Fuggerstädter machen Druck

Die Vereinshütte der Seglergemeinschaft: Weil im Rathaus nur wenige Unterlagen über das gesamte Gelände existieren, sollen nun seitens der Stadt Augsburg als Eigentümerin sämtliche Baugenehmigungen vorgelegt werden. Möglicherweise handelt es sich bei dem ein oder andern Gebäude um einen Schwarzbau. Foto: Robert

Von der Stadt Augsburg erpresst fühlen sich die Dießener Gemeinderatsmitglieder. Grund: Weil die Seglergemeinschaft Augsburg im neuen Bebauungsplan offensichtlich von der Marktgemeinde nicht so großzügig wie gewünscht bedacht wird, verweigern die Fuggerstädter nun dem Landkreis Landsberg das Erbbaurecht für die Fläche, auf der das Bootshaus für das Ammer­see-Gymna­sium (ASG) ent­ste­hen soll.

Attraktive Lage und direkte Ver­bindung zum See hatten auf Landkreis- und Gemeindeebene letztlich den Ausschlag dafür gegeben, das neue, 2006 eröffnete Gymnasium im Dießener Ortsteil St. Alban zu bauen – auf einem Acker der Stadt Augsburg. Eine Bootshütte samt Steg sollte das Bild abrunden. Daraus wird vorerst nichts. Der Landkreis Landsberg als Sachaufwandsträger ist gezwungen, die Pläne auf Eis zu legen. Auslöser sind die Streitigkeiten der Marktgemeinde mit der Seglergemeinschaft Augsburg. Diese sieht durch die dem Clubgelände vorgelagerte Bootshütte ihre Vereinszukunft gefährdet und fordert stattdessen für sich selbst Baurecht und eine Erweiterung um 1500 Quadratmeter. Der Marktgemeinderat wies diesen Wunsch in seiner September-Sitzung zurück. Dadurch würden auch weitere Pläne gefährdet: Der Camping­- platz soll nach Norden verlagert werden, der Dauercamper-Bereich künftig als Grünanlage allen Bürgern zur Verfügung stehen. In St. Alban gibt es keinen öffentlichen Seezugang. Die Reaktion der Stadt Augsburg, als Eigentümerin des Areals rechtliche Schritte gegen den Bebauungsplan St. Alban einzuleiten, erbost nun die Gemeinderäte: Das Konzept der Schule sei nicht verhandelbar, so Wolfgang Salzmann (CSU), der das Vorgehen einen „Versuch der Nötigung“ nannte. Auch Franz Kubat ereiferte sich über die Reaktion der „Datschiburger, oder wie man so sagt“: Er verwies darauf, dass die Stadt schon genug abkassiere. Allein für die Fläche des Ammersee-Gymnasiums würden mehr als 100000 Euro Pachtzins pro Jahr fällig. Schwarzbau? Die Sachlage ist pikant, da es weder für Seglergemeinschaft noch für den Campingplatz (mit dem Landkreis als Pächter) so gut wie keine baurechtlichen Unterlagen gibt – zumindest nicht im Rathaus Dießen. Somit könnte die ein oder andere Anlage ein Schwarzbau sein. Aus Unrecht erwachse kein Recht, so Salzmann, auch nicht aus einem jahrelangen Unrecht einer Verwaltung. „Das ist ein Skandal, das wird man über Dießen hinaus hören!“ Die Gemeinderäte folgten dem Vorschlag ihres Rechtsanwaltes Gerhard Spieß, das Areal vorerst als Grünfläche festzuschreiben. Außerdem wird die Stadt Augsburg aufgefordert, sämtliche baurechtliche Genehmigungen vorzulegen. Herbert Kirsch: „Wir hoffen, dass Augsburg zur Vernunft kommt.“ "Bin nicht erpressbar!" Landrat Walter Eichner (CSU) auf Nachfrage des KREISBOTEN: „Die Planungshoheit hat die Marktgemeinde Dießen. Punkt.“ Er würde sich nötigenfalls vermittelnd einschalten, sagt aber auch klar: „Ich bin nicht erpressbar.“ Er ist der Meinung, dass die Stadt Augsburg bisher kein Baurecht habe und sich durchaus bewegen dürfe, da sie durch die Pacht am ASG-Grundstück „bereits viel abschöpft“. Einen Plan B hat man in der Kreisbehörde bereits in der Schublade: Die Bootshütte könnte auch nördlich des Campingplatzgebäudes verwirklicht werden. Wie Kreiskämmerer Jürgen Felbinger ausführt, würde davon dann ein anderer Segelclub beeinträchtigt, nämlich der Landsberger. Außerdem wäre damit „ein Campingplatzbetrieb nicht mehr möglich“.

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