Gegenwind für den Lechsteg

Der neue Steg über den Lech soll einmal am Mutterturm enden: Für die UBV keine akzeptable Lösung. Foto: Stadt LL

Seit 16 Jahren gibt es die Möglichkeit des Bürgerentscheids in der bayerischen Verfassung, genauso lange machen die Landsberger von diesem Recht rege Gebrauch. Ganze neun Mal wollten die Lechstädter seitdem wichtige Entscheidungen nicht allein den Politikern überlassen. Nur in Regensburg fanden im Freistaat mehr Bürgerentscheide statt. Schon bald könnte das Bürgervotum erneut gefragt sein: Die UBV plant, die Landsberger über den jüngst vom Stadtrat beschlossenen Bau des neuen Lechstegs zwischen Inselbad und Mutterturm abstimmen zu lassen.

Den Anstoß dazu habe die jüngste Unterschriftenaktion von Erich Schmid gegeben, erklärt Christoph Jell, 2. Vorsitzender der UBV und Stadtrat. Schon seit Wochen protestiert das UBV-Gründungsmitglied für einen uneingeschränkten Zugang zum Lechstrand über das Inselbad. Rund 1500 Landsberger haben Schmid mit ihrer Unterschrift bislang ihre Unterstützung signalisiert. Ein klares Zeichen, findet Wolfgang Neumeier, zumal sich viele Bürger in diesem Zug auch bestürzt über die Auswirkungen des geplanten Stegs gezeigt hätten. „Da mussten wir reagieren“, so der UBV-Vorsitzende. Es ist vor allem die geplante Lage der Fußgänger- und Radfahrerbrücke, die Neumeier und seinen Parteikollegen sauer aufstößt. Sowohl für das Inselbad als auch den Herkomer-Park am Mutterturm befürchten die Kritiker durch den mindestens 3,5 Meter breiten Steg schwerwiegende Einschnitte. In erster Linie geht es dabei um die Anbindung der Brücke an das vorhandene Wegenetz. „Man hat eine Brücke für 1,2 Millionen Euro geplant, ohne die Zuwege genau zu überdenken“, ärgert sich Neumeier. Um den Zugang zur Brücke in der Nähe des Sprungturms zu ermöglichen, müsste die Liegewiese „massiv“ verkleinert werden, befürchtet Jell. Durch den in der Stadtratssitzung angedeuteten neuen Weg zwischen Brücke und Flößerplatz verlöre das Bad zudem endgültig seine Verbindung zum Lechstrand. Nicht viel besser schätzt Jell die Situation auf der Westseite ein. Da dort die bestehenden Wege im Herkomer-Park für die Menge an Schülern, die über den Steg künftig zum Bahnhof geschleust werden sollen, nicht ausreichen, müsse der Park „komplett umgekrempelt“ werden, kritisiert der Stadtrat: „Das ist das Todesurteil für den Park.“ Viel naheliegender sei es da, die Schüler über den Peter-Dörfler-Weg oder den bereits bestehenden Lechsteg weiter nördlich zu schicken. Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) zeigte sich auf Anfrage des KREISBOTEN verärgert über das Vorgehen der UBV. „Ich kann das nicht verstehen. Wir haben schließlich einen klaren Stadtratsbeschluss, der auf einem umfassenden Wettbewerb beruht.“ Die Argumentation der Kritiker kann Lehmann nicht nachvollziehen. Schon aus Sichterheitsgründen sei der neue Lechsteg unverzichtbar, der Weg für Schüler über die Katharinenstraße zum Bahnhof wegen des Verkehrs viel zu gefährlich. Und auch dass Herkomer-Park und Inselbad massiv unter dem Bauwerk zu leiden hätten, hält der OB für Panikmache. „Wir wollen eine vernünftige Lösung mit möglichst geringen Eingriffen in Bad und Park.“ Sollte die UBV die nötige Anzahl von rund 1700 Unterschriften für ihr Bürgerbegehren zum „Schutz des Inselbads und des Mutterturms“ erreichen, dürfte der enge Zeitplan für den Bau durcheinanderkommen. Derzeit rechnen die Verantwortlichen mit einer Fertigstellung im Frühjahr 2012 – rechtzeitig vor Beginn des Hauptplatzumbaus.

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