Ganz "Zuhause" mit Kitty Hoff – Chansons im Landberger Stadttheater

„Für mich soll es rote Rosen regnen.“ Das ist ein Satz, der vielen der Zuhörer der Chansonniere Kitty Hoff gar nicht mehr geläufig ist. Die große Hildegard Knef sang diese Zeilen vor mehr als 40 Jahren. Das gute Chanson, das aufregende Lied, das sich nicht mit Schlagern oder Hits messen möchte, hatte seit den Erfolgen der Knef eine lange Inkubationszeit, bis es wieder ans Licht der Öffentlichkeit trat. Kitty Hoff, Jahrgang 1972, zeigte mit ihrer Band „Foret Noire“ jüngst vor vollem Hause im Stadttheater, wie aufregend ein Chansonabend sein kann.

Musik, die noch „handgemacht“ ist, kein synthetischer, digital erzeugter Klang, sondern gute solide Handwerksarbeit war da von der Bühne zu hören. Ein Schlagzeuger (Marq Wenzel), der seinen Namen verdient, ein Bassist (Moe Jaksch), der seinen Kopf so rhythmisch bewegt, dass man Angst bekommt er zertrümmere sogleich den Hals seines Instruments, ein Pianist (Phil Marone) am Flügel und Keyboard, der mit den Ohren wackeln kann, ein Gitarrist (Beat Lee Burns) – und eine Frontfrau, die Witz und Schlagfertigkeit mit hübsch komponierten und getexteten Liedern verbindet. „Landsberg kennen wir“, meinte sie, „es ist unser Zuhause“, es sei sowas wie „der Sessel unserer Adolszenz“. Ach, wir möchten ihr diese Wortschöpfung so gerne glauben, und es ist vielleicht nichts anderes als eine besonders geschickte Art das Publikum auf ihre Seite zu bringen. Später wird die Sängerin den Gitarristen bitten ein Bild vom Publikum zu machen. Der Erlebnisraum „Stadttheater Landsberg“ wird zum Thema und wenn sie dann sagt, dass das Theater „wunderbar“ sei, dann klingt das durchaus authentisch. An die 20 Chansons trägt Kitty Hoff vor. Sie sind ein bisschen schwermütig und etwas melancholisch. Sie handeln vom Riesenrad im Prater, vom Knall, mit dem auf einen Schlag alle psychischen Probleme verschwinden. Sie spricht mit einem ironischen Unterton von den Luxusproblemen, die wir haben, wenn wir auf unsere mit Goldstaub bepinselte Wand blicken, während draußen vor dem Schloss vier vor eine Kutsche gespannte Apfelschimmel darauf warten, uns in Windeseile davon zu tragen. Das Leben des Alltags Ihre Emotionen sind leise, nicht aufgedrängt. Eher verhalten. Ihre Text beschreiben das Leben des Alltags. Mancher Tag ist „wieder ein Tag ohne Schritt, weder vor noch zurück.“ Sie singt von Matrosen, „die sind die kompliziertesten“. Dann erzählt sie die Geschichte von der Frau, die von ihrem Mann wie ein zarte Blume behandelt werden wollte. So lange, bis er sie in einen Blumentopf steckte. Die Bühne gibt eine Clubatmosphäre wieder, wie wir sie auf Filmen aus den 50er Jahren kennen. Altmodische Tischleuchten geben ein spärliches Licht, ein bequemer Sessel mit geflochtenem Rücken dient der Chanteuse sich auszuruhen, eine kleine Truhe steht im Vordergrund. Wir blicken verstohlen in das Wohnzimmer einer Dame – „Zuhause“ eben, so auch der Titel ihres aktuellen Programmes. War Kitty Hoff vor der Pause ganz in Weiß gekleidet, so tritt sie danach völlig in Schwarz auf. Aber auf beide Weisen bleibt sie reizvoll und so attraktiv mit ihrem Gesang und ihrer Erscheinung, dass sich das Publikum zwei Zugaben erklatscht.

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