Zum Geburtstag eine Kletterhalle?

Auf dieser Grünfläche vor der Eissporthalle möchte der Landsberger Alpenverein seine Kletterhalle realisieren. Foto: Schwaiger

Von Trendsport zu sprechen, würde der Sache einfach nicht gerecht, das Indoor-Klettern hat sich längst etabliert. Kein Wunder, ist es doch unabhängig von allen Unbilden des Wetters und der Jahreszeiten und dort möglich, wo es keine Felsen gibt. Rund ein Drittel aller Mitglieder des Deutschen Alpenvereins (DAV) sucht regelmäßig die Herausforderung in der künstlichen Wand mit Routen aller erdenklichen Schwierigkeitsgraden. Dieser Entwicklung möchte der Landsberger Alpenverein jetzt mit einer eigenen Halle Rechnung tragen. Der KREISBOTE unter­hielt sich darüber mit Erwin Stolz. Sollte das Projekt zustande kommen, wäre es in der 32-jährigen Amtszeit des AV-Vorsitzenden gewiss eines der ganz großen Highlights.

Herr Stolz, landauf, landab gibt es bereits DAV-Kletterhallen, nur nicht im Mittelzentrum Landsberg. Warum ist das so? Stolz: „Wir haben diese Idee schon länger – aus gutem Grund. Allerdings habe ich persönlich die Sache immer mit Vorbehalt betrachtet, wollte erst mal die anfängliche Euphorie im Indoor-Klettersport abwarten und nicht zuletzt aus den Erfahrungen anderer Schlüsse für unser Projekt ziehen.“ Die da wären… Stolz: „Wir packen es an und versuchen, in Landsberg eine Kletterhalle zu realisieren. Das Potenzial dafür ist vorhanden: rund 50000 Einwohner in der nahen Region, AV-Sektionen in Landsberg, Kaufering, Geltendorf und Dießen. Wer indoor klettern will, der muss im Moment zu den AV-Anlagen nach Augsburg oder Gilching und steht dort nicht selten in einer langen Schlange. Der Kletterturm in Kaufbeuren wird auch nicht allen Wünschen gerecht.“ Wie schätzt der Deutsche Alpenverein Ihr Vorhaben ein? Stolz: „Seit rund vier Jahren gibt es beim DAV einen bundesweiten Kletterhallen-Standortplan, darin ist unser Projekt bereits aufgenommen und festgeschrieben.“ Ist das von besonderer Bedeutung? Stolz: „Allerdings. Denn nur so können wir auf eine Förderung seitens des DAV rechnen. In der Regel sind das 15 Prozent der förderfähigen Kosten und ein günstiges Darlehen. Gemessen an den Gesamtkosten ist das relativ wenig. Für den sportlichen Teil, sprich die reine Kletterfläche, gibt es vom Landessportverband ebenfalls noch Zuschüsse, aber das ist eher marginal. Mit Stadt und Landkreis Landsberg haben wir auch schon gesprochen. Für alle Fördermöglichkeiten gilt: Es sind noch keine Anträge gestellt, dafür ist’s noch zu früh.“ Von welcher Investitionssumme gehen Sie denn aus? Stolz: „Unsere Messlatte liegt bei maximal 1,5 Millionen Euro. Ob wir die Finanzierung stemmen können, das prüfen wird gerade auf Herz und Nieren. Aber: Mit einem finanziellen Kraftakt die Sektion zu gefährden, das ist mit mir nicht zu machen. Unser Grundsatz lautet: Wenn wir’s machen, dann g’scheit.“ Wo genau wollen Sie’s denn machen? Stolz: „Die Stadt bietet uns das nördlich an die Eissporthalle grenzende dreieckige Areal an, das ist mit OB Neuner bereits besprochen. Der Standort ist wie geschaffen für unser Vorhaben und bietet eine Reihe von Vorteilen.“ Die da wären… Stolz: „Das liegt doch auf der Hand: Die komplette Infrastruktur ist vorhanden, Wasser, Abwasser, Strom und Fernwärme für die bauliche Seite, weiterhin Parkplätze und dann die Gaststätte des Sportzentrums. Da kann man sich nach kräfteraubenden Kletterpartien gleich wieder stärken.“ Wie muss man sich denn die Halle vorstellen? Stolz: „Unsere Planung sieht ein freistehendes Gebäude vor, 14 Meter hoch. Zum Vergleich: Die Eissporthalle ist zwölf Meter hoch. Die Kletterfläche in der Halle wird 840 Quadratmeter umfassen, alles gut einsehbar von einer Zuschauertribüne; bouldern, also das Klettern ohne Seilsicherung in Bodennähe, soll auf 235 Quadratmeter möglich sein. Außerdem ist an der Ost-Fassade eine Außenkletterwand geplant.“ Wer soll die Kletterhalle betreiben? Stolz: „Da stehen zwei Möglichkeiten zur Debatte: an einen Betreiber vermieten oder in AV-Regie mit Hallenmeister und Kletterroutenbetreuer, von denen wir einige in der Sektion haben.“ Mit wie vielen Besuchern ist denn pro Jahr zu rechnen? Stolz: „Bei dieser Frage bleibt nur der Blick zu vergleichbaren Anlagen. In Berchtesgaden sind es rund 20000 und in Bad Tölz 25000 Besucher jährlich. In Radolfzell, wo die AV-Sektion ähnlich groß wie in Landsberg ist, gehen etwa 40000 Kletterer in die dortige Halle. Für alle drei gilt: rund 30 Prozent der ,Kunden‘ sind Jugendliche.“ Letzteres scheint Ihnen besonders wichtig zu sein… Stolz: „Das ist es auch. Die Förderung der Jugend – das Potenzial in unserem Einzugsbereich dürfte bei rund 10000 lie­gen – war einer der Beweggründe, das Projekt überhaupt anzugehen. Klettern fördert die Persönlichkeitsentwicklung und das Talent, es steigert Geschicklichkeit und Kraft und es stärkt den Mut und das Sicherheitsbewusstein. In anderen Hallen habe ich mit Genugtuung beobachtet, wie ganze Familien mit großer Freude gemeinsam dem Klettersport fröhnten.“ Wollen Sie auch mit Schulen zusammenarbeiten? Stolz: „Ja, das ist fest geplant. Unabhängig davon: ,Check your risk‘ – Infos dazu gibt es auf der gleichnamigen Internetseite – heißt das Präventionsprogramm, das unsere Übungs­leiter Christian Stechele und Armin Gambal schon seit Jahren vermitteln.“ Wann würden Sie die AV-Kletterhalle in Landsberg gerne in Betrieb nehmen? Stolz: „Wenn die Finanzierung und die Rahmenbedingungen passen, könnte das bereits im kommenden Jahr sein. 2014 wäre auch nicht schlecht, dann feiert unsere Sektion ihren 125. Geburtstag.“

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