Das geistliche Herz schlägt wieder

Es ist vollbracht: Nach fast dreijähriger Schliessung der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt haben am Palmsonntag viele Gläubige wieder Einzug in das frisch renovierte Gotteshaus gehalten. Für rund 7,4 Millionen Euro war es aufwändig saniert worden. „Jetzt schlägt das geistliche Herz der Stadt wieder“, verkündete Stadtpfarrer Thomas Rauch sichtlich stolz und spürbar erleichtert.

Alle wollten sie dem spannenden Moment beiwohnen, wenn Mesner Thor­sten Poth mit dem großen eisernen Schlüssel die Türen ins Innere der Kirche aufsperrt. Wer nicht an der Palmprozession von der Heilig-Kreuz-Kirche über die alte Berg­- straße zur Stadtpfarrkirche teilgenommen hatte, drängte sich mit den anderen Wartenden vor den Pforten des Hauptportals. Dort, wo sich im Juni 2005 ein großer Gesteinsbrocken gelöst hatte und herab gefallen war. Was daraufhin folgte war eine Hiobsbotschaft nach der anderen, die Kirche musste im September 2007 geschlossen und aufwändig saniert werden. Insgesamt 7,4 Millionen Euro kosteten die Maßnahmen, zu denen unter vielem anderen die Wiederherstellung der Statik, Fundamentarbeiten an der Marienkapelle, die Sanierung des Dachstuhles sowie die Renovierung der Seitenschiffe zählten. Rund 5,4 Millionen Euro gab es an Zuschüssen, der Rest musste von der Pfarreiengemeinschaft selbst aufgebracht werden. Ein finanzieller Kraftakt, der nun bis auf die Restsumme von rund 68000 Euro geschafft ist. Den vielen Einzel- und Groß­spendern dankte Stadtpfarrer Thomas Rauch jetzt auch beim Festgottesdienst zur Wiedereröffnung: „Ich möchte keinen hervorheben, aber ich danke allen, die ihren Beitrag dazu geleistet haben, dass wir heute wieder hier in unserer Kirche Gottesdienst feiern können.“ Auch wenn der Palmsonntag ein „Wechselbad der Gefühle“ sei, wo sich mit dem Ruf „Hosianna“ und der Passion Freude und Leid, hell und dunkel abwechselten, so soll heute doch die Freude überwiegen, sagte der Dekan. „Wir sollten uns bewusst vor Augen halten, wie wichtig die Stadtpfarrkirche für uns ist.“ Zum einen als „Mitte unseres Glaubens“, in der die Heilige Messe gefeiert werde, zum anderen sei die Stadtpfarrkirche eine Kirche, die viele Landsberger von der Kindheit bis ins hohe Alter begleitet habe. „Eine Kirche, die ein ganzes Leben prägt“, sagte Rauch. „Unsere Stadtpfarrkirche bringt ganz besonders zum Ausdruck, dass Glauben und Leben zusammengehören.“ Als weiteren Punkt nannte Rauch die Bedeutsamkeit von Mariä Himmelfahrt als „durchbeteter Raum“. „Es gibt nur wenige Kirchen, wo so oft im Stillen gebetet wird wie hier.“ Das zeige sich auch an den Opferkerzen: rund 100000 würden jährlich angezündet. Für viele Menschen sei die Kirche in der Innenstadt auch ein Ort der Stille, des Verweilens, des Innehaltens. „Ich bin selbst oft hier und dann freue ich mich, wenn ich auf Menschen treffe, bepackt mit Einkaufstüten, die hier die Ruhe suchen“, sagte Rauch. „Unsere Stadtpfarrkirche ist das geistliche Herz der Innenstadt und das geistliche Herz schlägt wieder. Da dürfen wir von Herzen dankbar sein.“ Dankbar sei er auch den unzähligen Helfern, die in den vergangenen Wochen noch dafür gesorgt hatten, dass der Festgottesdienst so gefeiert werden könne. „Sie können sich kaum vorstellen, wie viel Arbeit es macht, eine Kirche komplett aus- und wieder einzuräumen.“ Dafür dankte Rauch vor allem dem „Hausmeister“, Mesner Poth. Obwohl die Stadtpfarrkirche jetzt wieder täglich geöffnet ist, sind die Arbeiten dennoch nicht ganz abgeschlossen: Derzeit wird noch der Kirchturm eingerüstet – die Außensanierung steht an. Und am 1. August folgt schließlich die Weihe der drei neuen Glocken, die von Prof. Franz-Bernhard Weißhaar entworfen wurden.

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