Feindbild Mann

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Glück gehabt…

Landsberg – Eine 50-jährige aus Schondorf muss für ein Jahr ins Gefängnis, weil sie in einer Kneipe einem Mann (49) eine Flasche an den Kopf geschlagen hat. Er erlitt eine Gehirnerschütterung und litt einige Tage an Sehstörungen. Trotzdem wäre die Frau möglicherweise mit einer Bewährungsstrafe davongekommen, wenn sie nicht ein knappes Jahr zuvor ähnlich aggressiv auf einen anderen Mann losgegangen wäre.

Der erste Vorfall ereignete sich in der Obdachlosenunterkunft, in der die Frau damals lebte. Weil sie sich bei einem Gesellschaftsspiel über ihren Mitbewohner ärgerte, schnitt sie ihm mit einem Skalpell in die Hand. Sechs Monate auf Bewährung, lautete damals das Urteil des Amtsgerichts Landsberg. Nun saß die Frau zum zweiten Mal auf der Anklagebank, wieder wegen gefährlicher Körperverletzung. 

Ende März hatte die 50-Jährige in angetrunkenem Zustand in einer Gaststätte in Utting einen Mann und dessen Freundin belästigt. Immer wieder kam sie an den Tisch der beiden, versuchte mit ihnen ins Gespräch zu kommen und machte der Frau Komplimente. Das Paar war genervt, blieb aber gelassen, bis die Angeklagte dem Mann auch noch in den Schritt fasste. Daraufhin betitelte er sie als „Schlampe“. Etwas später tauchte sie hinter dem 49-Jährigen an der Bar auf und knallte ihm ohne Vorwarnung eine Bierflasche gegen die linke Schläfe. 

Vor Gericht äußerte sich die 50-Jährige nicht zu dem Vorfall. Sie könne sich nicht daran erinnern, wolle aber nicht ausschließen, dass sie die Tat be- gangen habe, ließ sie ihren Verteidiger Dr. Alexander Deichstetter vorbringen. Der Geschä- digte hätte am liebsten kein großes Aufhebens um die Sache gemacht. 

Seine blutende Kopfwunde bemerkte der Mann erst, als die herbei gerufenen Polizisten ihn darauf ansprachen. „Er wollte nur nach Hause“, berichtete eine Beamtin vor Gericht. Zum Arzt ging der Maurer erst zwei Tage später, weil er unter Übelkeit, Kopfschmerzen und einem Flimmern vor den Augen litt. Er und die Angeklagte hatten sich vor jenem Abend noch nie gesehen. 

Die Frau entschuldigte sich vor Gericht bei ihm. Dass sie ein Problem mit Alkohol habe, bestritt sie jedoch und legte medizinische Unterlagen vor, die das belegen sollten. Allerdings war sie auch bei der ersten Tat betrunken gewesen. 

Anklagevertreter Jürgen Peil forderte eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Verteidiger Deichstetter versuchte vergeblich, seine Mandantin vor dem Gefängnis zu bewahren. Dass bei ihr, wie er sagte, „der Groschen gefallen“ sei und derartige Attacken nicht mehr vorkommen würden, glaubte Richterin Simone Zwiener nicht. Die Bewährungsstrafe vom letzten Jahr sei wohl ohne Wirkung geblieben. „Ich vermisse bei der Angeklagten jede Einsicht in die Problematik, dass sie unter Alkoholeinfluss tätlich wird“, so Zwiener.

Ulrike Osman

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