Landsberg ist knapp bei Kasse

Die Probleme bestehen fort

+
Die millionenschwere Erweiterung der Mittelschule Landberg wird den städtischen Haushalt in den nächsten Jahren schwer belasten.

Landsberg – Kurz vor den Haushaltsberatungen für das Jahr 2016 kann der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Stadtrats heute Abend den Jahresabschluss für 2013 zur Kenntnis nehmen. Den Gremienmitgliedern wird bei der Lektüre des 615 Seiten umfassenden Werks auffallen: Das erste Jahr, in dem Oberbürgermeister Mathias Neuner und Kämmerer Peter Jung die Verantwortung trugen, ist gut gelaufen, aber die Probleme bestehen fort.

Es war der erste Haushalt nach Bekanntwerden der Ver­säumnisse der Vergangenheit. Übermäßige Kassenkredite, versteckte Schulden, verschleppte Instandhaltung und krisenverdeckende Grundstücksverkäufe kennzeichneten diese Periode. Der damalige Landrat Walter Eichner hatte den wegen seiner negativen Kennzahlen genehmigungspflichtigen Haushalt daher auch nur mit großen Bedenken durchgewunken, weil er „die dauernde Leistungsfähigkeit der Stadt „als sehr problematisch“ ansah.

Für diese bedrohliche Ausgangslage hat die Stadt nun im Jahr 2013 ein erstaunliches Ergebnis erzielt. 6,1 Millionen Euro Jahresüberschuss und 7,4 Millionen Euro liquide Mittel Ende 2013 waren gute Werte am Beginn einer Erholungsphase, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Dazu trugen unerwartet hohe Steuereinnahmen bei; die Kämmerei konnte 1,6 Millionen Euro mehr kassieren als geplant. Besonders wichtig war auch die Rückführung der kurzfristigen Verbindlichkeiten von 29 Millionen Euro Ende 2012 auf nur noch elf Millionen Ende 2013.

Mathias Neuner und Peter Jung zeigen sich im Lagebericht für den Ausschuss daher auch grundsätzlich zufrieden: „Nach Verlusten im Jahr 2011 und 2012 von 4,3 und einer Million Euro konnte 2013 wieder ein Gewinn erwirtschaftet werden. Die angespannte finanzielle Lage der Stadt im Jahr 2012 konnte durch umfangreiche Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen entspannt werden. So mussten zwar weiterhin langfristige Kredite aufgenommen werden, die Kassenkredite konnten allerdings nahezu abgebaut werden. Die Liquidität der Stadt war gegen Ende des Haushaltsjahres 2013 sichergestellt. Der Saldo aus laufender Verwaltungstätigkeit lag mit 4,4 Millionen Euro deutlich höher als noch im Vorjahr (minus 1,8 Millionen Euro).“

Dauerhaft leistungsfähig?

Allerdings zeigen Neuner und Jung – nicht zuletzt im Hinblick auf die jetzt beginnenden Haushaltsberatungen für 2016 – auch Probleme auf. „Das Finanzergebnis wird durch die hohe Verschuldung weiterhin stark belastet. Zwar konnten die Verbindlichkeiten gegenüber dem Vorjahr abgebaut werden, mit 47,7 Millionen Euro sind sie aber immer noch deutlich zu hoch.“ Die positiven Werte seien vor allem „einem Verzicht auf Bauunterhalt, Einsparung bei den Personalkosten und einem Investitionsstopp zu verdanken“. Diese Maßnahmen wirkten oft nur kurzfristig; eine dauernde und nachhaltige Leistungsfähigkeit werde damit nicht erreicht.

Risiken für die finanzielle Lage der Stadt Landsberg bestünden daher weiter. „Der Saldo aus laufender Verwaltungstätigkeit ist deutlich zu gering, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Stadt wieder in die Auflösung des Sanierungsstaus investieren muss.“ Ihr Fazit: „Um gegen diese vorgenannten Risiken gerüstet zu sein, ist der im Jahr 2012 eingeschlagene Sparkurs weiterzuführen. Eine Haushaltskonsolidierung ist konsequent zu verfolgen“.

Ein Schritt zurück

Ob das 2016 gelingen kann, ist fraglich. Eine erste Durchsicht des Haushaltsentwurfs zeigt, dass der so wichtige Saldo aus laufender Verwaltungstätigkeit mit 4,1 Millionen Euro niedriger als 2013 liegen wird. Das führt dazu, dass entweder Liquidität abgeschmolzen werden oder eine neue Kreditaufnahme erfolgen muss. Landsberg ist insofern immer noch nicht „über den Berg“. Genau betrachtet geht die Stadt, insbesondere aufgrund des beschlossenen Mittelschulbaus, in 2016 wieder einen Schritt zurück.

Werner Lauff

Meistgelesene Artikel

Aufprall auf Lkw

Buchloe/Landsberg – Ein Unfall auf der A96 bei Wiedergeltingen im Landkreis Unterallgäu hat am vergangenen Dienstag für einen 53-jährigen Autofahrer …
Aufprall auf Lkw

Der Entwurf steht

Landsberg – Die Hochwasserschutzmauern oberhalb der Karolinenbrücke sind 1913 erbaut worden – nach über hundert Jahren sind sie marode und müssen …
Der Entwurf steht

Vollgas auf eisiger Piste

Reichling – Frostiges Motorsportspektakel unter Flutlicht: Am Freitag, 20. Januar, richtet der MSC Reichling wieder die Zugspitzmeisterschaft im …
Vollgas auf eisiger Piste

Kommentare