Als der Wirt noch schleppen musste

+
Seit 50 Jahren betreibt die Geltendorfer Sektion des Deutschen Alpenvereins die Neue Magdeburger Hütte im Karwendel. Viel Arbeit haben die Mitglieder und Hüttenwirte im Laufe der Zeit in die Sanierung und Pflege der Hütte gesteckt.

Geltendorf – Seit 50 Jahren betreibt die Geltendorfer Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) die Neue Magdeburger Hütte im Karwendel. Aus diesem Anlass fand kürzlich eine Bergmesse vor der Hütte statt, verbunden mit einer Ausstellung über ihren Werdegang. Das Jubiläum bietet Anlass auf das vergangene halbe Jahrhundert zurückzuschauen, in dem die Geltendorfer eine Unmenge an Arbeit in ihr Alpen-Domizil auf 1.633 Meter Höhe gesteckt haben.

Als der Verein 1966 die Hütte oberhalb von Zirl in Tirol zunächst treuhänderisch übernahm, war sie in einem heruntergekommenen Zustand. Im Zuge von Ausbesserungsarbeiten wurden unter anderem neue Fenster und Türen eingebaut, die Küche modernisiert, Fußböden und Toiletten ausgetauscht sowie neue Matratzen hinauf gebracht. Klingt simpel, war aber schwierig, denn damals war der Fußweg zur Hütte in einem schlechten Zustand. Fahrzeuge kamen überhaupt nicht hinauf. Die Helfer schleppten alle Materialien eigenhändig beziehungsweise mit Hilfe von Pferden den Berg hoch. Auch der Hüttenwirt musste sämtlichen Proviant mit Pferden transportieren. Ein Fahrweg entstand erst später.

Nach der Renovierung erfreute sich die Hütte zunehmender Beliebtheit. Die wachsende Zahl an Besuchern brachte neue Herausforderungen mit sich. Der Wasserverbrauch stieg sprunghaft an – „oft musste der Hüttenwirt das Wasser für die ­Toiletten absperren, damit ihm für die Küche noch genügend blieb“, heißt es in der Vereinschronik. 1980 wurde mit einer neuen 300-Meter-Wasserleitung Abhilfe geschaffen. Ein Hubschrauber brachte einen 14.000-Liter-Tank auf den Berg. Zur Reinigung des Abwassers erstellte der Verein Klärgruben.

13.000 Arbeitsstunden

Anfang der 1980er Jahre stand wiederum ein Um- und Ausbau an. Die Maßnahmen sollten sich über fünf Jahre hinziehen und 13.000 freiwillige Arbeitsstunden verschlingen. Da Hüttenromantik mit Waschen im Freien für die meisten Besucher nicht mehr attraktiv war, errichtete der Verein unter anderem einen Anbau mit Waschräumen, Toiletten, Keller und einem zusätzlichen Aufenthaltsraum. Außerdem mussten Brandschutz­auflagen erfüllt werden, da für die Hütte die gleichen Vorschriften gelten wie für Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe im Tal. 1987 wurden die Arbeiten mit einer Feier offiziell abgeschlossen – und alle Helfer freuten sich, dass sie in Zukunft wieder mehr Bergtouren als Arbeitstouren würden unternehmen können.

Seitdem hat der Verein die Hütte kontinuierlich weiter gepflegt und modernisiert. Sie bietet heute über 70 Schlafplätze, Hausmannskost à la carte, einen Kinderspielplatz und in unmittelbarer Nähe einen Klettergarten. Ein Gebäude gleich gegenüber, das Jägerhäusl, steht Selbstversorgern zur Verfügung. Geöffnet ist die Hütte jeweils von Mai bis Oktober. Außerhalb dieser Zeit finden Wanderer Unterschlupf in der sogenannten Winterraumhütte.

In Sachen alternative Energie war man auf dem Berg seiner Zeit weit voraus. Bereits 1980 wurde in der Hütte ein Funktelefon installiert, das seinen Strom von Solarzellen erhielt. Eine Solaranlage sorgt auch dafür, dass im Jägerhäusl seit 1990 elektrisches Licht brennt. Und seit 2004 liefert ein mit Pflanzenöl betriebenes Blockheizkraftwerk Strom, dessen Abwärme für den Betrieb der Spülmaschine genutzt wird.

Erfolgsbeweis

Gleichzeitig mit dem 50-Jährigen gab es ein weiteres, kleines Jubiläum zu feiern – das 15-Jährige der Hüttenwirtsfamilie Isser. Sie sind erst die dritten, die seit der Übernahme durch den DAV Geltendorf die Hütte bewirtschaften. Die ersten Wirtsleute blieben 14 Jahre, die zweiten 21 einen besseren Beweis für den Erfolg dürfte es kaum geben.

Ulrike Osman

Meistgelesene Artikel

Ein Londoner Architekt formt den Lechsteg

Landsberg – Der aus Deutschland stammende Architekt Dirk Krolikowski vom Londoner Architekturbüro DKFS wird gemeinsam mit dem Münchener Ingenieurbüro …
Ein Londoner Architekt formt den Lechsteg

Vier Etagen und viel Licht

Landkreis – Es sei lediglich eine „graphische Umsetzung des Flächenbedarfs; kein Plan, keine Lösung“, betont Hochbauamtschef Christian Kusch mit …
Vier Etagen und viel Licht

Kritik der Prüfer bleibt folgenlos

Landsberg – Eigentlich war Oberbürgermeister Mathias Neuner und Kämmerer Peter Jung der Sachverhalt bekannt: Der Stellenplan der Stadtverwaltung ist …
Kritik der Prüfer bleibt folgenlos

Kommentare