Es geht auch ohne Kraftfahrzeug

Innerhalb Kauferings fahren 23 Prozent lieber mit dem Fahrrad oder gehen zu Fuß (30 %). Das ist eines der vielen Ergebnisse, die die Haushaltsbefragung zutage brachte. Foto: Weh

Der nicht motorisierte Verkehr spielt in der Marktgemeinde eine größere Rolle als zunächst gedacht. Rund 53 Prozent des Binnenverkehrs entfallen auf Fußgänger und Radfahrer. Das ist die Erkenntnis aus der im Oktober durchgeführten Haushaltsbefragung durch das Ingenieurbüro „gevas“. Den ersten Sachstandsbericht, der in einen Gesamtverkehrsplan münden soll, lieferte Diplom-Ingenieur Werner Frey im Gemeinderat.

Als „Trommelfeuerwerk an Daten und Zahlen“, nannte Bürgermeister Dr. Klaus Bühler, was Frey auf der Sondersitzung präsentierte. Der Fachmann legte erstmals die Ergebnisse der Haushaltsbefragung samt Verkehrszählung und Kennzeichenerfassung vor und analysierte diese unter Einbeziehung von Unfalldaten der Polizei in Kooperation mit Bernd Peter vom ADFC-Kreisverband und dem ÖPNV-Experten des Landratsamtes, Dietmar Winkler (Bericht folgt). Damit sei die erste Phase des Gesamtverkehrskonzeptes abgeschlossen, auf welche in weiteren Schritten ein Leitbild sowie Zielsetzungen, eine Verkehrsprognose, Maß­nah­- men- und Konzept­entwick­- lung bis hin zur Bewertung und Empfehlung folgen sollen. Zunächst stellte Frey die Fakten der Haushaltsbefragung vor. Insgesamt 2100 Fragebogensets waren im Herbst an stichprobenartig ausgewählte Haushalte verteilt und auch wieder abgeholt worden. Ein Umstand, der dazu führte, dass die Rücklaufquote überdurchschnittlich hoch ausgefallen ist. Etwa 1210 der 1400 abgegebenen Fragebögen konnten daraufhin verwertet werden. Sie lieferten das Verkehrsverhalten von etwa 2810 Kauferinger Bürgern ab sechs Jahren am gewählten Stichtag, Dienstag, 5. Oktober 2010. „Das entspricht 29,4 Prozent der Einwohner, damit sind wir sehr weit auf der sicheren Seite und können zu fast 30 Prozent sicher sagen, wo wer wann und mit welchem Verkehrsmittel war“, erklärte Frey und sprach von einer „soliden Datenbasis“. 16,3 Prozent ohne Für Frey besonders interessant ist die Tatsache, dass lediglich 16,3 Prozent aller befragten Haushalte kein Auto zur Verfügung haben. Im Umkehrschluss kann also jeder Haushalt im Schnitt auf 1,19 Pkw zurückgreifen. Ein Ergebnis, welches sich mit den Daten von Hans Koch (SPD) deckt. Als Beauftragter für die Verkehrsentwicklung erklärte er, dass laut Landratsamt im November 2010 in Kaufering 8332 Fahrzeuge zugelassen waren – bei gemeldeten 9811 Einwohnern. Insgesamt waren laut Haushaltsbefragung 89 Prozent der Befragten am Stichtag außer Haus unterwegs und legten dabei 32790 Wege zurück. Im Schnitt sind das bei insgesamt 9584 Einwohnern ab 6 Jahren 3,42 Wege, die täglich gelaufen oder gefahren werden. Betrachtet man die Hauptver­kehrs­mittelwahl für den Gesamtverkehr, das heißt auch zu Zielen außerhalb der Marktgemeinde, dann nutzen 58 Prozent das Auto als Fahrer und Mitfahrer, 16 Prozent gehen zu Fuß und 14 benutzen das Rad. Auf den Binnenverkehr, also die Wege die innerhalb des Ortes zurückgelegt werden, entfallen allein 51,1 Prozent aller Wegstrecken. Hier zeigt sich, dass die Mehrheit der Kauferinger Bürger lieber zu Fuß geht (30 Prozent) oder mit dem Fahrrad fährt (23 Prozent). „Damit sind über die Hälfte im nicht motorisierten Verkehr unterwegs. Das ist ein erfreulicher Wert“, sagte Frey. Nur 35 Prozent nutzten das Auto als Fahrer, acht Prozent als Mitfahrer. „Eine noch verschwindend geringe Bedeutung im Binnenverkehr“ hat nach Angaben Freys der erst im September eingeführte Ortsbus mit einer Beteiligung von nur einem Prozent. „Hier sind es vor allem die Schüler zwischen 6 und 17 Jahren, die den Bus nehmen.“ Im Gesamtverkehr, der auch die Pendler mit einbezieht, sind es immerhin zwei Prozent aller befragten Verkehrsteilnehmer, die den Bus nutzen. „Für die Kauferinger selbst sind Bus und Bahn wenig von Bedeutung, mehr für die Pendler“, sagte Frey. Grundsätzlich beurteilte die Mehrheit der Befragten die Verkehrssituation in Kaufering mit „gut“, vor allem für Fußgänger (78 %), Pkw (59), Bahn (55) und Fahrrad (52). Lediglich für den Bus gab es nur von 28 Prozent der Befragten ein „gut“, das liege aber an dem hohen Anteil der „Weiß-nicht“-Antworten (43 %), für Frey ein Indiz dafür, dass sich diejenigen, die den Bus nicht nutzen, „auch kein Urteil erlauben wollen“. 4200 Vorschläge Trotz der breiten Zufriedenheit haben Kauferings Bürger an die 4200 Vorschläge zur Verbesserung der Verkehrssituation gemacht. Vor allem im Ausbau des Radwegenetzes sehen 54 Prozent Handlungsbedarf, insbesondere in Richtung Landsberg, Igling und Epfenhausen. Aber auch die Entschärfung von Gefahrenstellen für Radfahrer im Bereich Kolping-, Viktor-Frankl- und Bayernstraße wurde mehrfach gewünscht. „Die Resonanz der Bürger war groß“, sagte Frey abschließend und versprach, dass er zu allen Anregungen in kleinen Stichpunkten Antworten liefern wolle. Die Ergebnisse werden voraussichtlich im April im Rah­- men der Bürgerversammlung der Öffentlichkeit vorgestellt.

Meistgelesene Artikel

Vollgas auf eisiger Piste

Reichling – Frostiges Motorsportspektakel unter Flutlicht: Am Freitag, 20. Januar, richtet der MSC Reichling wieder die Zugspitzmeisterschaft im …
Vollgas auf eisiger Piste

"Nicht in dieser Dimension!"

Landsberg – 50 Bewohner der Schwaighofsiedlung haben in einer Versammlung gegen den geplanten Neubau der Obdachlosenunterkunft an der Jahnstraße …
"Nicht in dieser Dimension!"

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kommentare