Gedenken stößt auf Widerstand – KZ-Überlebender Abba Naor: "Das akzeptieren wir nicht!"

„Wir werden das nicht akzeptieren und sind mit dieser Vorgehensweise nicht einverstanden.“ So lautet das Urteil von Abba Naor, Kuratoriumsmitglied der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und Vorstand der „Association of survivors Lands­- berg/Kau­fering outer camps of Dachau“. Damit reagierte der KZ-Überlebende auf den jüngsten Beschluss des Marktgemeinderates, der vorsieht, am Gedenkort „Rampe/Waggon“ am Kauferinger Bahnhof zukünftig sowohl an die Geschichte der KZ-Häftlinge als auch an die Geschichte der Heimatvertriebenen gleichermaßen zu erinnern.

Wie im KREISBOTEN berichtet, hatte sich der Gemeinderat auf zwei Textentwürfe verständigt, die zum einen an die KZ-Opfer und zum anderen an die Heimatvertriebenen erinnern sollen. Geplant ist, diese zusammen mit Bildern auf eine von Prof. Hubertus von Pilgrim geschaffene Stele am Gedenk­ort „Rampe/Waggon“ zu manifestieren. „Wir haben hier die einmalige Chance, an ein und demselben Ort über beide Geschichten zu berichten, auch wenn diese von völlig anderen Zielrichtungen geprägt waren“, erklärte Bürgermeister Dr. Klaus Bühler damals in der Ratssitzung und betonte, dass dieser Umstand bundesweit wohl einmalig sei. "Wir sind dagegen" Wohl nicht ohne Grund. So sieht es zumindest der KZ-Überlebende Naor, der jetzt gegen­über dem KREISBOTEN sein Unverständnis über die Kau­fe– ringer Vorgehensweise äußerte: „Wir sind strikt dagegen und können mit diesen Menschen nicht kooperieren.“ Getragen werde diese Auffassung vom gesamten Verein, einschließlich dessen Vorsitzenden Uri Chanoch. „Für uns ist das ein Beschluss, der völlig unakzeptabel ist. Die Sache ist einfach zu wichtig, als dass wir das so hinnehmen können. Wir werden nicht akzeptieren, dass an der Rampe, an der wir KZ-Häftlinge zur Zwangsarbeit nach Kaufering gebracht wurden, im gleichen Atemzug auch an die Heimatvertriebenen erinnert wird. Bei aller Tragik die diese Menschen erlebt haben, kann man dieses Leid nicht mit dem gleichsetzen, was wir erleiden mussten“, so Naor. Dabei schien in punkto Gedenkarbeit in Kaufering nach der Diskussion um die Zahl der Toten wieder etwas Ruhe in die Lechgemeinde eingekehrt zu sein. Auch in Sachen Kooperation mit der Stiftung Bayerische Gedenkstätten hatte man sich angenähert. Dies zumindest ist das Ergebnis eines Treffens zwischen Vertretern der Marktgemeinde und Stiftungsdirektor Karl Freller. In einer gemeinsamen Presseerklärung würdigten Freller und Dr. Bühler die Gedenkarbeit der Gemeinde und machten den Willen zum konstruktiven Dialog deutlich. Demnach sei man nach den vorangegangenen Diskussionen um die Gedenkarbeit in Kaufering aufeinander zugegangen. „Alle An­- wesenden zeigten sich bekümmert über die öffentlich geführte Debatte um die Zahl der Opfer der Kauferinger KZ-Lager und die in der Folge entstandenen Irritationen“, heißt es in der gemeinsamen Erklä­rung. Grundsätzlich verständigten sich die Beteiligten darauf, dass die Stiftung für Auskünfte zur Verfügung stünde, falls dies vonseiten der Gemeinde gewünscht werde. Beim gemeinsamen Treffen in Kaufering würdigten die Vertreter der Stiftung Bayerische Gedenkstätten das Engagement für die beiden Gedenkorte am Bahnhof. Der Markt und der Verein „Gedenken in Kaufering“ hätten sich dabei – „wie es auch ihr selbstverständliches Recht sei“ – für eine symbolisch geprägte Form des Gedenkens entschieden. Sinneswandel Noch im April hatte der wissenschaftliche Beirat der Stiftung Kritik geäußert: „Mit großer Sorge nimmt der Beirat zur Kenntnis, dass sich in Kaufering neue Aktivitäten entwickeln, die auf wissenschaftlich schwankender Grundlage stehen und stärker an Emotionen appellieren als auf die Bildung eines historischen Be­wusst­seins.“ Warum plötzlich der Sinneswandel? Stiftungsdirektor Freller war bis KREISBOTEN-Redaktionsschluss für eine Stellung­- nahme nicht erreichbar. Auch bleibt abzuwarten, wie sich die KZ-Überlebenden mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen ver­halten werden. Abba Naor kündigte jedenfalls an, dass die „Association of survivors Landsberg/Kaufering outer camps of Dachau“ den jüngsten Vorstoß der Marktgemeinde nicht einfach so hinnehmen werde.

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