißt die neue Einrichtung somit schlicht „Mittelschule Landsberg“, nach der Zusammenlegung wird die Debatte erneut begonnen werden – diesmal allerdings wohl zunächst in der Schule.

Christoph Kruse

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