Ein Fragment für den Flügel

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Von der Deutschen Oper in Berlin: Annette Köhler, Malika Aziz, David Schöndorfer, Joana Diaz Nunes und Werner Stephan.

Landsberg – Die Formel ist einfach: Wenn Sie zum geplanten neuen Konzertflügel im Rathaussaal beitragen wollen, „spenden oder spendieren Sie“. Mit „Spendieren“ meint Bürgermeister Axel Flörke die Kostenübernahme eines ganzen Konzerts; dann kommen die Eintrittsgelder dem Förderverein Rathauskonzerte zugute. Die VR-Bank Landsberg-Ammersee machte am Samstag mit fünf Akademisten den Anfang.

Malika Aziz und Annette Köhler (beide Violine), Joana Diaz Nunes (Viola), Werner Stephan (Violoncello) und David Schöndorfer (Klarinette) haben sich bei der Deutschen Oper in Berlin kennengelernt. Dessen Orchester bietet ausgewählten Nachwuchsmusikern die Möglichkeit, in Form eines praktischen Jahres an Proben und Konzerten mitzuwirken sowie Repertoire aus dem Bereich der Kammermusik zu erlernen und aufzuführen. Ihr Studium ruht währenddessen – der Aufenthalt in Berlin nimmt die fünf nämlich fast komplett in Anspruch.

Die Portugiesin Nunes, die Uzbekin Aziz sowie die drei Deutschen beeindruckten in Landsberg besonders mit dem Klarinettenquintett h-Moll op. 115 von Johannes Brahms. Der damals in Wien lebende Komponist hatte das Werk für den Meininger Klarinettisten Richard Mühlfeld komponiert. Das Quintett wurde erstmals im Dezember 1891 in der Berliner Singakademie aufgeführt und machte Mühlfeld international bekannt. „Die Klarinette spinnt die Melodie über herrlichste Vorhalte der Streicher aus“, heißt es in einer damaligen Konzertkritik. David Schöndorfer, der aus Königsbrunn stammt, ergriff am Samstag die Gelegenheit und setzte sich mit behutsamen, einfühlsamen und akzentuierten Dialogen brillant in Szene.

Das Publikum dankte ihm und den Streichern – den führenden Violinpart hatte Annette Köhler – mit Bravo-Rufen und langem Applaus. Zuvor interpretierten die Studenten in klassischer Streicher-Besetzung das Quartett c-Moll op. 18 Nummer 4 von Ludwig van Beethoven. Hier konnte Malika Aziz ihr ganzes Können unter Beweis stellen; Beethoven hat die erste Violine an vielen Stellen konzertant-solistisch konzipiert. Besonders beeindruckend war die nahezu orchestrale Klangfülle, bei der die vier Instrumente wie zu einem Klangkörper verschmolzen.

Begonnen hatte das Konzert vor rund 150 Besuchern mit einem Fragment, dem Quintettsatz B-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Er entstand in Mozarts Todesjahr 1791 und blieb faktisch unvollendet. Ob Mozart keine Gelegenheit mehr zur Fortsetzung hatte oder die restlichen Teile nur nicht mehr auffindbar sind, ist unter Musikhistorikern umstritten. Eine These lautet, der Wiener Klarinettist Anton Stadler habe die Original-Noten in einem Koffer auf einer Reise vergessen.

Die fünf Akademisten hatten das Fragment bereits einmal erfolgreich in Berlin aufgeführt. Wieder eine Vorlage für David Schöndorfer – der weiche, tragende Ton seiner Klarinette kommt bei diesem Satz besonders zur Geltung.

Werner Lauff

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