70. Jahrestag der Befreiung

Weg aus der Dunkelheit

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Vier Stelen mit insgesamt 6334 Namen wurden bei der Gedenkfeier enthüllt. Sie alle starben in den Lagern um Landsberg.

Landsberg – Vier große weiße Tafeln, dicht bedruckt mit Namen stehen nun in der Bunkeranlage der Welfenkaserne. Es sind die Namen von 6334 KZ-Häftlingen, die in den zehn Lagern um Landsberg und Kaufering den Tod fanden. Den Toten, aber auch den Überlebenden und Angehörigen gedachte man nun, 70 Jahre nach der Befreiung der KZ-Außenlager.

Drei unterirdische Flugzeugfabriken sollten noch 1944 westlich von Landsberg entstehen – einer davon unter dem Decknamen „Weingut II” auf dem heutigen Gelände der Welfenkaserne. Die SS stellte die Arbeitskräfte: KZ-Häftlinge, die meisten jüdischer Herkunft. Im Juni kamen die Häftlinge in Kaufering an. Insgesamt werden bis zur Befreiung durch die Amerikaner am 27. April 1945 23000 Häftlinge nach Landsberg gebracht.

Der ehemalige Häftling Max Volpert sprach vor allem von seinem Alltag und seiner Arbeit im Lager Kaufering III.

Einer von ihnen ist der damals 13-jährige Max Volpert. „Zwölf Stunden Schuften pro Tag, eine Stunde der Weg ins Lager, viele Apelle” – so schildert der Überlebende den Gästen der Gedenkfeier seinen „Arbeitsalltag” in Lager III. Zuerst muss er den ganzen Tag 50 Kilogramm schwere Zementsäcke tragen, nach einiger Zeit hat er „Glück” und kommt zu einem anderen Kommando. Seine dortige Arbeit ist es, die Toten zu begraben. In dieser Zeit hat er seine ganze Familie verloren. Seine Mutter wurde nach Auschwitz gebracht, sein Vater starb und er selbst spricht von einem „Wunder”, dass er am Leben geblieben ist.

Am 24. April 1945 wird Max Volpert „im Laufschritt Richtung Dachau” getrieben. Wer nicht gehen konnte, wurde auf dem Weg erschossen, erzählt Volpert. Entlang der Straßen und Wege liegen Leichen aus anderen Gruppen. Am 2. Mai ist der Leidensweg von Max Volpert zu Ende. Heute sei er dankbar über die Möglichkeit, Schülern seinen Leidensweg erzählen zu können.

Die Bereitschaft der Überlebenden mit der jüngeren Generation zu sprechen, verlange ihm enormen Respekt ab, betonte Dr. Ralf Brauksiepe, Parlamentarischer Staatssekretär der Bundesverteidigungsministerin, während der Gedenkfeier. Die Gespräche mit den Überlebenden seien besonders wichtig, hob auch der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten Karl Freller hervor. Denn „wenn man sich mit der Vergangenheit beschäftigt, weiß man vielleicht auch, was wichtig für die Zukunft ist”, so der Stiftungsdirektor weiter.

Seit 2011 ist die Ausstellung im Bunker „Erinnerungsort Weingut II” als Militärgeschichtliche Sammlung offiziell anerkannt. Dass die Öffentlichkeit Zugang zu diesem Ort hat, befürwortet der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten: „Wir müssen unser Augenmerk auf diesen Bunker legen”. Zum 70. Jahrestag der Befreiung der KZ-Außenlager wurden die Totenstelen mit den insgesamt 6334 Namen feierlich enthüllt. Sie spiegeln die katastrophalen Bedingungen wider, so Oberbürgermeister Mathias Neuner. „Wir tragen Verantwortung dafür, dass so etwas nie wieder geschieht”, so Neuner weiter.

Neben der Enthüllung der Stelen und einer feierlichen Kranzniederlegung, übergab der Schulleiter der Berufsschule Weilheim, Robert Stolzenberg, eine von einer Zimmererklasse nachgebaute Erdhütte an die Sammlung. Die Klasse habe damit eine „lebendige Erinnerung” geschaffen. Viele Menschen hätten vor 70 Jahren an diesem Ort die Dunkelheit erleiden müssen. Nun sei es wichtig, der Jugend die Angst vor der Dunkelheit weiterzugeben und gleichzeitig den Mut, für die Helligkeit einzutreten, so Stolzenberg.

Dass die Verbindung zur Jugend eine wichtige Rolle bei den Gedenkfeierlichkeiten spiel- te, unterstrich auch die Beteiligung des Schülerblasorchesters St. Ottilien. Unter der Leitung des Dirigenten Hans-Günther Schwanzer begleitete es die feierliche Veranstaltung im Landsberger „Bunker“ sehr stimmungsvoll.

Astrid Erhard

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